News aus aller Welt
Start
Verena Bentele: Was ohne Sehkraft alles möglich ist
Sport · 03.08.2026 14:33

Verena Bentele: Was ohne Sehkraft alles möglich ist

Kurz: Vom Sportpodest an die Spitze des Sozialverbands VdK: Wie Verena Bentele ihre paralympische Disziplin nutzt, um soziale Gerechtigkeit in Deutschland voranzutrei

Vom Leistungssport in die politische Verantwortung

Wer an Verena Bentele denkt, hat oft das Bild der Ausnahmesportlerin vor Augen. Mit zwölf paralympischen Goldmedaillen sowie vier Weltmeistertiteln im Biathlon und Langlauf hat sie Sportgeschichte geschrieben. Doch die 44-Jährige, die blind geboren wurde, hat längst ein neues Kapitel aufgeschlagen. Seit 2018 führt sie als Präsidentin den Sozialverband VdK, den größten seiner Art in Deutschland. Ihr Weg zeigt eindrucksvoll, wie sich die im Sport erlernten Tugenden in den politischen Alltag übertragen lassen.

Sport als Fundament für den Erfolg

Der Wechsel vom Sportplatz in die Verbandsarbeit verlief für Bentele keineswegs als Bruch, sondern als konsequente Weiterentwicklung. Ihr Bruder Michael Bentele betont, dass sie ihre damalige Zielstrebigkeit eins zu eins in ihre heutige Rolle eingebracht hat. Auch in der Politik agiert sie mit dem unbedingten Willen, sich durchzusetzen und Erfolge zu erzielen.

Die Basis für diese Resilienz wurde in ihrer aktiven Zeit gelegt. Ob beim Klettern, wo sie sich allein auf ihren Tastsinn verlässt, oder bei rasanten Tandem-Fahrten – Bentele zeigt eine ausgeprägte Abenteuerlust und wenig Berührungsängste. Diese Mischung aus Mut und Disziplin ist heute ihr wichtigstes Werkzeug in den Verhandlungen mit der Bundesregierung und anderen politischen Akteuren.

Politische Laufbahn: Ein langfristiges Engagement

Benteles politisches Wirken begann bereits vor ihrem offiziellen Rücktritt vom Leistungssport. Bereits 2010 war sie als Delegierte für die Bundesversammlung tätig. Ein Meilenstein folgte 2014, als sie mit nur 32 Jahren zur Behindertenbeauftragten der Bundesregierung berufen wurde – als erste Person in diesem Amt, die selbst eine Behinderung hat.

Heute steht sie an der Spitze des VdK und setzt sich für soziale Gerechtigkeit ein. Sie selbst beschreibt ihre Arbeit als „Langstreckenrennen“. Im Gegensatz zum Sport, wo ein Sieg auf dem Treppchen greifbar ist, sind politische Erfolge oft langwierige Prozesse, die Jahre oder gar Jahrzehnte in Anspruch nehmen können.

Visionen für die soziale Zukunft

Zu den zentralen Zielen ihrer Arbeit gehört die Reform der sozialen Sicherungssysteme. Ein konkretes Anliegen ist die Zusammenführung von privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Dass dies ein mühsamer Weg ist, schreckt die ehemalige Athletin nicht ab. Sie zieht Parallelen zwischen ihrer sportlichen Vergangenheit und der politischen Gegenwart:

* **Kampfgeist:** Ohne Hartnäckigkeit sind große Veränderungen nicht möglich.

* **Teamarbeit:** Erfolge in der Politik sind selten und müssen gemeinsam mit vertrauten Mitstreitern erarbeitet werden.

* **Resilienz:** Die Fähigkeit, nach politischen Niederlagen aufzustehen, ist essenziell.

Vorbildfunktion und tägliche Motivation

Neben ihrer Arbeit in Berlin ist Bentele bundesweit präsent. Sie versteht sich als Botschafterin, die Menschen ermutigen möchte, ihre eigenen Grenzen zu hinterfragen. Bei Veranstaltungen wie dem Münchner Sportfestival sucht sie den direkten Kontakt zu Fans und Interessierten.

Trotz des vollen Terminkalenders bleibt der Sport ein fester Bestandteil ihres Lebens. Ob Laufen, Radfahren oder Schwimmen – sie versucht täglich, Zeit für körperliche Aktivität zu finden. Diese Routine ist für sie nicht nur ein Ausgleich, sondern eine notwendige Energiequelle, um in der komplexen Welt der Sozialpolitik zäh und fokussiert zu bleiben. Ihr Weg verdeutlicht, dass die Überwindung von Hürden – ob physischer oder gesellschaftlicher Natur – vor allem eine Frage der Einstellung und der Ausdauer ist.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/intensives-fussballspiel-im-modernen-stadion-28829501/ · Foto: Siarhei Nester
Quelle: https://www.sportschau.de/regional/swr/swr-verena-bentele-was-ohne-sehkraft-alles-moeglich-ist-100.html