News aus aller Welt
Start
Venedig verdient mehr als fünf Millionen Euro durch Eintritt
Schlagzeilen · 27.07.2026 14:10

Venedig verdient mehr als fünf Millionen Euro durch Eintritt

Kurz: Venedig zieht eine Bilanz der diesjährigen Eintrittsgebühr für Tagesbesucher. Mit über fünf Millionen Euro Einnahmen steigen die Forderungen nach höheren Preise

Ein neues Modell gegen den Massentourismus

Venedig hat mit seinem weltweit einzigartigen Eintrittsmodell für Tagesbesucher eine neue Ära im Städtetourismus eingeläutet. Nachdem die Lagunenstadt bereits im vergangenen Jahr als Vorreiterin für eine solche Regelung galt, konnte sie in der diesjährigen Saison erneut signifikante Einnahmen generieren. Nach Abschluss der offiziellen Bezahlsaison, die sich über 60 ausgewählte Termine seit dem Osterwochenende erstreckte, verzeichnete die Stadtverwaltung Einnahmen von über fünf Millionen Euro.

Die Regelung richtet sich gezielt an Tagestouristen, die ohne Übernachtung in die historische Altstadt kommen. Während Übernachtungsgäste von der direkten Eintrittsgebühr befreit sind – sie leisten ihren Beitrag bereits über die örtliche Kurtaxe –, mussten Tagesbesucher in der Regel zehn Euro entrichten. Wer seine Reise mindestens drei Tage im Voraus digital buchte, konnte die Kosten auf fünf Euro reduzieren. Der Nachweis erfolgt dabei über einen QR-Code, der bei Kontrollen vorgezeigt werden muss. Bei Verstößen drohen Bußgelder ab 60 Euro.

Herausforderungen trotz Rekordeinnahmen

Trotz der Einnahmen von mehr als 650.000 zahlenden Besuchern bleibt die Wirksamkeit des Systems umstritten. Kritiker weisen darauf hin, dass die Gebühr bisher kaum eine abschreckende Wirkung auf die Touristenströme entfaltet hat. Die Besucherzahlen in der Stadt, die mit weniger als 50.000 Einwohnern jährlich Millionen Gäste empfängt, blieben stabil auf einem hohen Niveau. Schätzungen gehen von jährlich über 25 Millionen Besuchern aus, von denen ein Großteil nur für wenige Stunden verweilt.

Die Belastung für die Infrastruktur bleibt immens. Neben dem baulichen Zustand der historischen Gebäude stellt die Entsorgung von Abfällen eine ständige Herausforderung dar. Freiwillige Helfer müssen regelmäßig in den Kanälen nach Schrott und Müll tauchen, um die Wasserwege passierbar und sicher zu halten. Zudem übersteigt die Zahl der Hotelbetten in der Altstadt die Anzahl der dort lebenden Menschen deutlich.

Pläne für eine drastische Erhöhung

Obwohl das aktuelle System offiziell noch als Testphase deklariert ist, gilt eine dauerhafte Beibehaltung als sicher. Der städtische Verantwortliche Simone Venturini hat bereits weitreichende Pläne für die kommende Saison skizziert. An Tagen mit besonders hohem Besucheraufkommen könnte der Eintrittspreis auf 30 bis 50 Euro ansteigen.

Ein solcher Schritt ist jedoch mit rechtlichen Hürden verbunden. Da die Entscheidung nicht allein in der Hand der Stadtverwaltung liegt, müsste die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Rom grünes Licht geben. Zudem warnen Experten vor verfassungsrechtlichen Bedenken: Eine Gebühr in dieser Höhe könnte als unzulässige Einschränkung der allgemeinen Bewegungsfreiheit ausgelegt werden.

Ausblick auf die nächste Saison

Für den Rest des laufenden Jahres bleibt der Zugang zur Stadt kostenfrei. Die Stadtverwaltung bereitet sich jedoch bereits auf das kommende Jahr vor, in dem das System voraussichtlich wieder am Osterwochenende in Kraft treten wird. Ob die angestrebte Erhöhung der Gebühren tatsächlich umgesetzt wird oder ob die rechtlichen Bedenken eine Grenze setzen, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur, dass Venedig weiterhin nach Wegen sucht, den Spagat zwischen den Einnahmen aus dem Tourismus und dem Schutz der fragilen Lebensqualität für die Bewohner zu bewältigen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/malerischer-kanal-in-venedig-mit-booten-und-brucke-30990671/ · Foto: Helena Jankovičová Kováčová
Quelle: https://www.zdfheute.de/panorama/venedig-besuch-eintritt-kosten-einnahmen-100.html