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USA beauftragen Core Power: Atomare US-Handelsflotte gegen Chinas Schiffsindustrie
Technik · 27.08.2026 08:50

USA beauftragen Core Power: Atomare US-Handelsflotte gegen Chinas Schiffsindustrie

Kurz: Die USA setzen auf Atomkraft im Schiffbau, um Chinas Dominanz zu brechen. Eine Partnerschaft mit Core Power soll den Bau einer neuen Handelsflotte einleiten.

Ein strategischer Wendepunkt in der globalen Schifffahrt

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ein ambitioniertes Vorhaben gestartet, um ihre Position in der globalen Schifffahrtsindustrie grundlegend zu verändern. Wie aus offiziellen Berichten hervorgeht, wurde eine öffentlich-private Partnerschaft mit dem britischen Unternehmen Core Power unterzeichnet, die den Aufbau einer atomgetriebenen Handelsflotte vorsieht. Die Vereinbarung, die am 24. August 2026 ratifiziert wurde, markiert einen bewussten Bruch mit bisherigen Strategien. Anstatt zu versuchen, die günstigen Produktionskosten der chinesischen Werften zu unterbieten, setzen die USA auf ihre technologische Expertise im Bereich der Kernenergie. Das Ziel ist es, durch den Einsatz von Reaktoren, die bereits seit Jahrzehnten in militärischen U-Booten bewährt sind, die kommerzielle Dominanz Chinas herauszufordern. Der Baubeginn für das erste Schiff dieser neuartigen Klasse ist für das Jahr 2028 terminiert. US-Präsident Donald Trump treibt dieses Projekt maßgeblich voran, um die durch billige Konkurrenz aus Fernost geschwächte heimische Schiffbauindustrie wiederzubeleben und technologisch an die Spitze zu führen.

Details zur technologischen und wirtschaftlichen Umsetzung

Die technischen Spezifikationen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Projekts sind komplex. Laut Mikal Bøe, dem Geschäftsführer von Core Power, bieten nuklear angetriebene Schiffe signifikante Vorteile gegenüber konventionellen, mit fossilen Brennstoffen betriebenen Frachtern. So könnten diese Schiffe eine um 50 bis 75 Prozent höhere Geschwindigkeit erreichen und gleichzeitig größere Frachtmengen befördern. Ein entscheidender ökonomischer Faktor ist die Brennstoffeffizienz: Ein mit Atomkraft betriebenes Schiff benötigt über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren keinen Brennstoffwechsel. Dies könnte laut Peter Jameson von der Boston Consulting Group völlig neue Geschäftsmodelle etablieren und Investoren anziehen, da die derzeit übliche Praxis, bei der der Charterer die Treibstoffkosten trägt, obsolet würde. Core Power schätzt die Kosten über die gesamte Lebensdauer auf 500 bis 600 US-Dollar pro Tonne, was mit herkömmlichen Kraftstoffen konkurrenzfähig sein soll. Das Unternehmen hat bereits knapp 200 Millionen US-Dollar von japanischen Investoren wie Mitsui, Mitsubishi und Sumitomo akquiriert. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Vereinbarung mit der US-Regierung derzeit keine explizite Finanzierungsgarantie enthält.

Historischer Kontext und die Herausforderung durch China

Der Vorstoß der USA ist eine direkte Reaktion auf die schwindende Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Werften. Über Jahre hinweg haben chinesische Unternehmen durch eine perfektionierte „Kunst der Billigkeit“ den globalen Markt für Handelsschiffe dominiert. Stephen Carmel, ein hochrangiger Vertreter der US-Seeverkehrsbehörde, betonte unmissverständlich, dass die USA nicht versuchen werden, eine billigere Version Chinas zu werden. Stattdessen soll die Kerntechnologie als Alleinstellungsmerkmal dienen. Der technologische Hintergrund ist dabei nicht neu: Russland nutzt bereits atomgetriebene Schiffe, primär als Eisbrecher in der Arktis, um dort operieren zu können. Die USA hingegen wollen diese Technologie nun in den kommerziellen Massenmarkt für Frachtschiffe überführen. Die historische Entwicklung zeigt jedoch, dass der zivile Einsatz von Kernenergie auf hoher See bisher an hohen Baukosten, komplexen Haftungsfragen und internationalen Hafenverboten gescheitert ist. Dieses Projekt versucht nun, diese Hürden durch einen neuen regulatorischen Rahmen zu überwinden, der Sicherheit und Genehmigungsverfahren standardisieren soll.

Die Akteure und ihre Rollen im Projekt

An diesem Vorhaben sind verschiedene nationale und internationale Akteure beteiligt. Auf US-amerikanischer Seite ist die Regierung unter Präsident Donald Trump der treibende politische Akteur, unterstützt durch die US-Seeverkehrsbehörde im Verkehrsministerium, vertreten durch Stephen Carmel. Core Power, ein in London ansässiges Unternehmen, fungiert als technologischer Partner und Koordinator. Um die logistische Basis zu sichern, wurde eine Partnerschaft mit dem Hafen von Corpus Christi in Texas geschlossen. Auf der Seite der Experten und Berater spielen Institutionen wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT), vertreten durch Themistoklis Sapsis, eine wichtige Rolle bei der Bewertung der notwendigen Versicherungsstrukturen. Auch die Boston Consulting Group, vertreten durch Peter Jameson, analysiert die wirtschaftliche Tragfähigkeit. Die japanischen Konzerne Mitsui, Mitsubishi und Sumitomo treten als wichtige Kapitalgeber auf. Trotz dieser breiten Aufstellung bleibt die Ausbildung von Fachkräften eine Herausforderung, da es derzeit an einer ausreichenden Anzahl von Nuklearingenieuren und geschultem Personal für den Betrieb solcher Schiffe mangelt.

Einordnung der strategischen Bedeutung

Einzuordnen ist das Projekt als ein Versuch der USA, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die damit verbundenen Umweltsteuern zu umgehen. Den Berichten zufolge stellt der Atomantrieb eine technologische Wette auf die Zukunft dar. Die Branche rechnet erst ab den 2030er-Jahren mit einem breiteren Einsatz solcher Schiffe. Die strategische Bedeutung liegt vor allem in der Marktdurchdringung: Core Power geht davon aus, dass in den nächsten 25 Jahren etwa 8.200 Schiffe ersetzt werden müssen, die für einen Atomantrieb geeignet wären. Das Unternehmen strebt an, in diesem Zeitraum einen Marktanteil von zehn bis zwanzig Prozent zu erreichen. Die Bewertung der Experten fällt jedoch vorsichtig aus. Während die technologische Machbarkeit durch die militärische Nutzung belegt ist, bleibt die kommerzielle Skalierbarkeit eine offene Frage. Besonders die regulatorischen Hürden, wie die internationale Haftung bei Unfällen, sind laut Expertenmeinungen wie jener von Themistoklis Sapsis kritisch. Ohne eine klare Versicherungslösung, so die Einschätzung, werde das Vorhaben kaum die notwendige Marktakzeptanz finden.

Offene Fragen und regulatorische Hürden

Trotz der klaren Zielsetzung bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet. Der Quelltext lässt offen, wie genau der regulatorische Rahmen aussehen soll, um die internationalen Hafenverbote zu umgehen. Es wird nicht spezifiziert, welche Sicherheitsstandards konkret definiert werden, um die Akzeptanz in ausländischen Häfen zu gewährleisten. Auch die Frage der langfristigen Finanzierung bleibt ungeklärt, da die Vereinbarung mit der US-Regierung keine Garantien enthält. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Ausbildung: Es gibt derzeit keinen öffentlich bekannten Plan, wie der akute Mangel an Nuklearingenieuren und qualifizierten Seeleuten kurzfristig behoben werden soll. Zudem bleibt unklar, wie die internationale Gemeinschaft auf die atomare Aufrüstung des zivilen Frachtverkehrs reagieren wird, insbesondere im Hinblick auf Sicherheitsbedenken und die Proliferation von Kerntechnologie. Auch die konkreten Kosten für den Bau des ersten Schiffes im Jahr 2028 werden nicht genannt, was eine Beurteilung der wirtschaftlichen Rentabilität für private Investoren erschwert. Die Versicherungslösung, die als Grundvoraussetzung für den Betrieb genannt wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in ihren Details ausgearbeitet.

Der Weg in die Zukunft: Zeitplan und nächste Schritte

Der Zeitplan für die Realisierung der atomgetriebenen Handelsflotte ist eng getaktet. Der erste Meilenstein ist der Baubeginn des ersten Schiffes im Jahr 2028. Bis dahin müssen die regulatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Betrieb in Häfen und die Verfügbarkeit von Versicherungen regeln. Die Branche geht davon aus, dass die Kommerzialisierung der Technologie erst in den 2030er-Jahren in eine relevante Phase eintreten wird. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Core Power in der Lage ist, die notwendigen Investitionen über die bereits akquirierten 200 Millionen US-Dollar hinaus zu sichern und ob die Partnerschaft mit dem Hafen von Corpus Christi als Blaupause für weitere Standorte dienen kann. Die Entscheidungsträger stehen nun vor der Herausforderung, sowohl die technische Entwicklung voranzutreiben als auch die notwendigen politischen und rechtlichen Voraussetzungen auf internationaler Ebene zu schaffen, um die atomgetriebenen Schiffe tatsächlich in den Welthandel zu integrieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-person-arbeiten-computer-6754846/ · Foto: Tima Miroshnichenko
Quelle: https://www.golem.de/news/usa-beauftragen-core-power-atomare-us-handelsflotte-gegen-chinas-schiffsindustrie-2608-212296.html