News aus aller Welt
Start
US-Midterms: Können die Republikaner wieder bei Latinos punkten?
Schlagzeilen · 18.10.2026 21:00

US-Midterms: Können die Republikaner wieder bei Latinos punkten?

Kurz: Die US-Zwischenwahlen stehen bevor, doch die Stimmung unter Latino-Wählern in Arizona ist im Wandel. Umfragen deuten auf einen Rückgang der Trump-Unterstützung.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Kurz vor den entscheidenden US-Zwischenwahlen, den sogenannten Midterms, zeichnet sich eine signifikante Verschiebung in der politischen Landschaft Arizonas ab. Während Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch einen beachtlichen Teil der Latino-Wähler für sich gewinnen konnte – in Arizona stimmten damals rund 42 Prozent für ihn –, deuten aktuelle Umfragen auf einen deutlichen Abwärtstrend für seine Partei hin. Die Wählergruppe der Latinos, die in Bundesstaaten wie Arizona einen erheblichen Anteil der Wahlberechtigten ausmacht, scheint sich zunehmend von den Republikanern abzuwenden. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von wirtschaftlichen Sorgen über die hohe Inflation bis hin zu tiefsitzenden Ängsten vor staatlichen Repressalien durch Einwanderungsbehörden wie die ICE. Während die Demokraten in den Umfragen für die Kongresswahlen deutlich führen, bleibt ein Teil der Latino-Community unentschlossen oder plant, der Wahl gänzlich fernzubleiben. Die politische Stimmung ist geprägt von einer Mischung aus Enttäuschung, Angst und einer wachsenden Distanz zu den etablierten Parteien, was die Bedeutung dieser Wählergruppe für den Ausgang der Midterms unterstreicht.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte

Die Datenlage verdeutlicht den Stimmungsumschwung präzise. Laut einer Umfrage von NBC News und Telemundo vom Anfang Oktober liegt die Zustimmung für Donald Trump unter Latino-Wählern landesweit bei lediglich 27 Prozent. Im Vergleich dazu stehen die Demokraten bei der Frage nach der Präferenz für den US-Kongress mit 59 Prozent deutlich vor den Republikanern, die lediglich 35 Prozent erreichen. In Arizona, wo Latinos rund ein Viertel der Wahlberechtigten stellen und in Städten wie Tucson sogar über 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ist dieser Trend besonders spürbar. Personen wie die 20-jährige Kamilla und ihre Schwester Emma aus dem Ort Patagonia äußern sich dezidiert gegen den Präsidenten. Sie fühlen sich durch Trumps Rhetorik und seine Politik diskriminiert. Auf der anderen Seite gibt es weiterhin Unterstützer wie den Gastronomen Jorge aus Catalina, der in seinem Restaurant „Sammy's Grill“ offen für den Präsidenten wirbt. Er sieht in Trump einen notwendigen Beschützer der USA, vergleichbar mit einem Wachhund, und nimmt dafür sogar höhere Benzinpreise oder eine aggressive Einwanderungspolitik in Kauf. Die Radioreporterin Silvia Sanchez beobachtet diese Dynamik in Arizona und stellt fest, dass die Identifikation mit den großen Parteien insgesamt abnimmt.

Hintergrund – Der Weg zu den Midterms

Die aktuelle politische Lage ist das Ergebnis einer Entwicklung, die bereits mit der Präsidentschaftswahl 2024 ihren Lauf nahm. Damals gelang es Donald Trump, durch Versprechen einer wirtschaftlichen Erholung und einen harten Kurs gegen illegal eingewanderte, straffällige Personen bei vielen Latinos zu punkten. Viele Wähler setzten große Hoffnungen in seinen Regierungsstil. Doch die Realität der letzten zwei Jahre hat bei vielen dieser Wähler zu Ernüchterung geführt. Die wirtschaftliche Lage hat sich für viele Familien verschlechtert; das Einkommen reicht oft kaum noch aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, was den Zwang zur Aufnahme mehrerer Jobs erhöht hat. Parallel dazu hat die aggressive Rhetorik des Präsidenten gegenüber Migranten und Demokraten mit Migrationshintergrund, wie sie etwa bei der Razzia gegen die Demokratin Omar im Oktober 2026 deutlich wurde, ein Klima der Angst geschaffen. Die Sorge vor Festnahmen durch die Einwanderungsbehörde ICE, selbst bei rechtmäßigem Status, hat die Stimmung innerhalb der Latino-Community massiv beeinflusst und den anfänglichen Rückhalt für die republikanische Politik in vielen Teilen erodiert.

Die Beteiligten – Wer entscheidet und wer sich äußert

Die Akteure in diesem politischen Gefüge sind vielfältig. Auf der einen Seite steht US-Präsident Donald Trump, dessen Politik der Einwanderungsbeschränkung und der wirtschaftlichen Priorisierung die zentrale Streitfrage bildet. Auf der anderen Seite stehen die Demokraten, die versuchen, die enttäuschten Wähler für sich zu gewinnen. Die betroffene Bevölkerungsgruppe der Latinos ist dabei keineswegs ein homogener Block. Es gibt junge Wähler wie Kamilla und Emma, die den Präsidenten als Bedrohung ihrer Identität wahrnehmen, und Bürger wie Carlos, die aus Angst vor Repressalien ihre politische Meinung nur vorsichtig äußern. Institutionen wie die Einwanderungsbehörde ICE spielen eine zentrale Rolle, da ihr Vorgehen von vielen Latinos als bedrohlich empfunden wird. Journalisten wie Silvia Sanchez vom Radiosender NPR fungieren als Beobachter, die die Stimmung in der Bevölkerung einfangen und einordnen. Zudem gibt es überzeugte Anhänger wie den Gastronomen Jorge, die als „Latinos for Trump“ eine Gegenposition zur wachsenden Kritik einnehmen und die harte Linie des Präsidenten als notwendige Sicherheitsmaßnahme verteidigen.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist die aktuelle Lage als eine Phase der politischen Entfremdung. Den Berichten zufolge ist der Rückhalt für die Republikaner unter Latinos so niedrig wie seit 2016 nicht mehr. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch einen massiven Zulauf für die Demokraten. Vielmehr scheint ein erheblicher Teil der Wähler in eine Art politische Apathie zu verfallen. Die Beobachtung von Silvia Sanchez, dass sich viele Latinos nicht mehr mit einer der beiden großen Parteien identifizieren können, ist ein Indiz für eine tiefe Spaltung. Wenn Wähler, die 2024 noch Trump gewählt haben, heute ihre Entscheidung bereuen, aber dennoch keine Alternative bei den Demokraten sehen, deutet dies auf ein strukturelles Problem des US-Parteiensystems hin. Die Angst, die viele Latinos verspüren – sei es vor wirtschaftlichem Abstieg oder vor staatlicher Willkür –, überlagert oft die klassischen parteipolitischen Themen. Die Unterstützung für Trump, wie sie etwa Jorge artikuliert, basiert auf einer spezifischen Weltsicht, in der Sicherheit und Stärke über soziale Teilhabe gestellt werden, was jedoch in der breiten Masse der Latino-Bevölkerung derzeit an Überzeugungskraft verliert.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der Quelltext lässt einige zentrale Fragen offen, die für das Verständnis der Midterms wichtig wären. Es bleibt unklar, wie hoch die tatsächliche Wahlbeteiligung unter den Latinos am 3. November 2026 sein wird. Obwohl Umfragen eine Tendenz zeigen, kann die tatsächliche Mobilisierung am Wahltag stark variieren. Zudem wird nicht explizit beantwortet, welche konkreten politischen Angebote die Demokraten machen, um die unentschlossenen oder enttäuschten Wähler, die sich von beiden Parteien abgewandt haben, doch noch an die Urnen zu bringen. Auch die Frage, wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – etwa die Inflation und die Benzinpreise – in den letzten Tagen vor der Wahl noch auf das Wahlverhalten auswirken könnten, bleibt unbeantwortet. Ebenso fehlen detaillierte Informationen darüber, ob es regionale Unterschiede in der Mobilisierung gibt, die über die Beispiele aus Arizona hinausgehen. Die langfristige Strategie beider Parteien, um die Latino-Wähler dauerhaft zu binden, wird im Text nur angerissen, aber nicht in ihrer Tiefe analysiert.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte und Termine

Der Zeitplan für die kommenden Wochen ist klar definiert. Am 3. November 2026 finden die Midterms statt, bei denen alle Abgeordneten des Repräsentantenhauses sowie ein Drittel des Senats neu gewählt werden. In 36 Bundesstaaten stehen zudem Gouverneurswahlen an. Diese Wahlen entscheiden über die zukünftige Machtverteilung im Kongress und damit über die Handlungsfähigkeit des Präsidenten in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit. Die Vorwahlen, die sogenannten Primaries, sind bereits abgeschlossen; sie begannen am 3. März in Staaten wie Arkansas, North Carolina und Texas und endeten am 15. September in Delaware. Die kommenden Tage bis zum Wahltag werden von einer intensiven Wahlkampfphase geprägt sein, in der beide Parteien versuchen werden, ihre Wähler zu mobilisieren. Für die Latino-Community in Arizona bedeutet dies eine Phase der Entscheidung, ob sie ihre Stimme abgeben, um Einfluss auf die politische Richtung des Landes zu nehmen, oder ob sie sich aufgrund der erlebten Enttäuschungen und Ängste aus dem demokratischen Prozess zurückziehen werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/lacheln-patriotismus-vaterlandsliebe-konzept-8846689/ · Foto: Mikhail Nilov
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-latinos-midterms-100.html