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TV-Kritik: Maybrit Illner: Nur das BSW lässt die Ukraine fallen
Politik · 16.10.2026 04:26

TV-Kritik: Maybrit Illner: Nur das BSW lässt die Ukraine fallen

Kurz: In der Talkshow von Maybrit Illner wurde über die Eskalation des Ukraine-Kriegs und Trumps Rolle diskutiert, wobei das BSW eine isolierte Position einnahm.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

In der aktuellen Ausgabe der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ stand die dramatische Eskalation des Ukraine-Krieges im Zentrum der Debatte, die durch die jüngsten politischen Manöver des US-Präsidenten Donald Trump eine neue Dynamik erhalten hat. Während die Bundesregierung intern mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und Spannungen zwischen SPD und CDU zu kämpfen hat, präsentierten sich die geladenen Gäste am runden Tisch überraschend einig in ihrer analytischen Herangehensweise. Im Fokus der Diskussion stand die Frage, wie Deutschland und Europa auf den sogenannten „Diesel-Deal“ zwischen Trump und Putin reagieren sollen. Die Sendung bot eine Plattform, um die sicherheitspolitischen Auswirkungen für Deutschland und die Ukraine zu beleuchten. Während der Außenminister Johann Wadephul (CDU) und der SPD-Politiker Ralf Stegner trotz unterschiedlicher politischer Lager eine weitgehend konsensuale Haltung zur Unterstützung Kiews vertraten, sorgte die Zuschaltung der BSW-Politikerin Claudia Wittig aus Magdeburg für einen Eklat. Sie vertrat eine Position, die den Forderungen der rechtsextremen AfD nahesteht und die Ukraine-Hilfen sowie Sanktionen gegen Russland scharf kritisiert. Die Sendung verdeutlichte damit die tiefe Spaltung in der deutschen Debattenkultur, in der das BSW zunehmend als isolierte Kraft auftritt, die sich von der etablierten sicherheitspolitischen Linie distanziert.

Die Einzelheiten der Debatte

Johann Wadephul, der als Außenminister den größten Redeanteil in der Sendung hatte, verteidigte die deutsche Position mit gelassenem Optimismus. Er betonte, dass die Bundesregierung „vollständig“ hinter dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj stehe. Wadephul verwies darauf, dass Russland den von Trump verkündeten Waffenstillstand bei Energieanlagen nicht eingehalten habe und die Blockade von Getreidelieferungen über das Schwarze Meer fortbestehe. Er bezeichnete das Verhältnis zu den USA als „Zweckbündnis“. Ralf Stegner von der SPD, der in der Vergangenheit oft kritisch gegenüber militärischer Unterstützung war, zeigte sich diesmal ungewohnt deutlich in seiner Ablehnung gegenüber Trump. Er warnte, dass auf den US-Präsidenten kein Verlass sei und dieser lediglich Geschäfte mit Putin anstrebe. Der Sicherheitsexperte Peter R. Neumann vom King's College London ergänzte, dass Trump die Ukraine als lästig empfinde, da er die strategische Partnerschaft mit Russland wiederbeleben wolle. Mareike Müller, eine Expertin für die Ukraine, wies auf die wachsende Angst im Baltikum hin, wo man Deutschland als „Stabilitätsanker“ gegen hybride russische Angriffe sehe. Der sächsische CDU-Minister Michael Kretschmer wurde per Einspieler zitiert, wobei er erneut mehr Diplomatie statt Waffenlieferungen forderte, was Wadephul mit dem Hinweis auf seine eigenen Gespräche mit Lawrow konterte.

Hintergrund des Konflikts

Die aktuelle politische Situation ist geprägt von einer zunehmenden Entfremdung zwischen den Koalitionspartnern in Deutschland. Der Rücktritt einer Ministerin hatte zuvor für interne Spannungen gesorgt, die von Beobachtern als „hässlicher Beziehungsstreit“ bezeichnet wurden. Vor diesem Hintergrund war es bemerkenswert, dass die Diskussion bei Illner sachlich blieb. Der Ukraine-Krieg dauert mittlerweile mehr als vier Jahre nach der Vollinvasion durch Russland an. Die internationale Unterstützung für Kiew steht vor neuen Herausforderungen, da die US-Politik unter Trump zunehmend erratisch agiert. Der „Diesel-Deal“ und die zeitweilige Drosselung des Starlink-Systems durch Elon Musk, das für die ukrainische Luftabwehr von entscheidender Bedeutung ist, haben die Verunsicherung verstärkt. Russland hingegen zeigt sich bisher unbeeindruckt von diplomatischen Bemühungen. Sowohl Neumann als auch andere Experten in der Runde stellten fest, dass Putin derzeit kein Interesse an echten Verhandlungen habe, da er auf politische Entwicklungen in Europa setze, wie etwa den Aufstieg russlandfreundlicher Kräfte in Frankreich. Die Vorgeschichte des Krieges, die von Wittig als westliche Einkreisung Russlands interpretiert wurde, steht im krassen Gegensatz zur offiziellen Lesart der Bundesregierung und der Mehrheit der Experten, die Russland als klaren Aggressor sehen.

Die Beteiligten der Sendung

Die Runde war hochkarätig besetzt und spiegelte die verschiedenen Facetten der deutschen Außenpolitik wider. Maybrit Illner moderierte das Gespräch, das durch die Anwesenheit von Außenminister Johann Wadephul (CDU) geprägt war, der als ruhender Pol der Regierung fungierte. Ralf Stegner (SPD) vertrat den Koalitionspartner und überraschte durch seine deutliche Distanzierung von Trumps Politik. Peter R. Neumann vom King's College London lieferte die sicherheitspolitische Einordnung der US-amerikanischen Motive. Die Journalistin und Ukraine-Expertin Mareike Müller brachte die Perspektive der baltischen Staaten ein, die sich durch die US-Politik bedroht fühlen. Als Kontrastpunkt trat Claudia Wittig, die stellvertretende BSW-Fraktionsvorsitzende aus Magdeburg, auf. Ihre Position, die eine Beendigung der Sanktionen und einen Stopp der Waffenlieferungen fordert, wurde von den anderen Teilnehmern scharf kritisiert. Die Dynamik zwischen den Beteiligten zeigte deutlich, dass es innerhalb der etablierten Parteien einen breiten Konsens über die Notwendigkeit der Unterstützung der Ukraine gibt, während das BSW eine völlig konträre, pro-russische Rhetorik pflegt, die im Landtag von Sachsen-Anhalt bereits zu gemeinsamen Anträgen mit der AfD geführt hat.

Einordnung der Ereignisse

Einzuordnen ist die Sendung als ein Spiegelbild der aktuellen politischen Zerrissenheit in Deutschland. Während die Regierungsparteien trotz ihrer internen Differenzen bei der Ukraine-Politik zusammenrücken, zeigt sich am Beispiel des BSW eine fundamentale Herausforderung für den demokratischen Konsens. Den Berichten zufolge ist die Position von Claudia Wittig nicht nur eine Einzelmeinung, sondern Teil einer Strategie, die in den ostdeutschen Bundesländern erfolgreich als Wahlschlager eingesetzt wurde. Die scharfe Reaktion von Ralf Stegner auf Wittigs Auftritt – er warf ihr vor, Faschisten an die Macht zu verhelfen – verdeutlicht die emotionale Tiefe des Konflikts. Dass Wadephul und Stegner am Ende der Sendung Harmonie demonstrierten, kann als Signal an die Parteispitzen von CDU und SPD gewertet werden, dass eine sachliche Zusammenarbeit auch in Krisenzeiten möglich ist. Die Einordnung von Neumann, dass Putin lediglich abwarte, bis sich die politischen Mehrheiten in Europa zu seinen Gunsten verschieben, unterstreicht die Dringlichkeit, mit der die Bundesregierung ihre eigene Rolle als Stabilitätsanker in Europa definieren muss. Die Sendung machte deutlich, dass die deutsche Außenpolitik unter dem Druck einer sich verändernden Weltordnung steht, in der alte Verbündete zu unberechenbaren Akteuren werden.

Offene Fragen

Der Quelltext lässt einige zentrale Fragen unbeantwortet, die für die weitere Entwicklung der deutschen Außenpolitik von Bedeutung wären. So bleibt unklar, wie genau die Bundesregierung reagieren will, sollte die US-Unterstützung für die Ukraine tatsächlich dauerhaft wegbrechen. Zwar betonte Wadephul, dass es keine Lösung ohne Europa geben werde, doch wie eine solche europäische Sicherheitsgarantie konkret aussehen soll, wurde nicht detailliert ausgeführt. Auch die Frage nach dem Verhältnis zu Trumps potenziellen Nachfolgern, wie Vance oder Rubio, blieb unbeantwortet, da Illner diese Nachfrage nicht stellte. Ebenso offen bleibt, wie die Bundesregierung mit dem wachsenden Einfluss des BSW in den Landtagen umgehen will, insbesondere wenn diese Parteien durch ihre Blockadepolitik bei Sanktionen oder Waffenlieferungen die nationale Außenpolitik konterkarieren. Der Text liefert keine Informationen darüber, ob es innerhalb der Bundesregierung konkrete Pläne gibt, um auf die hybriden Angriffe Russlands im Baltikum zu reagieren, abgesehen von der allgemeinen Aussage, dass Deutschland dort als Stabilitätsanker fungieren wolle. Auch die genauen Auswirkungen der Sanktionen auf die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt, die Wittig als Argument anführte, werden nicht durch unabhängige Daten verifiziert.

Wie es weitergeht

Die angekündigten Schritte und Termine im Zusammenhang mit der Ukraine-Politik sind von einer hohen Unsicherheit geprägt. Es wird deutlich, dass die Bundesregierung darauf setzt, die Ukraine in eine „optimale Verhandlungsposition“ zu bringen, bevor ernsthafte Friedensgespräche stattfinden können. Ein konkreter Zeitplan für solche Verhandlungen wurde jedoch nicht genannt. Die politische Entwicklung in den USA, insbesondere die anstehenden Midterm-Wahlen, wird als entscheidender Faktor für die weitere Unterstützung Kiews angesehen. In Deutschland bleibt die Zusammenarbeit der Koalitionspartner ein zentrales Thema, wobei die Sendung als Appell verstanden werden kann, die gegenseitigen Schuldzuweisungen zugunsten einer gemeinsamen Strategie zurückzustellen. Die Rolle des BSW in den Landtagen, insbesondere die Haltung zur AfD, bleibt ein kritischer Punkt, der die politische Stabilität in den betroffenen Bundesländern weiterhin belasten wird. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die von Wadephul und Stegner demonstrierte Einigkeit auch in der praktischen Regierungsarbeit Bestand haben wird oder ob der interne Druck durch die verschiedenen Wahlkämpfe die Koalition weiter destabilisiert. Die Frage, ob Deutschland tatsächlich in der Lage ist, ohne die USA als Sicherheitsgarant zu agieren, bleibt die zentrale Herausforderung für die kommende Zeit.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-strasse-banner-menge-11421241/ · Foto: Mathias Reding
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/talkshow/tv-kritik-maybrit-illner-mit-wadephul-bsw-laesst-ukraine-fallen-accg-201458796.html