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Trotz Appell des Landes: Viele hessische Kommunen verlangen mehr Grundsteuer
Technik · 01.08.2026 18:06

Trotz Appell des Landes: Viele hessische Kommunen verlangen mehr Grundsteuer

Kurz: Trotz Empfehlung der Landesregierung erhöhen zahlreiche hessische Kommunen die Grundsteuer drastisch. Der Bund der Steuerzahler warnt vor einer weiteren Belastu

Finanzielle Notlagen führen zu Steuererhöhungen

Die Grundsteuerreform hat in Hessen zu einer Welle von Steuererhöhungen geführt, die viele Immobilienbesitzer und Mieter hart trifft. Obwohl die Landesregierung die Kommunen ausdrücklich dazu aufgerufen hatte, die Reform nicht als Anlass für eine Anhebung der Steuerlast zu nutzen, zeigt die Realität ein anderes Bild. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler Hessen haben nahezu 160 Kommunen in diesem Jahr bereits an der Steuerschraube gedreht.

Rekordwerte in Riedstadt und Hofheim

Besonders drastisch stellt sich die Lage in Riedstadt dar. Die Kommune im Kreis Groß-Gerau hat den Hebesatz rückwirkend zum Jahresbeginn auf 1.600 Prozent festgesetzt – der höchste Wert in ganz Hessen. Für betroffene Bürger bedeutet dies eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung. Eine Anwohnerin berichtet von einer geschätzten Steigerung ihrer jährlichen Ausgaben von 850 auf 1.230 Euro. Der Widerstand gegen diese Entwicklung formiert sich bereits: Eine Online-Petition gegen die Erhöhung fand innerhalb einer Woche über 2.600 Unterstützer.

Auch Hofheim im Main-Taunus-Kreis verzeichnet mit einem Hebesatz von 1.545 Prozent einen der höchsten Werte im Bundesland. Die Stadtverwaltung begründet diesen Schritt mit einer leeren Stadtkasse und einem Defizit von 35 Millionen Euro. Trotz konsequenter Sparmaßnahmen, etwa bei lokalen Veranstaltungen, reichten die eigenen Reserven nicht mehr aus, um den Haushalt auszugleichen.

Die Ursachen der kommunalen Finanzkrise

Die Hintergründe für diese Entwicklung sind komplex. Kommunalpolitiker wie der Riedstädter Bürgermeister Marcus Kretschmann (CDU) betonen, dass die Erhöhungen unumgänglich seien, um einen genehmigungsfähigen Haushalt aufzustellen und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Städte zu sichern. Die Kommunen sehen sich mit steigenden Ausgaben konfrontiert, die teilweise durch übergeordnete Ebenen verursacht werden.

Der Bund der Steuerzahler Hessen kritisiert die Situation scharf. Jochen Kilp, Vorstand des Verbandes, spricht von "nie da gewesenen Höchstständen". Die finanzielle Schieflage vieler Kommunen resultiere daraus, dass Bund und Land den Städten und Gemeinden immer umfangreichere Aufgaben auferlegen – etwa im Bereich der Sozialleistungen oder beim Ausbau der Kinderbetreuung. Die hierfür gewährten finanziellen Unterstützungen decken nach Einschätzung der Kommunalvertreter die tatsächlichen Kosten häufig nicht ab.

Kontrastprogramm: Die Gemeinde Rasdorf

Nicht alle Kommunen folgen dem Trend zur Erhöhung. Die Gemeinde Rasdorf im Landkreis Fulda hält mit einem Hebesatz von 167 Prozent den hessenweit niedrigsten Wert. Bürgermeister Jürgen Hahn (CDU) betont, man wolle das Versprechen halten, die Grundsteuerreform nicht zur Steuererhöhung zu nutzen. Die Pro-Kopf-Belastung liegt dort bei etwa 90 Euro jährlich, während sie in Hofheim fast 550 Euro erreicht.

Dennoch bleibt die Zukunft ungewiss. Auch in Rasdorf ist die finanzielle Lage angespannt, und der Bürgermeister räumt ein, dass eine Anpassung der Hebesätze in der Zukunft kaum vermeidbar sein könnte.

Ausblick und Folgen für die Bürger

Die Prognosen des Bundes der Steuerzahler sind wenig optimistisch. Experten gehen davon aus, dass im kommenden Jahr weitere Kommunen ihre Hebesätze anheben werden. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Lebenshaltungskosten: Während Immobilienbesitzer die Steuer direkt spüren, werden Mieter über die Nebenkostenabrechnungen an den steigenden Belastungen beteiligt. Die finanzielle Ausstattung der Kommunen durch das Land bleibt somit ein zentrales Streitthema, das die finanzielle Stabilität vieler Haushalte in Hessen unmittelbar beeinflusst.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-laptop-internet-tippen-6633283/ · Foto: Cup of Couple
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-trotz-appell-des-landes-viele-hessische-kommunen-verlangen-mehr-grundsteuer-100.html