Ein dystopisches Finale im Waldstadion
Das Frankfurter Waldstadion verwandelte sich für einen Abend in eine futuristische Trümmerlandschaft. Der kanadische Superstar The Weeknd, bürgerlich Abel Tesfaye, startete seine Konzertreihe in der Mainmetropole mit einer Show, die weit über ein klassisches Popkonzert hinausgeht. Angesichts der angekündigten Pläne des Künstlers, sich von seiner langjährigen Bühnenpersona zu verabschieden, gewinnen die Auftritte in Frankfurt eine besondere historische Bedeutung.
Zwischen Ruinen und Robotik
Die visuelle Gestaltung der „After Hours Til Dawn“-Tour setzt neue Maßstäbe. Anstelle der Wolkenkratzer-Kulissen, die noch während seiner Super-Bowl-Performance 2021 dominierten, dominieren nun verchromte Stadtruinen das Bühnenbild. Diese dystopische Ästhetik wird durch eine zwölf Meter hohe, goldfarbene Androidin des japanischen Künstlers Hajime Sorayama ergänzt. Die Skulptur, die als eines der größten für eine Tournee in Auftrag gegebenen Kunstwerke gilt, fungiert als zentrales Element der Inszenierung und wirkt wie die mechanische Verkörperung der Kunstfigur The Weeknd: überhöht, ikonisch und zugleich entmenschlicht.
Ein ritueller Ablauf
Die Show folgt einer strengen, fast rituellen Dramaturgie. Begleitet von Tänzern in roten Kutten und goldenen Masken, bewegt sich der 36-jährige Künstler über eine kreuzförmige Bühne. Die Bewegungen der Crew wirken mechanisch und unterstreichen das düstere Konzept der Inszenierung. Trotz der beeindruckenden Lichteffekte und Feuerfontänen, die bei hochsommerlichen Temperaturen von knapp 40 Grad im Vorfeld des Abends für zusätzliche Hitze sorgten, liegt der Fokus klar auf der musikalischen Reise durch Tesfayes Karriere.
Musikalische Zeitreise mit über 40 Titeln
Mit einer Setlist von mehr als 40 Songs deckt die Performance das gesamte Spektrum seines Schaffens ab. Von frühen Mixtape-Erfolgen wie „House of Balloons“ und „Wicked Games“ aus dem Jahr 2011 bis hin zu aktuellen Stücken wie „Open Hearts“ oder „The Abyss“ bietet der Abend einen umfassenden Rückblick. Dabei dürfen Welthits wie „Starboy“, „The Hills“ und der Streaming-Rekordhalter „Blinding Lights“ nicht fehlen. Ein emotionaler Moment des Abends war die Widmung des Songs „Odd Look“ an den verstorbenen französischen DJ Kavinsky.
Die Zukunft nach der Kunstfigur
Obwohl Abel Tesfaye seine Bühnenpersona „The Weeknd“ in den Mittelpunkt stellt, ließ er während des Konzerts in Frankfurt auch den Menschen hinter der Maske durchblitzen. Nach etwa 20 Minuten legte er seine schwarze Maske ab und interagierte nahbar mit dem Publikum.
Die Ankündigung, sich von seinem Alter Ego zu trennen, zieht sich bereits seit Längerem durch seine Kommunikation, unter anderem durch die verstärkte Nutzung seines bürgerlichen Namens in sozialen Netzwerken. Während die Fans in Frankfurt die aktuelle Show als ein symbolträchtiges Finale erleben, bleibt offen, wie sich Tesfayes künstlerischer Weg in Zukunft gestalten wird. Eines ist jedoch sicher: Musik will der Kanadier auch nach dem Ende dieser Ära weiterhin produzieren. Für die verbleibenden Zusatzkonzerte im Frankfurter Waldstadion sind derzeit nur noch wenige Restkarten verfügbar.