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Sex, Banking, Toilette: Intime Aufnahmen aus Metas Kamera-Brille landen in Nairobi
Technik · 04.03.2026 16:45

Sex, Banking, Toilette: Intime Aufnahmen aus Metas Kamera-Brille landen in Nairobi

Kurz: Intime Aufnahmen aus Metas Kamera-Brille gelangen zu Datenarbeitern in Nairobi, die Künstliche Intelligenz trainieren.

Intime Aufnahmen und Datenschutzprobleme: Metas Überwachungsbrille in Nairobi

Einführung in die Problematik

Im September 2025 stellte Meta seine neuen „Smart Glasses“ vor, die als stylische Allround-Assistenten vermarktet werden. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine ernsthafte Bedrohung für die Privatsphäre der Nutzer:innen. Recherchen zeigen, dass intime Aufnahmen aus den Brillen von Menschen in Nairobi gesichtet werden, die für Meta Künstliche Intelligenz trainieren.

Die Funktionsweise der Überwachungsbrille

Die Brille, die auf den ersten Blick harmlos wirkt, ist mit einer Kamera ausgestattet. Diese Kamera erfasst nicht nur alltägliche Szenen, sondern auch private Momente. Berichten zufolge gelangen diese Aufnahmen zu Datenarbeitern, die für das Subunternehmen Sama tätig sind. Diese Mitarbeiter sind damit betraut, die KI durch das Annotieren von Bildmaterial zu schulen.

Berichte der Datenarbeiter in Nairobi

Mehr als 30 Datenarbeiter:innen in Nairobi haben den schwedischen Journalist:innen ihre Erfahrungen geschildert. Sie berichten von einem „versteckten Strom privatsphärenrelevanter Daten“, der direkt in die Systeme von Meta fließt. Dazu gehören Aufnahmen von Toilettengängen, Sex und anderen intimen Momenten, die in westlichen Haushalten gefilmt wurden.

Beispiele aus den Berichten

  • **Intime Aufnahmen:** Videos zeigen Menschen in vertraulichen Momenten, etwa beim Umziehen oder im Badezimmer.
  • **Private Chats:** Auch private Unterhaltungen wurden von den Datenarbeitern gesichtet.
  • **Alltägliche Szenen:** Aufnahmen von Wohnzimmern und Bankkarten sind ebenfalls Teil des Materials.

Diese Berichte werfen Fragen zur Ethik und zum Datenschutz auf, insbesondere wie solche intimen Daten verarbeitet werden und welche Rechte die Nutzer:innen haben.

Technische Aspekte der Datenverarbeitung

Die journalistischen Recherchen haben auch technische Aspekte der Brille untersucht. Es wurde festgestellt, dass die Brille ohne Internetverbindung nicht richtig funktioniert. Dies bedeutet, dass die KI-Funktionen auf die Server von Meta angewiesen sind, um zu operieren. Der Netzwerkverkehr zeigt, dass die Brille ständig mit Meta-Servern kommuniziert.

Datenschutz und Einwilligung

Die Datenschutzbestimmungen, die Nutzer:innen akzeptieren müssen, um die Brille zu verwenden, sind laut Berichten unzureichend. Die Verarbeitung von Sprache, Text, Bildern und Videos erfolgt automatisch und kann nicht deaktiviert werden. Nutzer:innen müssen auch der Überprüfung aufgezeichneter Inhalte zustimmen, um die Brille nutzen zu können.

Kritische Stimmen zur Datenverarbeitung

Kleanthi Sardeli, Juristin bei der Datenschutzorganisation None Of Your Business (NOYB), äußert, dass sowohl Transparenz als auch eine rechtliche Grundlage für die Datenverarbeitung fehlen. Auch die schwedische Datenschutzbehörde IMY hat Bedenken geäußert. Petter Flink, ein IT-Spezialist der IMY, betont, dass Nutzer:innen nicht ausreichend informiert sind über die Datenverarbeitung.

Reaktionen von Meta und Sama

Auf konkrete Fragen zur Datenverarbeitung hat Meta nicht detailliert geantwortet, sondern verweist auf die bestehenden Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien. Das Subunternehmen Sama hat sich auf Anfragen der Journalist:innen nicht geäußert.

Auswirkungen auf die Gesellschaft

Die Enthüllungen über die Nutzung der Überwachungsbrille werfen ernsthafte Fragen über den Schutz der Privatsphäre auf. Die Möglichkeit, dass intime Aufnahmen von Nutzenden in die Hände Dritter gelangen, könnte das Vertrauen in solche Technologien erheblich beeinträchtigen.

Mögliche Schritte zur Verbesserung

Um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern, könnten folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • **Strengere Datenschutzgesetze:** Regierungen sollten Gesetze erlassen, die den Schutz der Privatsphäre in der digitalen Welt gewährleisten.
  • **Erhöhte Transparenz:** Unternehmen müssen transparenter über die Datenverarbeitung informieren.
  • **Nutzerrechte stärken:** Nutzer:innen sollten klare Rechte bezüglich ihrer Daten haben, einschließlich der Möglichkeit, ihre Zustimmung jederzeit zu widerrufen.

Ausblick

Die Enthüllungen rund um Metas Überwachungsbrille sind ein weiterer Hinweis auf die Herausforderungen, die mit der Digitalisierung und der Nutzung von Künstlicher Intelligenz verbunden sind. Es bleibt abzuwarten, wie Unternehmen und Regierungen auf diese Bedenken reagieren werden und welche Schritte unternommen werden, um die Privatsphäre der Nutzer:innen zu schützen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schwarzweiss-laptop-computer-5849573/ · Foto: Monstera Production
Quelle: https://netzpolitik.org/2026/sex-banking-toilette-menschen-in-nairobi-sichten-intime-aufnahmen-aus-metas-kamera-brille/