Ambitionierte Ziele für das deutsche Team
Die europäischen Titelkämpfe im Schwimmen, die vom 31. Juli bis zum 16. August stattfinden, markieren einen wichtigen Höhepunkt für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV). Nach einer Phase der internationalen Leistungssteigerung sind die Erwartungen hoch. Sportvorstand Christian Hansmann gibt ein klares Ziel vor: Die Medaillenausbeute im Becken soll zweistellig ausfallen. Zum Vergleich: Bei der letzten EM in Bestbesetzung im Jahr 2022 konnte das deutsche Team acht Medaillen erringen.
Wasserspringen und Synchronschwimmen: Der Auftakt
Der Startschuss fällt am Freitag mit dem Mixed-Team-Wettbewerb im Wasserspringen. Das deutsche Duo Moritz Wesemann und Lena Hentschel strebt dabei direkt eine Podiumsplatzierung an, nachdem im Vorjahr Silber gewonnen wurde. Hentschel, die bereits olympische Erfahrung vorweisen kann, hofft auf insgesamt vier Medaillen. Wesemann geht als Titelverteidiger vom 1-Meter-Brett an den Start, muss jedoch im 3-Meter-Synchronspringen aufgrund einer verlorenen internen Ausscheidung passen.
Im Synchronschwimmen steht Klara Bleyer im Fokus. Während sie im Duett mit Maria Denisov eher in der Rolle der Außenseiterin antritt, gilt die Bochumerin als Titelverteidigerin und Weltcupsiegerin im freien Solo am 3. August als klare Goldkandidatin.
Lukas Märtens und die Dominanz im Becken
Im Becken ruhen die Hoffnungen besonders auf Olympiasieger Lukas Märtens. Der Magdeburger, der zudem Weltmeister und Weltrekordler über 400 Meter Freistil ist, möchte seinen EM-Titel aus dem Jahr 2022 verteidigen. Die Konkurrenz kommt dabei aus den eigenen Reihen: Mit Oliver Klemet und dem 19-jährigen Johannes Liebmann stellt die Magdeburger Trainingsgruppe die derzeit stärksten europäischen Schwimmer auf den langen Freistilstrecken. Märtens fokussiert sich zudem auf die 200-Meter-Distanz, auf der er bisher noch keine internationale Medaille gewinnen konnte.
Herausforderungen im Freiwasser
Ein besonderes Augenmerk liegt auf Florian Wellbrock. Der Weltmeister in allen vier Freiwasserdisziplinen kehrt an die Seine zurück, blickt jedoch nach einer schwierigen Saison eher pessimistisch auf den Wettbewerb. Er sieht die Medaillenchancen derzeit als minimal an. Anders stellt sich die Situation für Oliver Klemet dar, der sich auf jeder Strecke als Medaillenkandidat sieht. Neben den olympischen zehn Kilometern umfasst das Programm auch die halbe Distanz, einen Knockout-Sprint sowie Staffelwettbewerbe.
Weitere Medaillenhoffnungen
Das deutsche Aufgebot umfasst weitere Leistungsträger:
* **Isabel Gose:** Über 400 Meter Freistil aktuell die Schnellste in Europa.
* **Angelina Köhler:** Die Weltmeisterin über 100 Meter Schmetterling führt die europäische Jahresbestenliste an.
* **Melvin Imoudu:** Als Titelverteidiger über 100 Meter Brust zählt er nach einer starken Saison zu den Mitfavoriten.
* **Anna Elendt:** Die 100-Meter-Weltmeisterin setzt auf Konstanz über alle Bruststrecken.
Austragungsorte und Rahmenbedingungen
Die Wettbewerbe finden an verschiedenen Schauplätzen statt. Die Wasserspringer und Synchronschwimmer nutzen das Centre Aquatique Olympique. Die Beckenschwimmer treten in der Halle am Stade de France an, die eigens für die Olympischen Spiele errichtet wurde. Für die Freiwasserschwimmer geht es erneut in die Seine, wobei der Kurs diesmal weiter flussabwärts nahe dem Eiffelturm verläuft. Dort wird zudem der High-Diving-Wettbewerb ausgetragen. Bundestrainer Christoph Bohm betont, dass die Konkurrenz durch die Rückkehr russischer Athleten und die Teilnahme der Briten in Bestbesetzung deutlich zugenommen hat, was das Ziel von rund zehn Medaillen im Wasserspringen zu einer anspruchsvollen Aufgabe macht.