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Raub auf Sizilien: Zwei der geraubten Antonellos gefunden
Kultur · 20.08.2026 17:06

Raub auf Sizilien: Zwei der geraubten Antonellos gefunden

Kurz: Nach einem spektakulären Kunstraub im Museo Regionale Accascina in Messina konnten zwei der vier gestohlenen Antonello-da-Messina-Tafeln sichergestellt werden.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Am vergangenen Wochenende ereignete sich im Museo Regionale Accascina in der sizilianischen Stadt Messina ein folgenschwerer Kunstraub. Unbekannte Täter drangen in das Museum ein und entwendeten vier wertvolle Gemäldetafeln, die Teil des berühmten „Polittico di San Gregorio“ des Renaissance-Künstlers Antonello da Messina sind. Der Raub, der sich in der Nacht zum Montag abspielte, schockierte die Kunstwelt und die italienischen Behörden gleichermaßen. Doch der Coup verlief nicht reibungslos: Auf der Flucht ließen die Täter zwei der vier geraubten Tafeln zurück. Eine Passantin namens Elisabetta Bonfanti entdeckte die übermannsgroßen, hochrechteckigen Gemälde nur 15 Minuten nach dem Diebstahl an einem Metallzaun des Museumsgeländes. Sie informierte umgehend die Polizei. Die Diebe konnten jedoch unerkannt entkommen, da sie durch eine verzögerte Alarmierung und Schwierigkeiten beim Zugang zum Museumsgebäude einen Vorsprung von etwa einer Stunde gewannen. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass die Täter aufgrund einer großflächigen Rasterfahndung und eines engmaschigen Kontrollnetzes gezwungen waren, die schweren Kunstwerke zurückzulassen, um ihre Flucht zu beschleunigen und nicht mit der Beute gefasst zu werden.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte

Bei den geraubten Kunstwerken handelt es sich um Teile des 1473 geschaffenen Gregor-Altars. Die beiden sichergestellten Tafeln zeigen den heiligen Gregor in bischöflicher Gewandung sowie den heiligen Benedikt in seinem dunklen Ordenshabit. Beide Heiligen stützen sich auf einen Bischofsstab. Die Tafeln sind jeweils über einen Meter hoch. Die Museumsdirektorin Marisa Mercurio ist nun mit der Aufarbeitung des Vorfalls befasst. Die Ermittlungen leitet der Generalstaatsanwalt Antonio D’Amato. Er betonte, dass die Polizei nach der Alarmierung durch Elisabetta Bonfanti fast eine halbe Stunde lang keinen Kontakt zu den vier im Museum tätigen Wärtern herstellen konnte. Die Tatsache, dass keiner der vier Sicherheitsmitarbeiter den Raub bemerkte, steht nun im Zentrum der internen Untersuchung. Der Präsident der Region Sizilien, Renato Schifani, hat infolge des Vorfalls alle vier Wachleute vorläufig beurlaubt, bis der detaillierte Bericht der Museumsdirektorin vorliegt. Die Behörden arbeiten zudem intensiv an der Identifizierung möglicher Komplizen innerhalb des Museumsbetriebs, um zu klären, wie der Diebstahl trotz der Anwesenheit von Personal unbemerkt bleiben konnte.

Hintergrund – Die Geschichte des Meisterwerks

Das „Polyptychon des heiligen Gregors“ gilt als eines der bedeutendsten Werke der italienischen Renaissance. Antonello da Messina, ein Künstler, von dem weltweit nur etwas mehr als vierzig Werke bekannt sind, schuf dieses Altarretabel im Jahr 1473. Der Auftrag für das Werk kam ursprünglich von der Äbtissin Suor Fabia Cirino für das Kloster Santa Maria Extra Moenia in Messina. Kunsthistorisch ist das Werk besonders wertvoll, da es einen deutlichen flämischen Einfluss in der Darstellung der Gesichter aufweist, was auf die intensiven Handelsbeziehungen zwischen Italien und Regionen wie Brügge im 15. Jahrhundert zurückzuführen ist. Das Polyptychon wurde vermutlich im 16. Jahrhundert demontiert und erst im 19. Jahrhundert im Zuge umfangreicher Restaurierungsarbeiten wieder in seiner ursprünglichen Form rekonstruiert. Eine Besonderheit des Werkes ist der raffinierte Einsatz von Goldgrund, den Antonello da Messina nutzte, um einen einheitlichen Raum über die verschiedenen Tafeln hinweg zu schaffen. Durch eine gemauerte Balustrade und den Thronsockel, die sich über die Tafeln erstrecken, entsteht eine visuelle Kontinuität, die die Heiligenfiguren in einen gemeinsamen Raum rückt.

Die Beteiligten – Institutionen und Personen

Die Aufarbeitung des Raubes involviert mehrere hochrangige Akteure. Der Generalstaatsanwalt Antonio D’Amato vertritt die offizielle Ermittlungsbehörde und hat bereits den Verdacht geäußert, dass hinter dem Diebstahl die organisierte Kriminalität stehen könnte. Er koordiniert die Suche nach den verbleibenden zwei Tafeln. Auf politischer Ebene ist Renato Schifani, der Präsident der Region Sizilien, involviert, der durch die Suspendierung der Wachleute ein deutliches Zeichen setzte. Die Museumsdirektorin Marisa Mercurio trägt die Verantwortung für die Sicherheit des Museo Regionale Accascina und muss nun den Hergang des Raubes detailliert aufarbeiten. Die Zeugin Elisabetta Bonfanti spielt eine zentrale Rolle, da ihre schnelle Reaktion die Sicherung der zwei Tafeln erst ermöglichte. Die vier namentlich nicht genannten Wachleute stehen unter dem Verdacht der Nachlässigkeit oder der Komplizenschaft. Die Carabinieri, die vor Ort die Spurensicherung übernahmen, bilden die operative Einheit, die das Kontrollnetz auf der Insel aufbaute, um die Täter an der Flucht zu hindern.

Einordnung – Die Bedeutung des Raubes

Einzuordnen ist dieser Vorfall als ein schwerer Schlag gegen das kulturelle Erbe Siziliens. Der Raub erinnert an den Diebstahl der Louvre-Kronjuwelen im Oktober des Vorjahres, bei dem ebenfalls Beutestücke auf der Flucht zurückgelassen wurden. Den Berichten zufolge ist die Sorge groß, dass die verbleibenden zwei Tafeln – die zentrale Marientafel sowie eine Doppeltafel mit einer „Madonna mit Kind und Franziskaner“ – in die Hände mafiöser Strukturen gelangt sein könnten. Generalstaatsanwalt D’Amato äußerte öffentlich die Vermutung, dass die organisierte Kriminalität ein gesteigertes Interesse an solch unschätzbaren Kunstwerken hat, um sie als Unterpfand für illegale Geschäfte zu nutzen. Historisch gesehen ist diese Befürchtung nicht unbegründet: Ein Caravaggio, der 1969 aus dem Oratorium von San Lorenzo in Palermo gestohlen wurde, bleibt bis heute verschollen. Die Kunstwelt blickt daher mit großer Sorge auf die Entwicklung, da der Verlust der zentralen Madonna-Tafel eine irreparable Lücke in einem der wenigen erhaltenen Altarretabels von Antonello da Messina reißen würde.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der Quelltext lässt einige entscheidende Fragen offen, die für das Verständnis des Tathergangs wichtig wären. Es bleibt unklar, wie genau die Täter in das Museum eindringen konnten und ob sie über spezielle Informationen zur Sicherheitsstruktur verfügten. Ebenso wird nicht beantwortet, ob die vier Wachleute lediglich durch Unachtsamkeit versagten oder ob es konkrete Hinweise auf eine aktive Unterstützung der Täter durch Museumsmitarbeiter gibt. Auch über die Identität der flüchtigen Täter oder deren Anzahl gibt es keine gesicherten Informationen. Zudem bleibt offen, ob die Polizei bereits konkrete Spuren im Umfeld der organisierten Kriminalität verfolgt oder ob die Mafia-Theorie bislang lediglich eine Arbeitshypothese des Generalstaatsanwalts darstellt. Auch der genaue aktuelle Aufbewahrungsort der sichergestellten zwei Tafeln wird nicht spezifiziert, ebenso wenig wie die Frage, welche Sicherheitsvorkehrungen künftig getroffen werden sollen, um das Museum vor weiteren Übergriffen zu schützen.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte

Die weiteren Schritte der Behörden sind klar definiert. Zunächst steht die Auswertung des Berichts der Museumsdirektorin Marisa Mercurio an, der über das weitere Schicksal der vier beurlaubten Wachleute entscheiden wird. Parallel dazu laufen die Ermittlungen des Generalstaatsanwalts Antonio D’Amato zur Identifizierung der Täter und zur Aufklärung der Rolle möglicher interner Komplizen. Die Polizei hält das Kontrollnetz auf Sizilien aufrecht, in der Hoffnung, dass die verbleibenden zwei Tafeln – die „Madonna mit Kind und Franziskaner“ sowie die zentrale Marientafel – noch auf der Insel versteckt sind. Die Ermittlungsbehörden setzen darauf, dass der öffentliche Druck und die intensive Rasterfahndung die Täter dazu bewegen, die Beute aufzugeben oder dass weitere Hinweise aus der Bevölkerung zur Ergreifung der Diebe führen. Ein Zeitplan für die Rückführung der sichergestellten Tafeln in die Ausstellung wurde bisher nicht kommuniziert, da diese vermutlich zunächst als Beweismittel dienen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahme-einer-antiken-steingesichtsskulptur-37852915/ · Foto: Osviel Rodriguez Valdés
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/ausstellung/zwei-bilder-antonello-da-messinas-sind-wieder-aufgetaucht-201143416.html