Ein ungeklärter Fall erschüttert Sachsen-Anhalt
Der 2. Mai 2015 markiert einen Wendepunkt für die Familie von Inga Gehricke. Während eines gemeinsamen Ausflugs mit befreundeten Familien auf den Wilhelmshof in Stendal verschwand das damals fünfjährige Mädchen spurlos. Trotz intensiver Bemühungen der Behörden über mehr als ein Jahrzehnt hinweg bleibt das Schicksal des Kindes bis heute ungeklärt. Im Juli 2026 wurde der Fall erneut in der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ thematisiert, um neue Impulse in die Ermittlungen zu bringen.
Der letzte Tag auf dem Wilhelmshof
Der Wilhelmshof, ein Diakoniewerk in einer abgelegenen Waldregion bei Stendal, war das Ziel des Ausflugs. Die Anreise erfolgt über eine einzelne Zufahrtsstraße, die in Richtung Uchtspringe und zur Bundesstraße 188 führt. Den Berichten zufolge verbrachten die drei befreundeten Familien den Tag mit gemeinsamen Aktivitäten. Inga hielt sich zunächst unter Aufsicht der Erwachsenen auf.
Am späten Nachmittag, kurz vor der Zubereitung des Abendessens gegen 18 Uhr, bemerkten Anwesende eine Verhaltensänderung bei dem Mädchen. Inga wirkte untypisch ruhig und in sich gekehrt. Ihr letztes gesichertes Lebenszeichen stammt von etwa 18:40 Uhr, als sie gemeinsam mit zwei anderen Kindern an einem Spielpferd aus Metall nahe dem Waldrand gesehen wurde. Kurz darauf verlor sich ihre Spur vollständig.
Intensive Ermittlungsarbeit ohne Durchbruch
Nachdem der Fall über Jahre hinweg die Ermittler beschäftigt hat, wurde er nun einer spezialisierten Cold-Case-Einheit übertragen. Diese setzt auf moderne Methoden und eine neue Herangehensweise:
* **Psychologische Interviews:** Ein Rechtspsychologe befragte Familienmitglieder erneut, um durch gezielte Fragen Erinnerungen an Details von damals zu reaktivieren.
* **Umfangreiche Suchmaßnahmen:** Das umliegende Waldgebiet wurde systematisch abgesucht, unterstützt durch GPS-Technik.
* **Gewässersuche:** Mehrere Teiche auf dem Gelände wurden abgepumpt und durch Einsatzkräfte des THW händisch durchsucht.
* **Interdisziplinäre Unterstützung:** Experten der Operativen Fallanalyse des LKA, Archäologen, Geologen sowie das Umweltamt wurden hinzugezogen, um den Boden und das Areal zu untersuchen.
Trotz des hohen Aufwands führten diese Maßnahmen bisher nicht zum erhofften Erfolg. Inga bleibt weiterhin vermisst.
Die Polizei bittet um Mithilfe
Die Ermittlungsbehörden hoffen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung, die bisher möglicherweise nicht gemeldet wurden. Die Kripo Halle (Saale) sucht gezielt nach Informationen zu folgenden Punkten:
* **Beobachtungen im Umfeld:** Wer hat am 2. Mai 2015 Personen oder Fahrzeuge auf dem Gelände des Wilhelmshofs gesehen, die nicht zugeordnet werden konnten?
* **Mediale Aufzeichnungen:** Autofahrer, die gegen 19 Uhr oder später am Tag des Verschwindens nahe Uchtspringe an der B 188 unterwegs waren, werden gebeten, Dashcam-Aufnahmen zu prüfen. Auch Spaziergänger, die an diesem Tag Fotos oder Videos in der Region gemacht haben, könnten wichtige Details enthalten.
* **Verborgene Beobachtungen:** Die Polizei richtet sich an Menschen, die damals aus privaten oder beruflichen Gründen gezögert haben, sich zu melden, oder die Vermutungen und Ahnungen haben, die bisher nicht geteilt wurden.
Für Hinweise, die zur Aufklärung der Straftat führen, wurde eine Belohnung in Höhe von insgesamt 50.000 Euro ausgelobt – jeweils zur Hälfte von der Polizeiinspektion Halle (Saale) und von privater Seite.
Personenbeschreibung der Vermissten
Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens war Inga Gehricke fünf Jahre alt, wirkte jedoch eher wie ein sechs- bis siebenjähriges Kind. Sie war etwa 1,18 Meter groß und von zarter, schlanker Statur. Auffällige Merkmale waren Narben am Hinterkopf sowie das Fehlen der beiden oberen Schneidezähne. Sie trug zum Zeitpunkt des Verschwindens eine blaue Jeans mit Auswaschungen, ein mintgrünes Langarmshirt mit Schmetterlingsaufdruck und Rüschen sowie dunkelpinke Wildlederschuhe der Marke „Elefant“. Besonders markant war ihr Haarschmuck, bestehend aus rosafarbenen Kronenhaarspangen, Spangen mit Blütenmuster und neongelben Haargummis.