Taser-Einsätze der Berliner Polizei: Ein besorgniserregender Trend
Im Jahr 2025 hat die Polizei in Berlin insgesamt 62 Mal Tasern eingesetzt, was zu 58 Verletzten führte. Diese Zahlen sind alarmierend und werfen Fragen über den Einsatz von Distanzelektroimpulsgeräten auf.
Hintergrund des Taser-Einsatzes
Seit Mai 2024 sind Distanzelektroimpulsgeräte, allgemein bekannt als Taser, in Berlin flächendeckend im Einsatz. Die Polizei nutzt 255 dieser Geräte, während eine geheim gehaltene Anzahl beim Spezialeinsatzkommando (SEK) vorhanden ist. Der Taser wurde als Alternative zu konventionellen Waffen wie Schlagstock und Pfefferspray eingeführt.
Anstieg der Verletzten
Die Zahl der Taser-Einsätze ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 2024 wurden 49 Einsätze verzeichnet, während 2025 die Zahl auf 62 anstieg. Dies bringt auch eine signifikante Zunahme der Verletzten mit sich: 58 Personen wurden verletzt, im Vergleich zu 32 im Jahr 2024. Laut Angaben von Vasili Franco, dem innenpolitischen Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, zeigt diese Entwicklung, dass die Innenverwaltung die steigenden Verletztenzahlen nicht ausreichend beachtet.
Funktionsweise des Tasers
Ein Taser funktioniert, indem zwei Elektroden abgeschossen werden, die sich in die Haut des Ziels bohren. Über Drähte wird dann ein hochfrequenter Strom in das Opfer geleitet, was in der Regel zu einem Zusammenbruch führt. Die betroffenen Personen berichten von extremen Schmerzen, die durch den Einsatz des Tasers verursacht werden.
Gesundheitsrisiken
Die Verwendung von Tasern birgt erhebliche gesundheitliche Risiken. Besonders gefährdet sind Personen mit bestehenden Vorerkrankungen, für die der Einsatz eines Tasers potenziell tödlich sein kann. Berichte aus den USA zeigen, dass zwischen 2000 und 2017 über 1.000 Menschen bei Polizeimaßnahmen, bei denen Tasern eingesetzt wurden, ums Leben kamen. Amnesty International kritisiert den Missbrauch dieser Waffen weltweit.
Polizeiliche Hemmschwelle
Im Vergleich zu Schusswaffen gilt der Taser als weniger tödliche Option. Dies führt dazu, dass die Polizei weniger zögert, diese Waffe einzusetzen. Interessanterweise wird oft bereits die Androhung eines Tasereinsatzes als ausreichend erachtet, um eine Situation zu beruhigen. Dennoch wurde in 42 Prozent der Fälle, in denen der Taser gezogen wurde, auch tatsächlich geschossen.
Taser gegen psychisch belastete Personen
Ein besorgniserregender Aspekt ist der Einsatz des Tasers gegen Menschen in psychischen Ausnahmesituationen. Im Jahr 2025 wurden beispielsweise acht Personen getasert, die suizidale Absichten hatten. In einem weiteren Fall wurde ein Mensch, der mit einer Krücke um sich schlug, durch den Einsatz eines Tasers außer Gefecht gesetzt. Auch unklare Situationen, wie das „Nicht Herausnehmen der Hände aus der Tasche“ oder ein „Versteifen des Körpers“, wurden als Rechtfertigung für den Taser-Einsatz herangezogen.
Expertenmeinungen zur Normalisierung von Gewalt
Experten äußern sich kritisch zur Ausweitung des Taser-Einsatzes. Der Strafrechtsprofessor Andreas Ruch warnt vor einer Normalisierung erheblicher Gewaltanwendung durch die Polizei. In einem Artikel im Verfassungsblog betont er, dass die Verwendung von Tasern in vielen Fällen als unmittelbare Gewaltanwendung gegen den Körper von Personen wahrgenommen wird. Dies könnte dazu führen, dass Beamte diese Geräte extensiv nutzen und sich damit ein gefährliches Verhalten etablieren könnte.
Ausblick und mögliche Konsequenzen
Die steigenden Verletztenzahlen und die kritischen Stimmen aus der Gesellschaft könnten zu einer Überprüfung der Einsatzrichtlinien der Polizei führen. Die Diskussion über den verantwortungsvollen Umgang mit Tasern wird voraussichtlich intensiver werden, insbesondere im Hinblick auf den Schutz von verletzlichen Personen.
Die kommenden Monate könnten entscheidend sein, um zu klären, wie die Polizei in Berlin künftig mit den Distanzelektroimpulsgeräten umgehen wird und ob es zu einer Anpassung der Einsatzstrategien kommt, um die Sicherheit aller Bürger zu gewährleisten.