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Polen - Gedenktag in Auschwitz: Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma warnt vor wachsendem Antiziganismus
Schlagzeilen · 02.08.2026 14:57

Polen - Gedenktag in Auschwitz: Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma warnt vor wachsendem Antiziganismus

Kurz: In Auschwitz wurde der Opfer des NS-Völkermords an Sinti und Roma gedacht. Der Zentralrat warnt eindringlich vor einem wachsenden Antiziganismus in Europa.

Ein Ort des Gedenkens und der Mahnung

Im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau fand am 2. August 2026 eine zentrale Gedenkveranstaltung statt, um an die Opfer des Völkermords an den Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden an diesem Ort etwa 4.300 Angehörige dieser Minderheit von der SS ermordet. Insgesamt fielen zwischen 1933 und 1945 bis zu 500.000 Sinti und Roma dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer.

Warnung vor zunehmendem Antiziganismus

Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma, nutzte den Anlass, um auf die aktuelle gesellschaftliche Lage aufmerksam zu machen. Er warnte vor einem Erstarken eines gewaltbereiten Antiziganismus in Deutschland. Laut Rose geschieht diese Entwicklung nicht isoliert, sondern ist eng mit dem politischen Klima in Europa verknüpft. Der Aufstieg rechtsextremer und nationalistischer Parteien trage maßgeblich dazu bei, dass Hass und Hetze wieder gesellschaftsfähig werden.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, appellierte Rose an die Europäische Union, verstärkt auf Bildung und Aufklärung zu setzen. Ein konkreter Vorschlag ist die Aufnahme der kulturellen und künstlerischen Beiträge von Sinti und Roma in die Schulbücher der jeweiligen Heimatländer, um das Bild der Minderheit in der Gesellschaft nachhaltig zu prägen und Vorurteile abzubauen.

Die Verantwortung der Mehrheitsgesellschaft

Auch der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung, Mehmet Daimagüler (vertreten durch den CDU-Abgeordneten Brand), betonte die Pflicht der Mehrheitsgesellschaft, Sinti und Roma zu schützen. Der Umgang mit Minderheiten sei ein wesentlicher Gradmesser für den Zustand einer Demokratie. Deutschland stehe hierbei in einer besonderen historischen Verantwortung.

Kritik wurde an der zeitlichen Verzögerung der Aufarbeitung geäußert. Die Entscheidung der Bundesregierung, eine Kommission zur Untersuchung des Unrechts an Sinti und Roma nach 1945 einzusetzen, wurde als „unglaublich spät“ bewertet. Dennoch wird dieser Schritt als notwendig erachtet, um die Kontinuitäten der Verfolgung nach 1945 aufzudecken. So entschieden nach dem Krieg teilweise jene Personen über Entschädigungen oder Renten, die zuvor selbst an der Verfolgung beteiligt waren. Zudem wurden Sinti und Roma auch in der Nachkriegszeit durch Diskriminierung im Wohnbereich an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Aufgaben der neuen Aufarbeitungskommission

Die neu geschaffene Kommission steht vor einer komplexen Aufgabe. Sie soll nicht nur staatliches Handeln in der Vergangenheit untersuchen und Akten erschließen, sondern vor allem die Stimmen der Betroffenen in den Mittelpunkt stellen. Ziel ist es, ein umfassendes Bild der Diskriminierung zu zeichnen, die bis heute anhält.

Die Problematik zeigt sich laut den Experten auf zwei Ebenen:

* Gezielte Anfeindungen, bei denen Minderheiten direkt zur Zielscheibe werden.

* Die unkritische Verbreitung von Stereotypen, die im Alltag oft unreflektiert weitergegeben werden.

Die Kommission soll aus diesen Erkenntnissen fundierte Handlungsempfehlungen ableiten, um dem wachsenden Antiziganismus wirksam zu begegnen und die gesellschaftliche Teilhabe der Sinti und Roma zu stärken.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/uroczystosc-wszystkich-swietych-polska-29190193/ · Foto: SHOX ART
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/gedenktag-in-auschwitz-zentralrat-der-deutschen-sinti-und-roma-warnt-vor-wachsendem-antiziganismus-100.html