News aus aller Welt
Start
Platz 33 der damaligen Weltrangliste: Als das US-Militär einen Supercomputer aus 1. ...
Politik · 23.07.2026 18:50

Platz 33 der damaligen Weltrangliste: Als das US-Militär einen Supercomputer aus 1. ...

Kurz: Die US Air Force baute 2010 einen der schnellsten Supercomputer der Welt aus 1.760 Playstation-3-Konsolen. Warum das Projekt dennoch ein Ende fand.

Ein ungewöhnliches Rechenzentrum

Vor über 15 Jahren setzte die US Air Force auf eine Hardware-Lösung, die man eher in Kinderzimmern als in militärischen Forschungseinrichtungen vermutet hätte. Im Jahr 2010 realisierte das Militär den sogenannten „Condor Cluster“. Dabei handelte es sich um einen Supercomputer, der aus 1.760 miteinander vernetzten Sony Playstation 3 Konsolen bestand. Das System erreichte eine beachtliche Rechenleistung von 500 TFLops und sicherte sich damit den 33. Platz in der damaligen Weltrangliste der schnellsten Supercomputer.

Kosteneffizienz als treibender Faktor

Der Hauptgrund für dieses ungewöhnliche Vorhaben war die Wirtschaftlichkeit. Während herkömmliche Supercomputer-Systeme mit spezialisierter Server-Hardware enorme Budgets verschlangen, kostete eine Playstation 3 damals lediglich 400 US-Dollar. Insgesamt beliefen sich die Investitionen für den Condor Cluster auf etwa 2,2 Millionen US-Dollar. Nach Angaben der US Air Force entsprach dies nur etwa fünf bis zehn Prozent der Kosten, die bei der Verwendung konventioneller Server-Komponenten angefallen wären.

Zudem überzeugte das System durch seine Energieeffizienz. Unter Volllast verbrauchte eine Konsole maximal 200 Watt. Im laufenden Betrieb benötigte der gesamte Cluster lediglich zehn Prozent der Energie, die ein vergleichbares traditionelles System dieser Leistungsklasse verbraucht hätte.

Technische Grundlage und das Ende der Ära

Die Playstation 3 basierte auf einem maßgeschneiderten Prozessor sowie einer Nvidia-GPU mit 500 MHz, was sie für die damalige Zeit zu einer effizienten Rechenplattform machte. Der Betrieb des Clusters war jedoch an eine entscheidende Voraussetzung gebunden: Die Möglichkeit, ein eigenes Linux-Betriebssystem auf der Konsole zu installieren.

Dieses Konzept geriet ins Wanken, als Sony ein Firmware-Update veröffentlichte, das die Installation alternativer Betriebssysteme unterband. Zwar war das Militär nicht gezwungen, dieses Update auf den bestehenden Geräten zu installieren, doch spätere Modelle – darunter die Playstation 3 Slim – wurden bereits ab Werk mit der restriktiven Firmware ausgeliefert. Da somit keine kompatiblen Ersatzgeräte mehr beschafft werden konnten, markierte dies das Ende der Ära der Playstation-basierten Supercomputer, die neben der Air Force auch von verschiedenen Forschungsinstituten genutzt wurden.

Einordnung im technologischen Wandel

Ein Blick auf aktuelle Leistungsdaten verdeutlicht den rasanten Fortschritt in der Supercomputer-Technologie. Während der Condor Cluster im Jahr 2010 noch einen respektablen 33. Platz belegte, wäre ein solches System aus heutiger Sicht nicht einmal mehr in den Top 500 der schnellsten Supercomputer zu finden. Zum Vergleich: Der Nano-4-Supercomputer in Taiwan, der im Juni 2026 ebenfalls auf Platz 33 rangierte, erreicht eine Leistung von 81,5 PFlops – das ist etwa der 163-fache Wert des Condor Clusters.

Die Grundidee, energieeffiziente Hardware für skalierbare Rechencluster zu nutzen, hat sich jedoch in der Industrie etabliert. Moderne Cloud-Plattformen setzen heute verstärkt auf ARM-basierte Architekturen. Beispiele hierfür sind die AWS Graviton-Plattform, Microsofts Azure Cobalt oder Apples M5-Chips, die für den Einsatz in Cloud-Servern optimiert wurden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kapitol-der-vereinigten-staaten-29704415/ · Foto: david hou
Quelle: https://www.golem.de/news/platz-33-der-damaligen-weltrangliste-als-das-us-militaer-einen-supercomputer-aus-1-760-playstations-baute-2607-211231.html