Ein Neuanfang für das Wetzlarer Kreisparkhaus
Nach einer zweijährigen Phase des Stillstands und der Unnutzbarkeit nimmt der Lahn-Dill-Kreis nun einen radikalen Neuanfang in Angriff. Das als „Pannen-Parkhaus“ bekannt gewordene Gebäude am Karl-Kellner-Ring in Wetzlar wird zurückgebaut, um die strukturellen Mängel endgültig zu beheben. Die Vorbereitungen für dieses umfangreiche Bauvorhaben sind bereits angelaufen. Mit dem Beginn der offiziellen Baustelleneinrichtung und der Absicherung des Areals ab Montag, dem 31. August, markiert die Kreisverwaltung den Startpunkt einer komplexen Maßnahme. Die Räumung des bestehenden, ungenutzten Gebäudekomplexes bildet dabei den ersten Schritt. Ab dem 15. September sollen dann die eigentlichen Abrissarbeiten in die heiße Phase gehen. Ziel ist es, den Rohbau weitgehend zu entfernen und an gleicher Stelle ein Parkhaus zu errichten, das den Anforderungen an Sicherheit und Funktionalität tatsächlich gerecht wird. Für die Bürgerinnen und Bürger sowie Pendler in Wetzlar bedeutet dies jedoch eine längere Zeit der Einschränkungen, da das Projekt den Verkehrsfluss in der Innenstadt spürbar beeinflussen wird.
Details zum Bauablauf und den Verkehrseinschränkungen
Die logistische Herausforderung des Rückbaus bringt unmittelbare Konsequenzen für den Straßenverkehr mit sich. Um den Abriss sicher durchführen zu können, ist es erforderlich, sowohl auf dem Karl-Kellner-Ring als auch in der angrenzenden Moritz-Hensoldt-Straße jeweils eine Fahrspur für den öffentlichen Verkehr zu sperren. Autofahrer müssen sich daher während der gesamten Dauer der Bauarbeiten auf Behinderungen und mögliche Verzögerungen einstellen. Über die exakte Dauer der gesamten Baumaßnahme hat die Kreisverwaltung bislang keine verbindlichen Angaben gemacht, was die Planung für Verkehrsteilnehmer erschwert. Das Parkhaus selbst, das seit Anfang 2024 leer steht, konnte aufgrund der massiven baulichen Mängel bislang von keinem einzigen Fahrzeug genutzt werden. Die Planung sieht vor, dass nach Abschluss der Arbeiten wieder 300 Stellplätze zur Verfügung stehen sollen, was der ursprünglichen Kapazität des defekten Neubaus entspricht. Auch die Zufahrtssituation soll nach der Fertigstellung des neuen Gebäudes unverändert bleiben, um die Anbindung an das Straßennetz beizubehalten.
Die Vorgeschichte: Ein frostiger Defekt mit Folgen
Der aktuelle Rückbau ist die direkte Konsequenz aus einem massiven Versagen der Bausubstanz, das bereits kurz vor der geplanten Eröffnung des Parkhauses im Jahr 2024 zutage trat. Ein Kälteeinbruch führte damals zu schwerwiegenden Schäden am finalen Rohbau. Konkret platzten 16 bis 18 Meter lange Hohldielen in den verschiedenen Parkhausebenen auf, was das Gebäude sofort unbrauchbar machte. Nach Angaben der Kreisverwaltung war die Ursache für dieses Desaster ein Fehler des ausführenden Bauunternehmens. Wie Sabine Amelung-Hildebrand, die Justiziarin der Kreisverwaltung, erläuterte, wurden nicht in ausreichendem Maße Entwässerungsbohrungen vorgenommen, was den Frostschaden erst ermöglichte. Die Verwaltung sieht zudem eine mögliche Mitschuld bei dem zuständigen Architekten sowie bei einem Materiallieferanten. Die Erkenntnis, dass eine bloße Reparatur nicht ausreicht, führte bereits kurz nach dem Vorfall zu dem Entschluss, dass nur ein vollständiger Rückbau und eine Neuerrichtung des Parkhauses eine dauerhafte Lösung für die Parkplatznot der Verwaltung darstellen können.
Die Akteure und die aktuelle Situation der Verwaltung
In den Prozess sind verschiedene Parteien involviert, wobei die Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreises die Federführung innehat. Als zentrale Ansprechpartnerin fungiert die Justiziarin Sabine Amelung-Hildebrand, die die rechtliche und fachliche Aufarbeitung der Mängel begleitet. Das Bauunternehmen, welches den ursprünglichen Auftrag ausführte, steht ebenso wie der Architekt und der Materiallieferant im Fokus der Verantwortungsprüfung durch den Kreis. Während das Parkhaus als „Pannen-Parkhaus“ in die lokale Geschichte eingegangen ist, kämpft die Verwaltung mit der praktischen Notwendigkeit, Stellplätze für Mitarbeitende und Besuchende bereitzustellen. Da das Gebäude am Karl-Kellner-Ring seit zweieinhalb Jahren nicht zur Verfügung steht, greift der Kreis auf angemietete Ersatzparkmöglichkeiten zurück. Diese alternativen Flächen in der Umgebung stellen sicher, dass der Dienstbetrieb der Kreisverwaltung trotz des Ausfalls des eigenen Parkhauses aufrechterhalten werden kann, wenngleich dies mit zusätzlichem organisatorischem und finanziellem Aufwand verbunden ist.
Einordnung und offene Fragen zum Projekt
Einzuordnen ist das Vorhaben als eine notwendige, wenn auch kostspielige Korrektur eines gescheiterten Bauprojekts. Dass ein erst kürzlich fertiggestellter Rohbau aufgrund von Planungs- oder Ausführungsfehlern abgerissen werden muss, ist ein seltener und folgenschwerer Vorgang. Den Berichten zufolge ist die Entscheidung für den Rückbau alternativlos, da die Sicherheit des Gebäudes durch die geplatzten Hohldielen nicht gewährleistet werden konnte. Trotz der klaren Zielsetzung, wieder 300 Parkplätze zu schaffen, bleiben zentrale Fragen unbeantwortet. Insbesondere der Zeitrahmen für die Fertigstellung des Neubaus bleibt völlig offen. Auch zur finanziellen Belastung, die durch den Abriss und den anschließenden Neubau entsteht, gibt es keine Informationen. Es bleibt zudem unklar, inwieweit die beteiligten Firmen – Bauunternehmen, Architekt und Lieferant – für die entstandenen Kosten in Regress genommen werden können. Die Öffentlichkeit wird sich darauf einstellen müssen, dass die Baustelle am Karl-Kellner-Ring noch für eine längere Zeit das Stadtbild prägen und den Verkehr beeinträchtigen wird, ohne dass ein konkretes Enddatum für die Wiederinbetriebnahme absehbar ist.