News aus aller Welt
Start
Ökonom: Zölle und Iran-Krieg kommen USA teuer zu stehen
Politik · 22.08.2026 05:31

Ökonom: Zölle und Iran-Krieg kommen USA teuer zu stehen

Kurz: Die US-Staatsverschuldung erreicht mit über 40 Billionen Dollar einen historischen Höchstwert. Ökonom Rolf Langhammer warnt vor den Folgen für die Weltwirtschaf

Eine historische Marke bei der Staatsverschuldung

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben einen neuen, besorgniserregenden Meilenstein in ihrer Finanzgeschichte erreicht. Erstmals in der Historie des Landes übersteigt die staatliche Verschuldung die Marke von 40 Billionen US-Dollar, was umgerechnet etwa 34,3 Billionen Euro entspricht. Diese Zahl stellt nicht nur eine psychologische Schwelle dar, sondern markiert einen drastischen Anstieg um fast drei Billionen Dollar innerhalb eines einzigen Jahres. Das US-Finanzministerium in Washington bestätigte diese Entwicklung jüngst und räumte ein, dass die Verschuldung damit deutlich schneller und stärker gewachsen ist, als es die ursprünglichen Prognosen der Behörden vorgesehen hatten. Diese Entwicklung wirft nun drängende Fragen über die Stabilität der größten Volkswirtschaft der Welt auf. Während die Regierung unter Präsident Donald Trump weiterhin auf expansive fiskalpolitische Maßnahmen setzt, warnen Experten vor den langfristigen Konsequenzen dieser massiven Ausgabenpolitik. Die Dynamik, mit der sich die Schuldenlast in so kurzer Zeit erhöht hat, verdeutlicht die strukturellen Probleme im US-Haushalt, die durch zusätzliche Belastungen wie militärische Konflikte und eine aggressive Zollpolitik weiter verschärft werden.

Die Ursachen der finanziellen Schieflage

Der Wirtschaftswissenschaftler Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel benennt klare Faktoren für diesen Anstieg. Er führt die ausufernde Verschuldung primär auf eine Kombination aus ausgeweiteten Staatsausgaben und umfangreichen Steuervergünstigungen zurück. Diese Politik habe die Schere zwischen den staatlichen Einnahmen und den Ausgaben massiv auseinanderklaffen lassen. Derzeit gibt der US-Staat etwa sechs Prozent mehr Geld aus, als er tatsächlich einnimmt – ein Defizit, das Langhammer als gewaltig bezeichnet. Ein besonderer Punkt ist dabei die Zollpolitik von Donald Trump. Aufgrund eines Bußgeldes der EU gegen den Konzern Google in Höhe von 890 Millionen Euro hatte Trump mit höheren Zöllen gedroht. Doch die Zollpolitik hat auch interne Folgen: Der Oberste Gerichtshof der USA hat bestimmte Zolleinnahmen als rechtswidrig eingestuft und deren Rückzahlung angeordnet. Mit diesen unerwarteten Rückzahlungen hatte die Regierung nicht kalkuliert, was nun eine empfindliche Lücke in den Haushalt reißt. Diese Kosten belasten vor allem amerikanische Unternehmen und Privathaushalte, die unter den steigenden Preisen leiden.

Militärische Konflikte und technologische Wetten

Neben der fiskalischen Ausrichtung und der Zollpolitik belasten auch außenpolitische und technologische Faktoren den Haushalt. Der Krieg der USA gegen den Iran ist ein wesentlicher Treiber der aktuellen Schuldenlast. Laut Angaben des US-Verteidigungsministers Pete Hegseth beliefen sich die militärischen Ausgaben allein im Monat Juli auf 37,5 Milliarden Dollar. Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran stagnieren, während Trump dem Iran mit einem beispiellosen Wirtschaftskrieg droht und Sanktionen gegen Unterstützer des Landes ankündigt. Gleichzeitig investiert die US-Regierung massiv in den Bereich der Künstlichen Intelligenz. Die Hoffnung der Verantwortlichen ist, dass die KI-Industrie durch hohe Erträge in der Zukunft das Wirtschaftswachstum ankurbelt und so die Staatseinnahmen langfristig stärkt. Ökonom Langhammer warnt jedoch, dass die erhofften Einnahmen in naher Zukunft ausbleiben könnten. Sollte das KI-Geschäft nicht den erhofften Erfolg bringen, könnte dies einen massiven Druck auf den US-Dollar auslösen, was die ohnehin fragile finanzielle Lage der Vereinigten Staaten weiter destabilisieren würde.

Die Akteure und ihre Einschätzungen

Die Debatte um die US-Schulden wird von verschiedenen Akteuren geprägt. Präsident Donald Trump steht im Zentrum der Kritik, da seine Politik der Ausgabensteigerungen und Steuererleichterungen als Hauptursache für das Defizit gilt. Rolf Langhammer, Wirtschaftsprofessor und Handelsexperte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, fungiert als zentraler Analyst, der die ökonomischen Zusammenhänge einordnet. Er betont, dass die USA zwar historisch gesehen stets solvente Schuldner waren, die aktuelle Situation jedoch durch das Fehlen jeglicher Beschränkungen der Staatsausgaben oder Strategien zur Einnahmensteigerung besorgniserregend sei. Auf der anderen Seite steht die US-Regierung unter Druck, sowohl innenpolitisch durch die Belastung der Privathaushalte als auch außenpolitisch durch die militärische Konfrontation mit dem Iran. Institutionen wie das Finanzministerium liefern die nackten Zahlen, während Experten wie Langhammer die systemischen Risiken für die globale Finanzwelt beleuchten. Die Rolle der Regierung ist dabei ambivalent: Einerseits wird durch die Macht des Dollars ein erhebliches Druckmittel ausgeübt, andererseits schwindet die Rolle der USA als verlässlicher Wachstumsmotor der Weltwirtschaft.

Einordnung der ökonomischen Lage

Einzuordnen ist die Situation laut den Berichten so: Obwohl die Schuldenstände gigantische Ausmaße angenommen haben, steht ein unmittelbarer Bankrott der USA den Analysen zufolge nicht bevor. Staatsschulden müssen in ihrer Gesamtheit nie vollständig zurückgezahlt werden, was den USA einen gewissen Spielraum lässt. Dennoch ist die Entwicklung kritisch zu betrachten, da die USA in der Vergangenheit als „große Konsummaschine“ fungierten, die als Wachstumsmotor für die gesamte Weltwirtschaft diente. Diese Ära scheint nun zu einem Ende zu kommen. Für Deutschland, das traditionell einen Leistungsbilanzüberschuss aufweist und den USA als großer Gläubiger Geld leiht, ergeben sich daraus neue Risiken. Die Renditen dieser Ersparnisse hängen direkt von der Stabilität der US-Wirtschaft ab. Sollte das von Trump angestrebte Wirtschaftswachstum ausbleiben, hätte dies direkte negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Langhammer regt daher an, dass die deutsche Regierung prüfen müsse, ob es langfristig sinnvoller sei, Gelder im eigenen Land zu investieren, anstatt sie weiterhin in die USA zu leiten.

Offene Fragen und der Ausblick

Der vorliegende Sachverhalt lässt einige wesentliche Fragen unbeantwortet. So bleibt unklar, welche konkreten Gegenmaßnahmen die US-Regierung plant, um das Haushaltsdefizit langfristig zu senken, sofern solche überhaupt existieren. Auch die genauen Auswirkungen der angedrohten Sanktionen gegen Länder, die den Iran unterstützen, auf die US-Handelsbilanz sind derzeit nicht absehbar. Ebenso offen bleibt, wie die US-Notenbank auf den drohenden Druck auf den Dollar reagieren würde, sollte die KI-Wette der Regierung scheitern. In Bezug auf die Zukunft ist die Prognose düster: Experten erwarten, dass die Schuldenquote in den kommenden fünf Jahren auf 140 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ansteigen wird. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich davon ab, ob die USA ihre Rolle als solventer Schuldner beibehalten können und ob die deutsche Politik ihre Investitionsstrategie in Anbetracht der nachlassenden US-Wachstumskraft anpasst. Die finanzielle Stabilität der Vereinigten Staaten bleibt damit ein Unsicherheitsfaktor für die globale wirtschaftliche Entwicklung, wobei der Fokus auf den kommenden Haushaltsentscheidungen in Washington liegen wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/luftaufnahme-der-stadtlandschaft-teherans-in-der-abenddammerung-31468386/ · Foto: Mehdi Salehi
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/usa-staatsverschuldung-40-trillionen-langhammer-100.html