Ein durchwachsener Test unter Wettkampfbedingungen
Die deutschen Meisterschaften in Hannover dienten für Darja Varfolomeev als letzte große Bewährungsprobe vor der anstehenden Weltmeisterschaft im eigenen Land. Die 19-jährige Athletin aus Schmiden, die bereits als Olympiasiegerin sowie Welt- und Europameisterin glänzte, erlebte dabei ein Wochenende mit Höhen und Tiefen. Während sie am Samstag den Mehrkampf souverän für sich entschied, verliefen die Gerätefinals am Sonntag weniger dominant als in den vergangenen Jahren.
Nachdem Varfolomeev 2023 und 2025 jeweils das Maximum von fünf Titeln abgeräumt hatte, gelang ihr diesmal nicht der erhoffte Durchmarsch. Insgesamt sicherte sie sich in Hannover drei Goldmedaillen, wobei zwei davon aus den Gerätefinals stammten. Dennoch verdeutlichte der Wettkampf, dass die aktuelle Formkurve noch Schwankungen unterliegt.
Analyse der Gerätefinals: Licht und Schatten
Die Leistungen an den einzelnen Geräten zeigten ein differenziertes Bild:
* **Ball:** Mit einer Wertung von 30,700 Zählern erzielte Varfolomeev ihre höchste Tagesnote und unterstrich damit ihre Klasse.
* **Reifen:** Hier erreichte sie 30,650 Punkte. Dies ist besonders bemerkenswert, da sie am Vortag im Mehrkampf noch zwei schwere Fehler an diesem Gerät zu verzeichnen hatte.
* **Keulen:** Hier musste die Favoritin einen Rückschlag hinnehmen. Aufgrund von zwei Geräteverlusten kam sie lediglich auf 26,600 Punkte, was den fünften Platz bedeutete. Der Titel ging an Lada Pusch mit 30,000 Zählern.
* **Band:** Auch an diesem Gerät unterliefen Varfolomeev Fehler, die sie auf den dritten Platz (27,450 Punkte) verwiesen. Den Sieg sicherte sich ihre Teamkollegin Viktoria Steinfeld mit einem Vorsprung von 0,3 Zählern.
Ursachenforschung und mentaler Druck
Nach den Wettkämpfen zeigte sich die Athletin selbstkritisch. Sie sprach von einer ungewöhnlichen Nervosität, die sie selbst bei der vergangenen Europameisterschaft in dieser Form nicht verspürt habe. Varfolomeev betonte, dass der größte Druck oft von ihr selbst ausgehe. Ob ein Mangel an Energie oder die psychische Belastung ausschlaggebend für die Patzer waren, soll nun in einer detaillierten Analyse mit ihrem Trainerteam geklärt werden.
Die Sportlerin sieht in den verpassten Titeln jedoch auch eine Chance. Die identifizierten Schwächen bei den Keulen und dem Band bieten nun einen konkreten Ansatzpunkt für das Training in den kommenden Wochen. Die Erkenntnis, wo genau nachgebessert werden muss, wird als positiver Aspekt für die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft gewertet.
Ausblick auf die Heim-WM in Frankfurt
Der Deutsche Turner-Bund (DTB) hat bereits das Aufgebot für die Weltmeisterschaften bekanntgegeben, die vom 12. bis 16. August in Frankfurt am Main stattfinden werden. Darja Varfolomeev führt das dreiköpfige Team an und ist die einzige Athletin, die an allen vier Geräten an den Start gehen wird.
Unterstützt wird sie von ihren Vereinskolleginnen aus Schmiden:
* **Lada Pusch:** Nominiert für die Disziplinen Keulen, Reifen und Ball.
* **Anastasia Simakova:** Wird in der Entscheidung mit dem Band antreten.
Zusätzlich wird eine fünfköpfige Gruppe – bestehend aus Alina Datsenko, Anja Kosan, Alina Ott, Helena Ripken und Anna-Maria Shatokhin – die deutschen Farben vertreten. Die Zeit bis zum WM-Start in Frankfurt ist nun entscheidend, um die in Hannover aufgezeigten technischen Defizite aufzuarbeiten und die notwendige Sicherheit für die Heim-Weltmeisterschaft zurückzugewinnen.