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Niedrigwasser auf Rhein und Donau schränkt Schifffahrt ein
Schlagzeilen · 29.07.2026 14:56

Niedrigwasser auf Rhein und Donau schränkt Schifffahrt ein

Kurz: Anhaltende Dürre und extreme Hitze lassen die Pegel von Rhein und Donau auf historische Tiefstände sinken. Die Binnenschifffahrt steht vor massiven Problemen.

Historische Tiefstände an zentralen Wasserstraßen

Deutschland und weite Teile Europas erleben derzeit eine Phase extremer Trockenheit, die sich gravierend auf die großen Binnengewässer auswirkt. Sowohl der Rhein als auch die Donau verzeichnen Pegelstände, die vielerorts historische Tiefstwerte erreichen oder diese sogar zu unterbieten drohen. Die Kombination aus langanhaltender Dürre und überdurchschnittlich hohen Temperaturen hat dazu geführt, dass Uferbereiche trockenfallen und Kiesbänke den Flusslauf verengen.

Besonders kritisch ist die Lage am Rhein, etwa in Kaub. Dort wurden Pegelstände von lediglich 29 Zentimetern gemessen, was einer nutzbaren Fahrrinnentiefe von nur noch 1,43 Metern entspricht. Prognosen der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt deuten darauf hin, dass die Werte sogar unter das historische Rekordtief aus dem Jahr 2018 von 25 Zentimetern fallen könnten.

Auswirkungen auf den Güterverkehr

Die Binnenschifffahrt ist auf stabile Wasserstände angewiesen, um ihre Kapazitäten voll auszuschöpfen. Aktuell ist ein wirtschaftlich sinnvoller Betrieb kaum noch möglich. Nach Einschätzung der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz ist der Schiffsverkehr bei einem Pegel unter 40 Zentimetern in Kaub faktisch zum Erliegen gekommen. Bereits zuvor zwang der Wassermangel die Reedereien dazu, ihre Frachtmengen drastisch zu reduzieren, was die Transportkosten in die Höhe trieb.

Obwohl der Verband der Deutschen Binnenschifffahrt betont, dass keine behördlichen Sperrungen erfolgen und der Verkehr so lange wie sicher möglich aufrechterhalten wird, drohen der Industrie erhebliche Versorgungsengpässe. Da essenzielle Rohstoffe wie Kohle, Rohöl und Erdgas bevorzugt per Schiff transportiert werden, sind zahlreiche Produktionsketten gefährdet. Ein Szenario, das an das Jahr 2018 erinnert, als die wirtschaftlichen Schäden durch Niedrigwasser auf rund 2,4 Milliarden Euro geschätzt wurden.

Die Situation an der Donau

Auch die Donau leidet unter dem Wassermangel. In Pöchlarn, Österreich, liegt der Pegel aktuell bei etwa einem Meter – ein Wert, der normalerweise bei drei Metern liegt. Die Folgen sind gravierend: Voll beladene Schiffe können weite Strecken von Deutschland bis Rumänien nicht mehr passieren. Einige Reedereien haben den Betrieb auf betroffenen Abschnitten bereits vollständig eingestellt.

Die Auswirkungen betreffen nicht nur den Gütertransport, sondern auch den Tourismus. Ein prominentes Beispiel ist das Kreuzfahrtschiff „Viking Ullur“, das in Bulgarien auf Grund lief. Die 186 Passagiere und die Besatzung mussten das unter Schweizer Flagge fahrende Schiff verlassen, nachdem schlechte Sicht und der niedrige Pegelstand die Navigation unmöglich gemacht hatten.

Debatte über Infrastrukturmaßnahmen

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der zunehmenden Häufigkeit solcher Dürreperioden ist eine Debatte über die Zukunft der Binnenschifffahrt entbrannt. Wirtschaftsverbände fordern einen zügigen Ausbau der Fahrrinnen, insbesondere am Mittelrhein. Geplant ist unter anderem das Abtragen von Felsen und das Entfernen von Sandbänken, um die Durchfahrt auch bei niedrigen Pegeln zu erleichtern.

Dieser Vorstoß stößt bei Umweltschützern auf erheblichen Widerstand. Der BUND warnt vor unkalkulierbaren ökologischen Folgen. Durch bauliche Eingriffe könnte sich die Strömungsdynamik des Rheins verändern, was sensible Uferbereiche – die als Kinderstuben für zahlreiche Fischarten dienen – gefährden würde. Kritiker geben zudem zu bedenken, dass derartige Baumaßnahmen zwar die Navigation erleichtern könnten, das grundlegende Problem des Wassermangels jedoch nicht beheben werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/malerische-aussicht-auf-passaus-historisches-flussufer-36454996/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/niedrigwasser-rhein-donau-100.html