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Niedrige Flusspegel: Mehrere Länder drosseln Produktion von Atomstrom
Schlagzeilen · 30.07.2026 18:49

Niedrige Flusspegel: Mehrere Länder drosseln Produktion von Atomstrom

Kurz: Extreme Hitze und Dürre in Europa führen zu historisch niedrigen Pegelständen. In mehreren Ländern müssen Atomkraftwerke deshalb die Stromproduktion drosseln.

Energieversorgung unter Druck: Niedrigwasser zwingt AKW zur Drosselung

Die anhaltende Hitzewelle und ausbleibende Regenfälle haben weite Teile Europas erfasst und führen zu einer kritischen Situation an vielen Flüssen. Was für die Schifffahrt bereits seit Wochen eine Herausforderung darstellt, entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Problem für die Energieversorgung. Da zahlreiche Atomkraftwerke auf große Mengen Kühlwasser aus Flüssen angewiesen sind, zwingen die historisch niedrigen Pegelstände die Betreiber nun dazu, die Leistung ihrer Reaktoren zu reduzieren oder diese vollständig vom Netz zu nehmen.

Rumänien und Ungarn: Donau-Anrainer besonders betroffen

Besonders deutlich wird die Problematik entlang der Donau, die aufgrund fehlender Niederschläge und aufeinanderfolgender Hitzewellen seit Mai Rekordtiefstände verzeichnet. In Rumänien ist das Kernkraftwerk Cernavoda, das normalerweise etwa ein Fünftel des nationalen Strombedarfs deckt, direkt betroffen. Erstmals mussten beide Reaktorblöcke des Standorts aufgrund des Wassermangels außer Betrieb genommen werden. Der Betreiber Nuclearelectrica begründete diesen Schritt mit den vorgesehenen Sicherheitsprotokollen für Dürreperioden.

Auch in Ungarn steht das Kernkraftwerk Paks vor massiven Herausforderungen. Die Wasserstände der Donau liegen dort nach Angaben lokaler Wasserwerke bereits mehr als einen Meter unter den bisherigen historischen Tiefstständen. Als Konsequenz wurde bereits einer der vier Reaktorblöcke abgeschaltet. Der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar warnte, dass auch die übrigen Blöcke von einer Abschaltung bedroht sein könnten, und rief die Bevölkerung dazu auf, den Stromverbrauch aktiv zu reduzieren.

Frankreich: Kühlwasser als begrenzender Faktor

Die Herausforderungen durch Hitze und Trockenheit sind für die europäische Atomkraft kein neues Phänomen. Frankreich, das einen Großteil seines Stroms aus Kernenergie gewinnt, ist aufgrund seiner geografischen Lage und der hohen Abhängigkeit von dieser Energiequelle besonders anfällig für sommerliche Hitzewellen.

Um zu verhindern, dass das in die Flüsse zurückgeleitete Kühlwasser die Gewässer über ein ökologisch vertretbares Maß hinaus erwärmt, greifen die Betreiber regelmäßig zu Drosselungen. Ein aktuelles Beispiel ist das Kraftwerk Golfech nördlich von Toulouse. Dort wurde ein Reaktor abgeschaltet, um die thermische Belastung der Garonne zu minimieren. Der Energiekonzern EDF hatte den Reaktor bereits in den vergangenen Wochen mehrfach zeitweise vom Netz genommen, um auf die klimatischen Bedingungen zu reagieren.

Auswirkungen auf den Schiffsverkehr

Die hydrologische Krise beschränkt sich nicht auf die Energieerzeugung. Auch die Logistik leidet unter den niedrigen Wasserständen. Der Schiffsverkehr auf der Donau und dem Rhein ist in vielen Abschnitten stark eingeschränkt.

* **Kreuzfahrtschiffe:** Reisende sind von vorzeitigen Reiseabbrüchen betroffen. Ein Vorfall nahe dem rumänischen Donauhafen Cetate, bei dem ein Kreuzfahrtschiff mit rund 240 Passagieren auf einer Sandbank festsaß, unterstreicht die Gefahren für die Personenschifffahrt.

* **Gütertransport:** Frachtschiffe können aufgrund der geringen Wassertiefen nur noch teilweise beladen werden, was für die Transportunternehmen erhebliche wirtschaftliche Einbußen bedeutet.

Kontext und Ausblick

Die aktuelle Situation verdeutlicht die Abhängigkeit der konventionellen Energieinfrastruktur von stabilen klimatischen Bedingungen. Während die Regierungen in Europa, wie etwa in Schweden, teilweise auf den Ausbau der Kernkraft setzen, um den Energiebedarf klimaschonend zu decken, zeigt die aktuelle Dürre die Verwundbarkeit dieser Technologie gegenüber den Folgen des Klimawandels auf.

Die kommenden Wochen werden entscheidend dafür sein, ob sich die Pegelstände durch etwaige Niederschläge stabilisieren können. Sollte die Trockenheit anhalten, ist mit weiteren Einschränkungen in der Stromerzeugung zu rechnen, was die Debatte um die Versorgungssicherheit und die Resilienz der europäischen Energieinfrastruktur weiter verschärfen dürfte.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/saftig-grunes-feld-in-coesfeld-deutschland-36849929/ · Foto: Sergej *****
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/donau-pegel-atomstrom-100.html