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Nach 50 Jahren: Alice Schwarzer stellt Magazin „Emma“ ein
Kultur · 21.10.2026 08:25

Nach 50 Jahren: Alice Schwarzer stellt Magazin „Emma“ ein

Kurz: Nach einem halben Jahrhundert beendet Alice Schwarzer ihr Lebenswerk: Das feministische Magazin „Emma“ wird nach 398 Ausgaben eingestellt.

Das Ende einer Ära: Alice Schwarzer beendet die Ära „Emma“

Nach einem beeindruckenden halben Jahrhundert publizistischer Arbeit hat die bekannte Feministin Alice Schwarzer das Ende ihres Magazins „Emma“ verkündet. Die Nachricht, die am 21. Oktober 2026 bekannt wurde, markiert einen historischen Einschnitt in der deutschen Medienlandschaft. Die heute 83-jährige Gründerin und Herausgeberin erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Köln, dass das Magazin, welches über Jahrzehnte hinweg als Sprachrohr der Frauenbewegung fungierte, von der Bühne abtreten wird. Die Entscheidung ist endgültig und wurde mit einer klaren Botschaft verknüpft: „Wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!“ Die letzte Ausgabe des Magazins, das über fünf Jahrzehnte hinweg die öffentliche Debatte über Geschlechterrollen und gesellschaftliche Normen in Deutschland maßgeblich mitgeprägt hat, soll am 8. Dezember 2026 erscheinen. Damit endet ein einzigartiges Projekt, das als weltweit letztes professionelles Publikumsmagazin in der Hand von Feministinnen am Kiosk präsent war. Die Ankündigung löste in der Öffentlichkeit ein breites Echo aus, da das Magazin weit über die Grenzen der feministischen Szene hinaus als Institution wahrgenommen wurde.

Zahlen, Fakten und die letzten Schritte

Die Bilanz, die Alice Schwarzer für ihr Lebenswerk zieht, ist beeindruckend. Insgesamt blickt das Magazin auf 398 Ausgaben zurück, die sich über einen Zeitraum von 50 Jahren erstrecken und insgesamt 36.584 Seiten umfassen. Die erste Ausgabe von „Emma“ erschien am 26. Januar 1977. Während der gesamten Laufzeit blieb das Magazin in der Hand seiner Gründerin, was eine bemerkenswerte Unabhängigkeit von ökonomischen oder politischen Interessen ermöglichte. Die vorletzte Ausgabe des Magazins wird ab dem 27. Oktober 2026 im Handel erhältlich sein. Das finale Heft vom 8. Dezember soll laut Schwarzer doppelt so umfangreich wie gewöhnliche Ausgaben ausfallen. Es ist als eine Art Bilanz geplant, die die 50 wichtigsten Themen der vergangenen fünf Jahrzehnte noch einmal aufgreift und reflektiert. Damit schließt sich ein Kreis, der im Jahr 1977 begann und durch zahlreiche gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen führte. Die Redaktion betont, dass trotz der allgemeinen Marktsituation keine wirtschaftliche Notwendigkeit für das Aus besteht, da die Einnahmen die Ausgaben nach wie vor decken.

Ein Rückblick auf die Geschichte des Magazins

Als „Emma“ im Januar 1977 startete, waren die Prognosen für das Magazin eher pessimistisch. Viele Beobachter gaben dem Projekt damals keine lange Zukunft. Doch entgegen dieser Einschätzungen entwickelte sich das Magazin zu einer festen Größe, die über viele Jahre hinweg informierte, aufklärte, analysierte und immer wieder bewusst provozierte. Die inhaltliche Ausrichtung war dabei stets mutig und oft ihrer Zeit voraus. Zu den Themen, die „Emma“ frühzeitig auf die öffentliche Agenda setzte, zählten unter anderem der Kampf gegen Kindesmissbrauch, die kritische Auseinandersetzung mit dem Islamismus, die Aufklärung über Brustkrebs, die Problematik der Genitalverstümmelung sowie die Debatte um das Ehegattensplitting. Diese Themen waren oft gesellschaftliche Tabus, die durch die publizistische Arbeit des Magazins in den Fokus der breiten Öffentlichkeit gerückt wurden. Die Unabhängigkeit, die durch die Eigentümerstruktur gewahrt blieb, erlaubte es dem Team, Themen zu besetzen, die in anderen Medienhäusern oft aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen gemieden wurden. Dies machte „Emma“ zu einem unverwechselbaren Bestandteil der deutschen Medienlandschaft.

Die Rolle der Akteure und die Unabhängigkeit

Alice Schwarzer, die als zentrale Figur und treibende Kraft hinter dem Magazin steht, hat „Emma“ über 50 Jahre hinweg maßgeblich geprägt. Ihre Rolle als Herausgeberin und Redakteurin war dabei nicht nur eine berufliche, sondern eine lebenslange Mission. Da das Magazin bis zuletzt in ihrem Besitz blieb, konnte eine weitgehende Unabhängigkeit von externen Einflüssen gewahrt werden. Dies war ein wesentlicher Faktor für den Erfolg und die inhaltliche Schärfe des Blattes. Schwarzer betonte in ihrer Erklärung ausdrücklich, dass die Entscheidung zur Einstellung nicht durch wirtschaftliche Zwänge motiviert sei. Zwar räumte sie ein, dass auch die Auflage von „Emma“ rückläufig sei – ein Trend, der viele Printmedien in der heutigen Zeit betrifft –, doch die Einnahmen seien nach wie vor ausreichend, um den laufenden Betrieb zu finanzieren. Die Entscheidung ist somit eine bewusste, inhaltliche Zäsur, die von der Gründerin selbst getroffen wurde. Es ist das Ende einer Ära, in der eine einzelne Person durch ihre publizistische Arbeit eine ganze Bewegung über ein halbes Jahrhundert hinweg maßgeblich beeinflussen konnte.

Einordnung und offene Fragen

Einzuordnen ist das Ende von „Emma“ als das Ende eines publizistischen Solitärs. In einer Zeit, in der sich Medienhäuser zunehmend in großen Konzernen konsolidieren, war das Magazin ein seltenes Beispiel für eine unabhängige, inhabergeführte Publikation. Den Berichten zufolge ist die Entscheidung als bewusster Schlussstrich zu verstehen, nicht als erzwungene Aufgabe. Dennoch bleiben Fragen offen, die der Quelltext nicht beantwortet. So wird nicht explizit thematisiert, wie das Archiv des Magazins in Zukunft verwaltet werden soll oder ob es Bestrebungen gibt, die Marke „Emma“ in digitaler Form oder in anderen Formaten weiterzuführen. Auch die Zukunft der festen Mitarbeiterinnen und der redaktionellen Struktur wird in der vorliegenden Erklärung nicht im Detail beleuchtet. Es bleibt abzuwarten, ob nach dem 8. Dezember 2026 eine Form der digitalen Archivierung oder eine andere Form der Fortführung der inhaltlichen Arbeit durch die Gründerin oder andere Akteure angestrebt wird. Die Lücke, die das Magazin in der deutschen Presselandschaft hinterlässt, wird von Beobachtern als signifikant bewertet, da eine vergleichbare Stimme mit dieser spezifischen feministischen Ausrichtung derzeit nicht in Sicht ist.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kunst-innere-interior-ausstellung-12705468/ · Foto: Matheus Bertelli
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/alice-schwarzer-stellt-magazin-emma-ein-accg-201607250.html