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Migranten in Ceuta: Italien setzt Schengen-Abkommen mit Spanien aus
Schlagzeilen · 31.07.2026 20:40

Migranten in Ceuta: Italien setzt Schengen-Abkommen mit Spanien aus

Kurz: Nach dem massiven Ansturm von Migranten auf Ceuta zieht Italien Konsequenzen und setzt das Schengen-Abkommen mit Spanien vorübergehend aus.

Italien reagiert auf Migrationsdruck in Ceuta

Die jüngsten Ereignisse in der spanischen Exklave Ceuta haben weitreichende Auswirkungen auf die europäische Reisefreiheit. Italien hat als direkte Reaktion auf den massiven Zustrom von Zehntausenden Migranten das Schengen-Abkommen mit Spanien teilweise ausgesetzt. Wie das italienische Innenministerium bekannt gab, werden ab Samstag für einen Zeitraum von zunächst einem Monat wieder Grenzkontrollen für den Luft- und Seeverkehr zwischen beiden Ländern eingeführt.

Da Italien und Spanien keine gemeinsame Landgrenze teilen, konzentrieren sich die Maßnahmen auf Reisende, die per Flugzeug oder Schiff anreisen. Diese müssen künftig einen gültigen Reisepass vorführen. Zudem kündigte das Ministerium an, dass die Grenzpolizei gezielte und selektive Kontrollen bei Drittstaatsangehörigen durchführen werde, die aus Spanien einreisen. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni begründete diesen Schritt damit, dass Italien nicht tatenlos zusehen werde, wie die unkontrollierte illegale Einwanderung die Sicherheit der europäischen Grenzen bedrohe.

Frankreich und EU erhöhen den Druck

Neben Italien hat auch Frankreich angekündigt, seine Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zu Spanien zu verstärken. Innenminister Laurent Nuñez erklärte, er habe entsprechende Anweisungen bereits erteilt. Die bereits bestehenden Kontrollen sollen demnach unverzüglich intensiviert werden. Frankreich beobachtet die Lage genau und schließt weitere Maßnahmen nicht aus, falls es zu Bewegungen in Richtung des französischen Territoriums kommen sollte.

Auf europäischer Ebene stößt die Situation in Ceuta auf scharfe Kritik. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete die Zustände als inakzeptabel und betonte, dass die Einhaltung der europäischen Regeln zwingend erforderlich sei. Sie forderte ein sofortiges Stoppen der gefährlichen Überfahrten und die Zerschlagung von Schleusernetzwerken. Migrationskommissar Magnus Brunner bot Spanien zudem die Unterstützung der EU an, unter anderem durch den Einsatz der Grenzschutzagentur Frontex.

Hintergrund und politische Reaktionen

Die Lage in der spanischen Exklave hat sich innerhalb weniger Tage dramatisch zugespitzt. Medienberichten zufolge sind Zehntausende Menschen in Ceuta angekommen, wobei mindestens 57 Personen bei dem Versuch, die Exklave schwimmend zu erreichen, ums Leben kamen. Der Regionalpräsident von Ceuta forderte angesichts der Überlastung bereits den Einsatz des Militärs.

Die Ursachen für den plötzlichen Ansturm sind noch nicht vollständig geklärt. Als ein möglicher Auslöser wird ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs diskutiert, das die sofortige Rückweisung von auf dem Seeweg aufgegriffenen Migranten nach Marokko untersagt. Zudem verbreiteten sich in sozialen Netzwerken offenbar Gerüchte über eine mögliche Grenzöffnung. Marokkanische Behörden haben sich bislang nicht öffentlich zu den Vorfällen geäußert.

Auch aus Deutschland kam deutliche Kritik an der Situation. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte die Notwendigkeit, die EU-Außengrenzen effektiv zu schützen. Er begrüßte das Vorhaben Spaniens, die Migranten nicht auf das europäische Festland gelangen zu lassen, und forderte Marokko dazu auf, die Menschen unverzüglich zurückzunehmen. Außenminister Johann Wadephul ergänzte, dass der Schutz der Außengrenzen für die Kontrolle der illegalen Migration von überragender Bedeutung sei.

Einordnung der Maßnahmen

Das Schengen-Abkommen, das Grenzkontrollen zwischen den Mitgliedstaaten weitgehend abgeschafft hat, sieht explizit vor, dass in Ausnahmesituationen vorübergehende Kontrollen wieder eingeführt werden können. Die jetzigen Schritte Italiens und Frankreichs verdeutlichen die wachsende Sorge innerhalb der EU vor einer unkontrollierten Migration über die Außengrenzen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die verstärkten Kontrollen und die angebotene Unterstützung durch Frontex ausreichen, um die Lage in der Region zu stabilisieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fahranleger-mit-passagieren-im-mittelmeerhafen-35485755/ · Foto: Magda Ehlers
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ceuta-eu-reaktionen-102.html