Neue Wege in der Personalsuche für Arztpraxen
Die ambulante medizinische Versorgung in Deutschland steht vor einer strukturellen Herausforderung: Während die Zahl der Patientenkontakte kontinuierlich wächst, verschärft sich der Mangel an qualifiziertem Personal. Insbesondere Medizinische Fachangestellte (MFA), die das Rückgrat des Praxisbetriebs bilden, sind zunehmend schwer zu finden. Als Reaktion auf diese Entwicklung wurde im April 2026 die Online-Plattform „MFA-Börse“ ins Leben gerufen.
Entstehung und Motivation
Entwickelt wurde das Portal in Zusammenarbeit mit einer MFA und dem Arzt Dr. Oliver A. Schmidt. Die Motivation für das Projekt entsprang der Unzufriedenheit mit bestehenden Angeboten. Laut Schmidt zeichnen sich viele etablierte Portale durch unübersichtliche Strukturen, komplizierte Registrierungsprozesse und intransparente Preismodelle aus. Die MFA-Börse versteht sich daher als Gegenentwurf zu bereits existierenden Lösungen wie „MFA gesucht“ oder klassischen medizinischen Jobmärkten, die primär auf dem traditionellen Inseratsprinzip basieren.
Transparenz statt Algorithmen
Ein zentrales Merkmal der Plattform ist der bewusste Verzicht auf KI-gestützte Auswahlverfahren. Während viele moderne Recruiting-Tools auf Algorithmen setzen, die Bewerberprofile vorab filtern oder bewerten, verfolgt die MFA-Börse einen anderen Ansatz. Laut Dr. Schmidt sollen die Entscheidung für den passenden Arbeitsplatz und die Auswahl der Bewerber in den Händen der Menschen liegen.
Die Plattform möchte verhindern, dass sich Fachkräfte bereits vor dem Erstkontakt wie ein bloßer Datensatz fühlen, der von einer Software durchleuchtet wird. Dennoch bietet das Portal technische Suchfunktionen, um die Relevanz der Ergebnisse zu wahren. Nutzer können gezielt nach Kriterien wie:
* Beschäftigungsart
* Fachgebiet
* Gehalt
* Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten
* Aufgabenprofil
* Standort (via Umkreissuche)
filtern. Der Zugang bleibt dabei niedrigschwellig: Stellenanzeigen können ohne vorherige Registrierung durchsucht werden. Über die Funktion „TeamKlick“ ist eine Kontaktaufnahme sogar ohne das Hochladen eines Lebenslaufs oder eines umfangreichen Profils möglich.
Kostenstruktur für Arbeitgeber
Das Geschäftsmodell der MFA-Börse setzt auf Festpreise statt auf Provisionen oder Abonnements. Dies soll Praxen Planungssicherheit bieten, da keine versteckten Folgekosten entstehen, unabhängig von der Dauer der Suche oder der Anzahl der eingehenden Bewerbungen. Das Preismodell gliedert sich wie folgt:
* Einzelpraxen: 399 Euro
* Berufsausübungsgemeinschaften: 599 Euro
* Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und Kliniken: 899 Euro
Jede dieser Anzeigen hat eine Laufzeit von 60 Tagen. Zudem bietet die Plattform die Möglichkeit, eine erste Stellenanzeige 14 Tage lang kostenfrei zu veröffentlichen. Zur Steigerung der Reichweite werden kostenpflichtige Inserate zusätzlich über einen Job-Newsletter sowie einen WhatsApp-Kanal verbreitet.
Hintergrund und Ausblick
Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist ein komplexes Problem, das sich trotz verschiedener politischer Initiativen bisher nicht grundlegend lösen ließ. Die MFA-Börse adressiert dabei einen spezifischen Teilbereich: die Effizienz der Vermittlung. Indem die Hürden für den Erstkontakt gesenkt und die Kosten für Praxen transparent gestaltet werden, soll die Plattform dazu beitragen, den administrativen Aufwand im Recruiting zu reduzieren.
Ob dieses Modell die strukturelle Lücke auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig schließen kann, bleibt abzuwarten. Der Erfolg wird maßgeblich davon abhängen, wie viele Praxen und Fachkräfte das Angebot annehmen und wie effektiv die direkte Kommunikation ohne algorithmische Vorauswahl in der Praxis funktioniert. Die Abkehr von KI-Matching könnte dabei ein entscheidender Faktor sein, um die persönliche Komponente der Personalsuche in den Vordergrund zu stellen.