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Mersad Selimbegovic und der Fluch der guten Tat
Sport · 31.07.2026 15:57

Mersad Selimbegovic und der Fluch der guten Tat

Kurz: Nach einer beeindruckenden Rückrunde ist die Erwartungshaltung bei Alemannia Aachen riesig. Trainer Mersad Selimbegovic warnt vor zu viel Euphorie.

Zwischen Euphorie und Realität

Die Stimmung in Aachen könnte kaum besser sein. Nach einer fulminanten Rückrunde in der 3. Liga, in der Alemannia Aachen zeitweise wie ein Aufstiegsaspirant auftrat, blicken Fans und Umfeld optimistisch auf die kommende Spielzeit. Doch während die Stadt von großen Erfolgen träumt, schlägt Trainer Mersad Selimbegovic deutlich leisere Töne an. Er spricht offen vom „Fluch der guten Tat“ – ein Phänomen, bei dem vergangene Erfolge die Messlatte für die Zukunft so hoch legen, dass sie kaum noch zu erreichen scheint.

Der 44-jährige Bosnier übernahm das Team im November, als der Verein noch tief im Abstiegskampf steckte und der Gang in die Regionalliga drohte. Unter seiner Führung stabilisierte sich die Mannschaft jedoch so schnell, dass sie sich zur stärksten Kraft der Rückrunde entwickelte. Selimbegovic selbst ordnet dies heute nüchtern ein: „Das Ding lief plötzlich wie von selbst.“

Ein Kader im Umbruch

Die aktuelle Herausforderung für den Trainer ist der personelle Umbruch. Mit Lars Gindorf und Mika Schroers haben die beiden treffsichersten Akteure den Verein verlassen. Der Kader wurde in der Sommerpause vorwiegend mit jungen Talenten ergänzt, was bedeutet, dass sich die Mannschaft erst wieder finden muss. Selimbegovic betont, dass das Team zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf dem Stand sei, den es im Mai erreicht hatte.

Dennoch bleibt der Trainer optimistisch, was die Spielweise betrifft. Er verspricht den Anhängern „Vollgasfußball“. Die Identität der Mannschaft soll auch in der neuen Saison durch hohe Intensität, körperliche Präsenz und leidenschaftlichen Einsatz geprägt sein. Diese Philosophie begleitete Selimbegovic bereits bei seinen früheren Stationen, etwa in Regensburg, wo sein Team durch extremes Pressing zum unangenehmen Gegner für die gesamte Liga wurde.

Taktische Ausrichtung und Neuzugänge

Die Daten untermauern diesen Ansatz: Im Frühjahr 2026 lief die Alemannia in den ersten acht Partien 20 Kilometer mehr als der zweitbeste Ligakonkurrent. Diese enorme Laufbereitschaft ist die Basis für das Balleroberungsspiel in der gegnerischen Hälfte und die daraus resultierenden Umschaltmomente.

Um dieses System auch in der Saison 2026/27 erfolgreich umzusetzen, arbeitet der Verein noch am Kader. Mit der Verpflichtung des 22-jährigen Meiko Wäschenbach, der beim 1. FC Köln ausgebildet wurde und vom Karlsruher SC kam, hat Aachen einen kreativen Akteur für das Mittelfeld gewonnen. Zudem konnte mit dem 31-jährigen Gideon Jung ein erfahrener Defensiv-Allrounder gehalten werden, der für Stabilität in der Abwehr oder auf der Sechser-Position sorgen soll.

Die Zielsetzung für die neue Spielzeit

Obwohl der Transfermarkt noch rund vier Wochen geöffnet bleibt und weitere Anpassungen möglich sind, vermeidet Selimbegovic konkrete Saisonziele oder Prognosen. Er verweist auf die Schnelllebigkeit des Fußballs und die Unvorhersehbarkeit der Liga.

Das primäre Ziel ist es, die Fans mit einer begeisternden Spielweise mitzunehmen. Sportlich gesehen gibt der Trainer eine klare Marschroute vor: Die Mannschaft soll eine Saison spielen, in der sie mit den hinteren Tabellenplätzen möglichst nichts zu tun bekommt. Für die Fans und die junge Mannschaft bedeutet dies, dass Rückschläge in der Findungsphase einkalkuliert werden müssen, während der Fokus weiterhin auf der mannschaftlichen Geschlossenheit und der hohen Intensität auf dem Platz liegt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/winter-nebel-gras-neblig-6495103/ · Foto: KoolShooters
Quelle: https://www.sportschau.de/regional/wdr/wdr-mersad-selimbegovic-und-der-fluch-der-guten-tat-100.html