Niedrigwasser bringt historische Funde ans Licht
Die anhaltende Trockenheit führt dazu, dass der Rhein derzeit Wasserstände erreicht, die seit Jahren nicht mehr gemessen wurden. An verschiedenen Stellen nähert sich der Pegel historischen Rekordtiefs. Diese klimatische Situation hat jedoch eine unerwartete Begleiterscheinung: Das zurückweichende Wasser gibt Bereiche des Flussbetts frei, die über Jahrzehnte hinweg verborgen blieben. Dabei kommen immer wieder Gegenstände zum Vorschein, die dort über lange Zeiträume hinweg abgelagert wurden.
Ein solcher Vorfall ereignete sich am Donnerstagabend in Lampertheim im Landkreis Bergstraße. Ein Passant entdeckte im freigelegten Flussbett einen metallischen Gegenstand. Aufgrund der äußeren Form und der Beschaffenheit hielt der Finder das Objekt für eine Granate und entschloss sich, dieses eigenständig zu bergen und bei der örtlichen Feuerwehr abzugeben.
Entwarnung durch den Kampfmittelräumdienst
Nachdem der Gegenstand bei der Feuerwehr eingegangen war, wurden umgehend Experten des Kampfmittelräumdienstes hinzugezogen. Die Untersuchung vor Ort ergab, dass es sich entgegen der ersten Vermutung nicht um eine Granate handelte. Stattdessen identifizierten die Spezialisten das Fundstück als Infanteriemunition. Diese Art von Munition unterscheidet sich deutlich von schwereren Kampfmitteln wie Artilleriegeschossen; sie ist für Handfeuerwaffen wie Pistolen oder Sturmgewehre konzipiert und im direkten Gefechtseinsatz gebräuchlich.
Der Vorfall konnte glimpflich beendet werden: Die Munition wurde vom Räumdienst sicher abtransportiert. Nach Angaben der Behörden kam bei dem Vorfall niemand zu Schaden.
Dringende Warnung der Polizei vor Eigeninitiative
Der Vorfall in Lampertheim nahm die Polizei zum Anlass, eindringlich vor dem eigenmächtigen Umgang mit verdächtigen Fundstücken aus dem Flussbett zu warnen. Auch wenn Kampfmittel über Jahrzehnte im Wasser gelegen haben und äußerlich verwittert wirken, können sie nach wie vor eine erhebliche Gefahr darstellen. Die chemischen Zünder und der Sprengstoff im Inneren sind oft weiterhin hochgradig instabil.
Die offizielle Empfehlung der Polizei lautet daher:
* **Nicht berühren:** Verdächtige Gegenstände sollten unter keinen Umständen angefasst oder gar bewegt werden.
* **Abstand halten:** Sichern Sie die Fundstelle weiträumig ab, um andere Personen zu warnen.
* **Notruf wählen:** Kontaktieren Sie umgehend die Polizei über den Notruf, damit Fachkräfte des Kampfmittelräumdienstes die Bergung übernehmen können.
Auswirkungen des Niedrigwassers auf die Schifffahrt
Das aktuelle Niedrigwasser des Rheins hat nicht nur Auswirkungen auf die Entdeckung historischer Relikte, sondern beeinträchtigt auch die Binnenschifffahrt erheblich. Am Pegel Kaub, einem zentralen Punkt für die Logistik auf dem Rhein, wurden am Freitagmorgen Wasserstände von 25 Zentimetern gemessen. Damit wurde das bisherige Rekordtief aus dem Jahr 2018 erreicht.
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) betont zwar, dass der Schiffsverkehr in der Fahrrinne bei einer Tiefe von 137 Zentimetern weiterhin möglich bleibt. Dennoch müssen Binnenschiffer deutliche Einschränkungen hinnehmen. Laut der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz ist der Betrieb nur mit einer reduzierten Frachtmenge durchführbar, um ein Auflaufen der Schiffe zu verhindern. Experten des WSA wiesen zudem darauf hin, dass ein derart niedriger Wasserstand für den aktuellen Zeitpunkt im Jahr ungewöhnlich sei; solche Pegelstände werden üblicherweise erst im Spätsommer oder Herbst erwartet.