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Leo Express von Frankfurt nach Prag: Wir testen den Billig-Zug
Regional · 10.08.2026 14:47

Leo Express von Frankfurt nach Prag: Wir testen den Billig-Zug

Kurz: Eine Reporterin testet die Bahnverbindung des tschechischen Anbieters Leo Express von Frankfurt nach Prag. Lohnt sich die zehnstündige Fahrt im Billig-Zug?

Was geschehen ist – die Kernmeldung

An einem heißen Sommertag im August 2026 begab sich eine Reporterin des Hessischen Rundfunks auf eine Reise der besonderen Art: Mit dem sogenannten Leo Express, einem tschechischen Bahnunternehmen, startete sie am Frankfurter Südbahnhof zu einer Direktverbindung in die tschechische Hauptstadt Prag. Die Fahrt, die als kostengünstige Alternative zum regulären Fernverkehr beworben wird, versprach eine Reisezeit von etwa zehn Stunden. Bei Außentemperaturen von rund 35 Grad Celsius trat das Team die Fahrt an, um die Alltagstauglichkeit, den Komfort und die Zuverlässigkeit dieses Angebots unter realen Bedingungen zu prüfen. Der Zug, ein optisch eher unscheinbares graues Modell mit orangefarbenen Türen, bot dabei sowohl klassische Sitzplätze als auch Schlafabteile an. Die Reise führte über diverse Zwischenhalte durch Thüringen und Sachsen bis hin zum Zielbahnhof in Prag, wobei die Pünktlichkeit und das Preis-Leistungs-Verhältnis im Zentrum des Tests standen. Trotz der langen Reisedauer und der Verwendung älterer Waggons erreichte der Zug sein Ziel pünktlich in der Nacht, was die Kernfrage aufwarf, ob sich das Sparen bei der Reisezeit für Reisende tatsächlich lohnt.

Die Einzelheiten der Reise

Der Testlauf begann am 10. August 2026 kurz vor 15 Uhr am Gleis 9 des Frankfurter Südbahnhofs. Die Reporterin Marie Isabelle Vogler und ihr Kameramann bezogen ein reserviertes Schlafabteil in Wagen eins. Die Kosten für die Reise variieren stark: Während Frühbucher für einen normalen Sitzplatz bereits ab zehn Euro reisen können, liegt der Preis am Reisetag meist bei 18 Euro. Für ein Schlafabteil zahlten die Tester 37 Euro, wobei spontane Reisende für diese Kategorie zwischen 50 und 70 Euro einplanen müssen. Die Strecke umfasst insgesamt 18 Bahnhöfe, darunter wichtige Knotenpunkte wie Frankfurt Flughafen, Offenbach Hauptbahnhof, Hanau Hauptbahnhof und Fulda. Weitere Zwischenstopps wie Apolda, Bad Schandau und Kralupy nad Vltavou verlängerten die Reisezeit auf insgesamt zehn Stunden. An Bord fanden die Reisenden ein Willkommenspaket vor. Die Ausstattung der alten Waggons, die ursprünglich von der Deutschen Bahn stammten, umfasste Leselampen und Matratzen, jedoch zeigte sich eine Knappheit bei den Steckdosen – für ein Vier-Personen-Abteil standen lediglich zwei zur Verfügung. Das WLAN funktionierte nur teilweise, und ein Bordbistro fehlte im Zug komplett.

Hintergrund zur Verbindung

Die Verbindung des Leo Express ist Teil eines wachsenden Marktes für grenzüberschreitende Bahnreisen, die gezielt auf preisbewusste Reisende abzielen. Der eingesetzte Zug besteht aus älteren Modellen, die früher bei der Deutschen Bahn im Einsatz waren, was sich sowohl in der Optik als auch in der Haptik der schweren Türen und Fenster widerspiegelt. Die Strecke ist jedoch nicht nur für Reisende zwischen Frankfurt und Prag von Bedeutung. Der Leo Express setzt seine Fahrt nach dem Halt in Prag noch weiter durch Tschechien bis nach Polen fort, wobei die Endstation Przemyśl direkt an der ukrainischen Grenze liegt. Dies macht den Zug für viele Passagiere zu einer Art rollendem Hotel, insbesondere für Familien mit Kindern, die weite Strecken zurücklegen. Die Wahl der Strecke durch Thüringen und Sachsen führt dazu, dass der Zug auf den Schienen der Deutschen Bahn operiert. Da die Züge der DB dort Vorrang genießen, muss der Leo Express häufig längere Wartezeiten an den Bahnhöfen in Kauf nehmen, was die vergleichsweise lange Reisezeit von zehn Stunden maßgeblich mitverursacht.

Die Beteiligten und das Publikum

An der Reise beteiligt waren die Reporterin Marie Isabelle Vogler sowie ihr Kamerakollege, die im Rahmen der Sendung „maintower“ über ihre Erfahrungen berichteten. Die Passagiere an Bord stellten eine bunte Mischung dar. Während einige Reisende lediglich kurze Teilstrecken innerhalb Deutschlands nutzten, etwa zwischen Gotha und Erfurt, gab es eine große Gruppe junger Leute, die den Zug für einen Städtetrip nach Prag wählten. Im Schlafwagen hingegen dominierten Familien mit Kindern, die aufgrund der langen Fahrtzeit auf die Schlafmöglichkeiten angewiesen waren. Das Bahnunternehmen Leo Express aus Tschechien agiert hier als Anbieter, der durch den Einsatz gebrauchter Waggons und eine schlanke Service-Struktur günstige Preise ermöglicht. Die Deutsche Bahn fungiert als Infrastrukturbetreiber auf dem deutschen Streckenabschnitt, was die Priorisierung der eigenen Züge und damit die Verspätungsanfälligkeit des Leo Express erklärt. Diese Konstellation verdeutlicht das Zusammenspiel zwischen privaten Anbietern und der staatlichen Infrastruktur auf dem europäischen Schienennetz.

Einordnung der Erfahrungen

Den Berichten zufolge ist die Reise mit dem Leo Express als „Bummelei“ einzustufen, die vor allem durch die zahlreichen Stopps und die Vorrangregelung der Deutschen Bahn geprägt ist. Einzuordnen ist das Angebot als eine preiswerte, aber weniger komfortable Alternative zu modernen Hochgeschwindigkeitszügen. Die Tester bewerteten das Erlebnis insgesamt positiv, betonten jedoch, dass man für den günstigen Preis Abstriche machen müsse. Der Verzicht auf ein Bordbistro und die schwerfällige Technik der alten Waggons erfordern eine gewisse Leidensfähigkeit. Dennoch bietet das Angebot eine echte Direktverbindung, die im Vergleich zu anderen internationalen Verbindungen – etwa dem EuroCity-Express nach Mailand, der in acht Stunden ohne Umstieg ans Ziel führt – eine kosteneffiziente Nische besetzt. Die Sauberkeit der Betten und die Pünktlichkeit bei der Ankunft in Prag wurden als Pluspunkte hervorgehoben. Die Reise zeigt, dass das Bahnreisen in Europa zwar vielfältiger geworden ist, die Qualität und Geschwindigkeit jedoch stark vom eingesetzten Rollmaterial und der Streckenpriorisierung abhängen.

Offene Fragen und Lücken

Der Quelltext lässt einige Fragen zur langfristigen Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit des Angebots offen. So wird nicht erläutert, wie das Unternehmen Leo Express mit den Wartungskosten der alten Waggons umgeht, um den Sicherheitsstandard langfristig zu gewährleisten. Auch bleibt unklar, wie häufig es tatsächlich zu Verspätungen kommt, die über die planmäßigen zehn Stunden hinausgehen, da der Test nur eine einzelne Fahrt begleitete. Zudem wird nicht detailliert auf die Buchungsbedingungen bei kurzfristigen Änderungen oder Ausfällen eingegangen. Die Frage, ob das WLAN-Angebot auf der gesamten Strecke instabil ist oder nur in bestimmten Abschnitten, wird lediglich angedeutet, aber nicht technisch spezifiziert. Auch bleibt offen, wie das Unternehmen die hohen Temperaturen in den Waggons an Tagen mit extremer Hitze handhabt, da die Klimatisierung im Testbericht nur indirekt durch die angenehme Temperatur im Schlafabteil thematisiert wurde, während der Rest des Zuges bei 35 Grad Außentemperatur keine explizite Erwähnung hinsichtlich einer funktionierenden Klimaanlage fand. Die langfristige Strategie des Anbieters für den deutschen Markt bleibt ebenfalls vage.

Wie es weitergeht

Die Verbindung zwischen Frankfurt und Prag bleibt ein fester Bestandteil des Angebots, wobei Reisende weiterhin auf die bestehenden Fahrpläne angewiesen sind. Da der Leo Express seine Strecke bis nach Polen fortsetzt, bleibt die Verbindung für den grenzüberschreitenden Reiseverkehr relevant. Es sind keine spezifischen Änderungen an den Fahrplänen oder dem Rollmaterial im Quelltext angekündigt. Reisende müssen sich weiterhin darauf einstellen, dass die Priorisierung auf den Schienen der Deutschen Bahn ein fester Faktor bleibt, der die Reisezeit maßgeblich beeinflusst. Wer eine Reise plant, sollte die Buchung frühzeitig vornehmen, um von den günstigen Preisen ab zehn Euro zu profitieren, da die Preise für Schlafabteile kurzfristig deutlich ansteigen können. Die Verbindung bleibt somit eine Option für Reisende, die Zeit gegen Geld tauschen möchten und eine unkomplizierte, wenn auch langsame Reise bevorzugen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/skyline-von-frankfurt-am-main-deutschland-31640270/ · Foto: Jose Joseph
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-direkt-bahnverbindung-frankfurt-prag-wir-testen-den-leo-express-100.html