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Lars Eidinger: Er fotografiert, was andere übersehen
Kultur · 14.10.2026 20:24

Lars Eidinger: Er fotografiert, was andere übersehen

Kurz: Lars Eidinger präsentiert in der Kunsthalle Tübingen seine fotografische Arbeit. Die Ausstellung 'Present Perfect' vereint 200 Aufnahmen mit Werken der Moderne.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Der bekannte deutsche Schauspieler Lars Eidinger, der 1976 in Berlin-Steglitz geboren wurde, hat in der Kunsthalle Tübingen eine umfangreiche Werkschau seiner fotografischen Arbeiten eröffnet. Unter dem Titel „Present Perfect“ präsentiert der Mime, der aktuell sowohl auf der Theaterbühne als auch in internationalen Filmproduktionen große Erfolge feiert, insgesamt 200 Fotografien. Die Ausstellung ist dabei nicht als reine Soloschau konzipiert, sondern als ein kuratierter Dialog mit der Sammlung der Kunsthalle. Die Direktorin Nicole Fritz hat Eidingers Aufnahmen in einen direkten Austausch mit bedeutenden Werken der Kunstgeschichte gestellt. Zu den Künstlern, deren Arbeiten in der Ausstellung mit Eidingers Fotografien kontrastiert werden, gehören unter anderem Alberto Giacometti, Richard Hamilton, Yves Klein und Claes Oldenburg. Der Eröffnungsabend stieß auf ein außerordentliches Publikumsinteresse und war bis auf den letzten Platz gefüllt, was nicht zuletzt der hohen Prominenz und der charismatischen Ausstrahlung des Künstlers geschuldet war. Die Schau umfasst neben den 200 Fotografien auch ein Video und zeigt Eidinger als einen Beobachter, der das Nicht-Alltägliche im Alltäglichen sucht.

Die Einzelheiten der Ausstellung

Die Ausstellung „Present Perfect“ bietet einen tiefen Einblick in Eidingers visuelle Soziologie, die er selbst als eine Art „Mnemosyne-Atlas“ beschreibt. Die Auswahl der Werke ist breit gefächert und reicht von frühen Arbeiten bis hin zu aktuellen Aufnahmen. Ein besonders markantes Beispiel für Eidingers Blick ist das Foto „Paris, 2021“, das eine Szene im Louvre vor Veroneses „Abendmahl“ zeigt. Hier fängt er die Dynamik und die Widersprüche der Pandemiezeit ein, indem er maskentragende Besucher porträtiert, deren Schutzmaßnahmen durch das Tragen der Maske unter der Nase konterkariert werden. Ein weiteres zentrales Motiv der Schau ist die Serie der „Doppelgänger“. Hier zeigt Eidinger Menschen, die sich in ihrem Habitus, ihrer Kleidung oder ihrer Körperhaltung auf verblüffende Weise ähneln, ohne miteinander verwandt zu sein. Ein Beispiel ist ein Foto von zwei Männern in schwarzen Anzügen, die in einer U-Bahn oder einem öffentlichen Raum auf ihre Handys starren, während im Hintergrund eine Werbefläche mit Robert De Niro und Al Pacino zu sehen ist. Weitere geografische Stationen, die in den Titeln der Werke auftauchen, sind unter anderem Tokio, Kyoto, New York, Shanghai, St. Petersburg (2014) sowie Diensdorf-Radlow (2025).

Hintergrund und Entstehung

Lars Eidinger fotografiert bereits seit über 30 Jahren. Sein frühestes ausgestelltes Werk zeigt ein Meerschweinchen in einer Klorolle, welches er selbst als ein frühes Selbstporträt bezeichnet. Seine fotografische Praxis hat sich über Jahrzehnte entwickelt und ist eng mit seiner schauspielerischen Arbeit verknüpft. Eidinger nutzt für seine Aufnahmen heute vorwiegend sein Smartphone, was ihm eine hohe Flexibilität und Unauffälligkeit ermöglicht. Bei seinen internationalen Reisen, etwa nach Japan oder in die USA, wird er oft nicht als der bekannte Schauspieler erkannt, was ihm erlaubt, ungehemmt und spontan Momente festzuhalten. Die Idee, diese Aufnahmen in einem musealen Kontext zu zeigen, wurde durch die Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Tübingen und deren Direktorin Nicole Fritz realisiert. Die kuratorische Entscheidung, seine Fotos nicht isoliert, sondern im Dialog mit klassischen Werken der Moderne zu präsentieren, unterstreicht den Anspruch, seine Bilder als ernsthafte Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Wirklichkeit zu begreifen. Es geht dabei um die Suche nach dem, was den Menschen ausmacht, seine Rituale und seine existenziellen Bedürfnisse.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht Lars Eidinger, der sowohl als Fotograf als auch als Schauspieler agiert. Er wird in der Ausstellung als ein Akteur wahrgenommen, der die Welt mit einem geschärften, fast manischen Blick betrachtet. Nicole Fritz, die Direktorin der Kunsthalle Tübingen, fungiert als Kuratorin der Ausstellung. Sie ist verantwortlich für die Zusammenstellung der Werke und die inhaltliche Verknüpfung von Eidingers Fotografien mit den Stücken aus der Sammlung der Kunsthalle. Zu den weiteren im Text genannten Künstlern, deren Werke als Referenzpunkte dienen, gehören neben den bereits erwähnten Giacometti, Hamilton, Klein und Oldenburg auch der Zeichner Georg Friedrich Zundel, der Bildhauer George Segal sowie Erwin Wurm. Auch der Dramatiker Bertolt Brecht wird zitiert, dessen Satz „Ändere die Welt, sie braucht es!“ als ein Leitmotiv für das künstlerische Selbstverständnis in der Ausstellung dient. Die Besucher der Kunsthalle, die am Eröffnungsabend zahlreich erschienen, bildeten das unmittelbare Publikum, dessen Reaktion die Wirkung der ausgestellten Werke unterstrich.

Einordnung der fotografischen Arbeit

Einzuordnen ist Eidingers Fotografie als eine Form der visuellen Soziologie. Die Kritiken heben hervor, dass seine Bilder weit über humorige Schnappschüsse hinausgehen. Eidinger gelingt es, durch seine Ausschnittwahl und den richtigen Moment eine neue Perspektive auf die Wirklichkeit zu eröffnen. Die Ausstellung „Present Perfect“ wird als ein Versuch gewertet, den Blick der Betrachter auf das zu lenken, was im Alltag meist übersehen wird. Besonders die Verbindung zum japanischen Konzept des „Ma“ – der bewussten Pause – wird als zentral für sein Verständnis von Fotografie und Schauspiel genannt. Den Berichten zufolge wirkt Eidingers Ansatz, Menschen in anonymen Situationen als „Rückenfiguren“ oder im Viertelporträt festzuhalten, nicht ausbeuterisch, sondern verleiht den Porträtierten eine eigene Würde. Die Einbindung von Readymades, wie etwa Rolltreppen im KaDeWe, die er als kinetische Skulpturen betrachtet, zeigt zudem eine Nähe zu den Konzepten von Marcel Duchamp. Die Ausstellung schafft es, durch diese Kontrastierungen Funken zu schlagen und den Betrachter zur Reflexion über die eigene Wahrnehmung anzuregen.

Offene Fragen und Lücken im Quelltext

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für das vollständige Verständnis der Ausstellung von Interesse sein könnten. So wird nicht explizit erläutert, nach welchen Kriterien die Auswahl der 200 Werke aus dem vermutlich deutlich größeren Fundus von Eidingers Aufnahmen getroffen wurde. Auch die genauen zeitlichen Abläufe der Zusammenarbeit zwischen der Kunsthalle Tübingen und dem Künstler werden nicht im Detail dargelegt. Zudem bleibt offen, wie die beteiligten Künstler oder deren Nachlassverwalter auf die direkte Gegenüberstellung mit den zeitgenössischen Handyfotos reagieren würden, da hierzu keine Zitate vorliegen. Auch die Frage, ob Eidinger plant, die Ausstellung an anderen Orten zu zeigen oder ob es einen begleitenden Katalog gibt, der die theoretische Fundierung der Schau weiter vertieft, wird im Text nicht beantwortet. Der Text konzentriert sich primär auf die ästhetische und inhaltliche Beschreibung der Exponate und die Einordnung in Eidingers Gesamtwerk, lässt jedoch organisatorische oder weiterführende Aspekte der Ausstellungsproduktion aus.

Wie es weitergeht

Konkrete Termine für das Ende der Ausstellung oder weiterführende Veranstaltungen im Rahmen der Schau werden im vorliegenden Quelltext nicht genannt. Es wird jedoch deutlich, dass die Ausstellung „Present Perfect“ als ein bedeutendes Ereignis in der Kunsthalle Tübingen positioniert ist. Da die Schau eine Vielzahl von Werken umfasst und Eidingers fotografisches Schaffen über drei Jahrzehnte hinweg dokumentiert, ist davon auszugehen, dass sie einen längeren Zeitraum für das Publikum zugänglich bleibt. Die Ausstellung dient als Plattform für eine fortlaufende Auseinandersetzung mit Eidingers künstlerischem Blick. Weitere Entscheidungen über eine mögliche Wanderausstellung oder eine Erweiterung der Exponate sind dem Text nicht zu entnehmen. Die Präsenz von Eidinger, der aktuell in Berlin als Mime in Molières „Der Geizige“ brilliert und in verschiedenen Filmprojekten involviert ist, lässt darauf schließen, dass die Ausstellung auch von seinem gegenwärtigen Status als einer der profiliertesten deutschen Schauspieler profitiert, was die Aufmerksamkeit für seine fotografische Arbeit nachhaltig festigen dürfte.

Die Rolle des Schauspielers als Fotograf

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Fotografie für Eidinger kein bloßer Zeitvertreib oder ein „Nebenjob“ ist, sondern eine notwendige Ergänzung zu seiner schauspielerischen Tätigkeit. Die Fähigkeit, in Rollen zu schlüpfen – sei es als Hamlet, Richard III. oder in anderen Charakterstudien –, schult sein Auge für die Details des menschlichen Verhaltens. Eidinger selbst betont, dass seine Aufnahmen im Grunde Selbstbildnisse seien, da sie viel über den Menschen an sich aussagen, der täglich in unterschiedlichste Rollen schlüpft. Seine Bilder suchen nach den existenziellen Bedürfnissen, Emotionen und Ritualen des Gegenwartsmenschen. In der Ausstellung wird diese Verbindung durch die Gegenüberstellung mit den Werken der Klassiker der Moderne gestärkt. Eidingers „Theaterblick“ verhindert dabei vorschnelle Urteile und ermöglicht eine tiefere Empathie für die abgelichteten Personen, selbst wenn es sich um Obdachlose in Parks oder anonyme Passanten handelt. Die Ausstellung ist somit ein Zeugnis für die Vielseitigkeit eines Künstlers, der die Grenzen zwischen den Disziplinen Theater, Film und Fotografie fließend gestaltet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kunstlerische-wandcollage-in-der-londoner-ausstellungshalle-31691143/ · Foto: Richard Harris
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/ausstellung/lars-eidinger-zeigt-in-der-tuebinger-kunsthalle-200-aufnahmen-201311219.html