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Kriegsverbrecher - Gestorbener Ex-General Mladic soll in Serbien offenbar Staatsbegräbnis bekommen
Schlagzeilen · 28.08.2026 12:53

Kriegsverbrecher - Gestorbener Ex-General Mladic soll in Serbien offenbar Staatsbegräbnis bekommen

Kurz: Der verstorbene Kriegsverbrecher Ratko Mladic soll in Serbien ein Staatsbegräbnis erhalten. Die Regierung verweist auf militärische Protokolle für Generäle.

Die Nachricht vom Tod des ehemaligen Generals

Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic ist verstorben. Wie am 28. August 2026 bekannt wurde, verstarb der 84-Jährige in einem Gefängniskrankenhaus in Den Haag. Mladic, der international als Kriegsverbrecher eingestuft wurde, war eine der zentralen Figuren der kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Balkan in den 1990er Jahren. Unmittelbar nach Bekanntwerden seines Todes zeichnete sich in Serbien ab, dass die dortige Regierung für den Verstorbenen ein Staatsbegräbnis plant. Diese Entscheidung ist politisch hochsensibel, da sie die offizielle Würdigung eines Mannes bedeutet, der für schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde. Die Ankündigung löste bereits kurz nach der Nachricht über sein Ableben Reaktionen aus, die das tiefe gespaltene Verhältnis zu seiner Person und seinem Wirken widerspiegeln. Während in Den Haag der juristische Prozess mit seinem Tod endete, beginnt in seiner Heimat eine Debatte über die angemessene Form der Bestattung, die nun offenbar den Status eines staatlichen Aktes erhalten soll.

Details zum Werdegang und den Hintergründen

Ratko Mladic wurde vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien im Jahr 2017 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Anklagepunkte wogen schwer: Er wurde für Völkermord und weitere Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht, die während des Bosnien-Krieges begangen wurden. Ein zentraler Punkt der Verurteilung war das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995. Damals ermordeten Einheiten der bosnisch-serbischen Armee unter seinem Kommando mehr als 8.000 muslimische Bosniaken. Die juristische Aufarbeitung dieser Gräueltaten durch das Tribunal in Den Haag dauerte Jahre und endete erst mit dem rechtskräftigen Urteil. Der serbische Justizminister Vujic äußerte sich gegenüber dem Fernsehsender ATV zu den Plänen für die Beisetzung. Er betonte, die Regierung respektiere, was Mladic zustehe. Er argumentierte dabei mit dessen ehemaligem Rang als General und verwies darauf, dass das entsprechende Protokoll für eine solche Bestattung bekannt sei. Diese Aussage unterstreicht, dass die serbische Regierung den militärischen Status des Verstorbenen über die strafrechtliche Verurteilung stellt.

Die Rolle der Beteiligten und die öffentliche Wahrnehmung

Die Person Ratko Mladic spaltet die Gesellschaft in der Region bis heute massiv. Während er international als Symbol für den Völkermord in Bosnien gilt, wird er in Teilen der Bevölkerung Serbiens sowie in der Republika Srpska in Bosnien-Herzegowina von vielen Menschen als Kriegsheld verehrt. Diese Verehrung zeigte sich unmittelbar nach der Nachricht von seinem Tod: Hunderte bosnische Serben gingen auf die Straße, um den Namen des Ex-Generals zu skandieren und ihre Verbundenheit zu demonstrieren. Auf der anderen Seite steht die offizielle Haltung der serbischen Regierung unter Justizminister Vujic, die durch die geplante Form des Begräbnisses eine klare Linie verfolgt. Die Institutionen, die für die Durchführung des Staatsbegräbnisses zuständig sind, stützen sich dabei auf die militärische Tradition, die Mladic in seiner aktiven Zeit als Armeechef innehatte. Die Diskrepanz zwischen der internationalen juristischen Bewertung und der lokalen, teils heroisierten Wahrnehmung bleibt ein zentrales Spannungsfeld, das durch die aktuelle Entscheidung für ein Staatsbegräbnis weiter verschärft wird.

Einordnung der politischen Entscheidung

Einzuordnen ist die Entscheidung für ein Staatsbegräbnis als ein Akt, der die offizielle serbische Haltung zur eigenen Kriegsvergangenheit unterstreicht. Den Berichten zufolge orientiert sich die Regierung primär am militärischen Protokoll, das einem General zusteht. Diese Entscheidung ignoriert dabei die internationale Signalwirkung, die von einer staatlichen Ehrung eines verurteilten Völkermörders ausgeht. Dass die Regierung explizit auf den Status als General verweist, deutet darauf hin, dass man sich bewusst von der juristischen Bewertung durch den Internationalen Strafgerichtshof distanziert oder diese zumindest für die zeremonielle Behandlung des Leichnams als nachrangig betrachtet. Die öffentliche Verehrung durch Teile der Bevölkerung bietet dabei den gesellschaftlichen Nährboden für ein solches Vorgehen. Es ist ein politisches Signal, das die nationale Identität und die militärische Tradition in den Vordergrund rückt, während die Opfer des Bosnien-Krieges und ihre Angehörigen durch diesen Schritt erneut mit dem Schmerz über die Verbrechen konfrontiert werden.

Offene Fragen und der weitere Verlauf

Der vorliegende Quelltext lässt eine Reihe von Fragen offen, die für die weitere Entwicklung von Bedeutung sein könnten. So bleibt unklar, wann genau die Beisetzung stattfinden soll und ob es weitere offizielle Zeremonien geben wird, die über das Protokoll hinausgehen. Ebenso wird nicht beantwortet, wie die internationale Gemeinschaft, insbesondere die Europäische Union oder die Nachbarstaaten, auf die Ankündigung des Staatsbegräbnisses reagieren werden. Auch bleibt offen, ob es innerhalb Serbiens politischen Widerstand gegen diese Form der Ehrung gibt, der über die bloße Berichterstattung hinausgeht. Die logistischen Details der Überführung des Leichnams aus Den Haag nach Serbien sind ebenfalls nicht im Detail geklärt. Es bleibt abzuwarten, ob die serbische Regierung an ihrem Plan festhält, trotz der zu erwartenden diplomatischen Spannungen, die eine solche Inszenierung mit sich bringen kann. Die kommenden Tage werden zeigen, wie die Umsetzung des Protokolls in der Praxis aussieht und ob der öffentliche Druck oder internationale Reaktionen noch Einfluss auf die Gestaltung der Trauerfeierlichkeiten nehmen werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/ruinierte-gebaude-in-damaskus-syrien-36798316/ · Foto: Baraa Obied
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/gestorbener-ex-general-mladic-soll-in-serbien-offenbar-staatsbegraebnis-bekommen-100.html