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Kommerzielle Raumfahrt: Russlands Recycling-Rakete kommt nicht vor 2030
Politik · 23.07.2026 14:39

Kommerzielle Raumfahrt: Russlands Recycling-Rakete kommt nicht vor 2030

Kurz: Russlands ambitioniertes Projekt einer wiederverwendbaren Rakete verzögert sich deutlich. Experten rechnen erst ab 2030 mit ersten Tests der Amur-Rakete.

Ambitionen im Wandel der Zeit

Im Jahr 2020 kündigte Russland ein Projekt an, das die heimische Raumfahrt revolutionieren sollte: Die Entwicklung einer wiederverwendbaren Raketenstufe, die unter dem Namen „Amur“ (auch als Sojus-7 bekannt) geführt wird. Das Ziel war klar definiert – man wollte dem US-Unternehmen SpaceX und dessen Pionierarbeit bei der Landung von Raketenstufen Konkurrenz machen. Doch die ursprüngliche Zeitplanung, die einen Erstflug für das Jahr 2026 vorsah, ist nicht mehr haltbar.

Der internationale Druck steigt

Die Notwendigkeit für wiederverwendbare Systeme in der Raumfahrt ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Während SpaceX durch die Wiederverwendung der Falcon 9 die Kosten und Intervalle für Starts signifikant senken konnte, ziehen andere Akteure nach. Sowohl China als auch Japan haben bereits erfolgreiche Landemanöver demonstriert. Auch private Akteure wie Blue Origin oder Honda konnten ihre technologische Reife in diesem Bereich unter Beweis stellen. Selbst die Europäische Weltraumorganisation (ESA) arbeitet mit dem Demonstrator „Themis“ an einer eigenen Lösung, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Technische Ziele und wirtschaftliche Erwartungen

Das Konzept für die Amur-Rakete sah vor, eine Nutzlast von zehn Tonnen in den niedrigen Erdorbit (LEO) zu befördern. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Wirtschaftlichkeit: Mit kalkulierten Startkosten von etwa 22 Millionen US-Dollar sollte das russische Modell deutlich günstiger operieren als die etablierte Konkurrenz. Zum Vergleich: Ein Start der SpaceX Falcon 9 wird auf etwa 70 Millionen Dollar geschätzt, während die europäische Ariane 6 bei über 100 Millionen Dollar liegt.

Aktueller Entwicklungsstand und Verzögerungen

Die Realität der Entwicklung sieht derzeit jedoch anders aus. Dmitri Alexandrowich Baranow, Raketenentwickler bei der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, räumte in einem Interview mit dem Sender RBK ein, dass die Arbeiten am Demonstrator für die Amur-Technologie noch in einem frühen Stadium stecken. Ein erster Testflug in einer Höhe von einem Kilometer wird für das Jahr 2028 in Aussicht gestellt.

Wie es danach weitergeht, bleibt vage. Zwar sollen später Flüge in Höhen von zehn Kilometern folgen, doch konkrete Zeitrahmen fehlen. Im Vergleich dazu plant die ESA bei ihrem Projekt Themis deutlich ambitioniertere Testflüge, die bis in eine Höhe von 100 Kilometern reichen sollen. Ein belastbares Datum für den ersten vollständigen Flug inklusive Landung eines Prototyps in Originalgröße konnte Roskosmos bisher nicht nennen.

Ausblick auf das nächste Jahrzehnt

Berichten von Arstechnica zufolge, die sich auf Aussagen von Roskosmos-Vertretern stützen, könnten erste Tests der finalen Rakete erst im Jahr 2031 stattfinden. Dass das Projekt Zeit benötigt, zeigt sich auch an der kontinuierlichen Überarbeitung des Designs. Aktuelle Entwürfe der Amur-Rakete weisen dabei eine auffällige optische Ähnlichkeit zur Falcon 9 von SpaceX auf.

Die Verzögerungen verdeutlichen die hohen Hürden bei der Entwicklung wiederverwendbarer Trägersysteme. Während die Konkurrenz bereits operative Erfahrungen sammelt, muss Russland den technologischen Rückstand erst noch durch erfolgreiche Demonstrationsflüge aufholen. Ob die ursprünglichen Kostenziele unter den neuen zeitlichen Rahmenbedingungen noch haltbar sind, bleibt abzuwarten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/industrie-technologie-kraft-macht-8968869/ · Foto: Piya Nimityongskul
Quelle: https://www.golem.de/news/kommerzielle-raumfahrt-russlands-recycling-rakete-kommt-nicht-vor-2030-2607-211208.html