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KI: Warum kollaborative Modellierung wichtiger wird als Programmieren
Technik · 20.08.2026 10:20

KI: Warum kollaborative Modellierung wichtiger wird als Programmieren

Kurz: Softwareentwicklung wandelt sich: Während KI den Code schreibt, rückt die menschliche Zusammenarbeit in den Fokus. Kollaborative Modellierung wird zum Schlüssel

Was geschehen ist – die Kernmeldung

In der modernen IT-Welt vollzieht sich ein grundlegender Wandel. Während generative künstliche Intelligenz und Large Language Models (LLMs) zunehmend die Aufgabe übernehmen, Programmcode zu generieren, verschiebt sich der Fokus der Softwareentwicklung weg vom reinen Schreiben von Code hin zu einer stärkeren Betonung menschlicher Interaktion. Eberhard Wolff, Head of Architecture bei SWAGLab, stellt die provokante These auf, dass die Fähigkeit zur kollaborativen Modellierung für Softwarearchitekten mittlerweile wertvoller ist als die reine Programmierkompetenz. Die Kernbotschaft lautet: Software ist im Kern kein technisches, sondern ein sozio-technisches Unterfangen. Da KI zwar Texte und Code erstellen, aber keine funktionierenden Teams bilden kann, bleibt die Koordination zwischen den beteiligten Menschen die zentrale Herausforderung. Der technologische Fortschritt entbindet Architekten nicht von ihrer Verantwortung für die Kommunikation, sondern macht die Beherrschung von Methoden zur gemeinsamen Modellierung zu einer essenziellen Kernkompetenz für den Projekterfolg.

Die Einzelheiten der Analyse

Eberhard Wolff, der seit über zwei Jahrzehnten als Berater und Architekt tätig ist und sich auf Themen wie Microservices, Cloud-Architekturen und Domain-driven Design spezialisiert hat, stützt seine Thesen auf Erfahrungen aus der Praxis und den Austausch in seinem Format „Software-Architektur im Stream“. Bei einer IT-Konferenz wurde die Frage nach dem wichtigsten Skill in der IT gestellt. Das Ergebnis war eindeutig: Die Mehrheit der Teilnehmer nannte „Kommunikation“ als primäre Fähigkeit. Dies ist bemerkenswert, da es sich um eine technisch ausgerichtete Veranstaltung handelte. Wolff betont, dass dies kein Zufall ist. Die tägliche Arbeit eines Architekten besteht zu einem erheblichen Teil aus Abstimmungsgesprächen mit Stakeholdern, Managern und verschiedenen technischen Rollen. Das Ziel ist es, Anforderungen in Bereichen wie Sicherheit, Performance und Betreibbarkeit zu harmonisieren. Dabei treffen häufig gegensätzliche Interessen aufeinander, die moderiert werden müssen. Technisches Verständnis bleibt zwar das Fundament, doch tiefes Expertenwissen ist weniger kritisch als die Fähigkeit zur Koordination und zur Moderation von Lernprozessen innerhalb des Teams.

Hintergrund zur Softwareentwicklung

Die Softwareentwicklung ist historisch und strukturell durch ständige Lernprozesse geprägt. Ein Softwareprojekt ist kein statisches Gebilde, sondern ein dynamischer Prozess, bei dem durch die Auseinandersetzung mit Anforderungen und der bestehenden Software ständig neue Erkenntnisse gewonnen werden. Diese neuen Gedanken führen wiederum zu weiteren Anforderungen. Dieser Kreislauf ist der Motor der Entwicklung. Wolff weist darauf hin, dass Software nicht im luftleeren Raum entsteht. Sie beeinflusst Nutzer und Entscheidungsträger gleichermaßen. Die Herausforderung besteht darin, diese verschiedenen Perspektiven zu verstehen und zu priorisieren. In der Vergangenheit wurde oft angenommen, dass technischer Fortschritt die Anzahl der benötigten Entwickler reduzieren würde. Die Realität zeigt jedoch ein anderes Bild: Trotz höherer Produktivität durch neue Werkzeuge ist die Anzahl der in der Branche beschäftigten Menschen stetig gestiegen. Dies liegt daran, dass die gewonnene Produktivität meist in die Entwicklung komplexerer Software investiert wird, anstatt die Teamgrößen zu verkleinern. Die Natur der Softwareentwicklung bleibt somit ein komplexes, menschliches Geflecht, das sich nicht allein durch technische Optimierung lösen lässt.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Die Akteure in diesem Prozess sind vielfältig. Auf der einen Seite stehen die Softwarearchitekten, die als Schnittstelle zwischen Business und Technologie fungieren. Sie müssen nicht nur die technische Vision wahren, sondern auch die sozialen Dynamiken innerhalb der Projektgruppen steuern. Auf der anderen Seite stehen die Stakeholder – Nutzer, Manager und Fachabteilungen –, deren Anforderungen oft widersprüchlich sind. Zudem gibt es die Techniker, die für Implementierung, Betrieb und Sicherheit verantwortlich sind. Wolff betont, dass diese Rollen koordiniert werden müssen, um erfolgreich zu sein. Die Rolle des Architekten wandelt sich dabei vom reinen „Technik-Guru“ hin zum Moderator und Facilitator. Institutionell wird dies in Formaten wie „Software-Architektur im Stream“ diskutiert, wo Experten wie Wolff, Tom Asel oder Daniel Sack ihr Wissen weitergeben. Diese Experten setzen sich intensiv mit der Frage auseinander, wie man Teams durch kollaborative Techniken befähigt, Architektur gemeinsam zu gestalten, anstatt sie von oben herab vorzugeben.

Einordnung der KI-Rolle

Einzuordnen ist die Rolle der Künstlichen Intelligenz in diesem Kontext als Werkzeug, nicht als Ersatz für menschliche Kooperation. Den Berichten zufolge können LLMs zwar wertvolle Impulse liefern und wie ein technisches Nachschlagewerk fungieren, doch sie scheitern an der sozialen Komponente. Eine KI kann keinen Konsens zwischen Stakeholdern herbeiführen oder ein Team zusammenschweißen. Sie kann lediglich Texte oder Code generieren. Wolff warnt davor, die Bedeutung von KI zu überschätzen, wenn es um die Strukturierung von Arbeitsprozessen geht. Während Software selbst keine Widerstände leistet und keinen eigenen Willen hat – sie folgt den Regeln der Logik –, ist die Zusammenarbeit von Menschen unvorhersehbar und komplex. Die KI kann die Produktivität bei der Implementierung steigern, aber sie löst nicht das grundlegende Problem der Architektur: das Verstehen und Abgleichen der menschlichen Anforderungen. Die Einordnung ist daher klar: KI ist ein Beschleuniger für die technische Umsetzung, aber die Architekturarbeit selbst verlagert sich stärker auf die menschliche Ebene.

Techniken der kollaborativen Modellierung

Um die Kommunikation zu verbessern, haben sich spezifische Formate etabliert, die unter dem Begriff „kollaborative Modellierung“ zusammengefasst werden. Ein prominentes Beispiel ist das „Event Storming“. Hierbei schreiben Domänen-Experten und Entwickler gemeinsam Events auf Post-its und bringen diese in eine zeitlich korrekte Reihenfolge. Durch die Identifikation von „Pivotal Events“ – also Ereignissen, die einen neuen Bereich im Ablauf markieren – entsteht ein gemeinsames Verständnis der Domäne. Ein wesentlicher Vorteil dieser Methode ist die Einbindung aller Beteiligten. Auch Personen, die in klassischen Meetings eher schweigsam sind, können sich durch das Schreiben von Post-its aktiv einbringen. Die Technik ist so gestaltet, dass sie die Zusammenarbeit angenehmer und effizienter macht. Interessanterweise ist das Ergebnis – das Artefakt, also die strukturierte Sammlung von Events – fast zweitrangig. Der eigentliche Wert liegt im Lernprozess während der Session. Selbst wenn man das Artefakt später verwerfen würde, hätte das Team durch die gemeinsame Arbeit Wissensmonopole abgebaut und die soziale Qualität der Zusammenarbeit verbessert.

Offene Fragen zur Zukunft der Architektur

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für die zukünftige Entwicklung der Branche von Bedeutung sind. Es wird zwar betont, dass kollaborative Modellierung wichtig ist, doch es bleibt unklar, wie sich diese Techniken in hochgradig verteilten, globalen Remote-Teams skalieren lassen. Während Event Storming in einem physischen Raum sehr effektiv ist, stellt sich die Frage nach der Effizienz in rein digitalen Umgebungen. Zudem bleibt offen, inwieweit Unternehmen bereit sind, ihre Unternehmenskultur so anzupassen, dass kollaborative Formate regelmäßig stattfinden können, anstatt nur punktuell als „Event“. Auch die Frage, wie sich die Ausbildung von Softwarearchitekten konkret ändern muss, um diese Soft Skills stärker zu gewichten, wird nur angerissen. Es bleibt abzuwarten, ob die Branche den Fokus tatsächlich von der technischen Ausbildung hin zu moderativen Kompetenzen verschieben wird oder ob der Druck zur schnellen Code-Produktion durch KI die alte, rein technische Sichtweise weiter befeuert.

Wie es weitergeht

Die Entwicklung hin zu kollaborativen Ansätzen ist ein laufender Prozess. Interessierte Architekten haben die Möglichkeit, sich in speziellen Trainings, wie sie beispielsweise von Eberhard Wolff, Tom Asel oder Daniel Sack angeboten werden, praxisnah weiterzubilden. Diese Schulungen zielen darauf ab, kollaborative Modellierungssessions nicht nur zu verstehen, sondern auch erfolgreich vorzubereiten und durchzuführen. Die Branche wird sich in den kommenden Monaten und Jahren verstärkt mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie sie den Spagat zwischen KI-gestützter Produktivität und der Notwendigkeit menschlicher Abstimmung meistert. Für Architekten bedeutet dies, dass sie ihre Rolle aktiv neu definieren müssen. Die angekündigten Inhalte im Bereich „Software-Architektur im Stream“ deuten darauf hin, dass die Auseinandersetzung mit diesen Themen an Bedeutung gewinnen wird. Es ist davon auszugehen, dass die Fähigkeit, komplexe Domänen durch kollaborative Methoden zu strukturieren, zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Architekten und die von ihnen betreuten Projekte werden wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/hand-am-tisch-tastatur-laptop-elektronisches-gerat-5904088/ · Foto: https://kaboompics.com/
Quelle: https://www.heise.de/blog/KI-Warum-kollaborative-Modellierung-wichtiger-wird-als-Programmieren-11380951.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag