News aus aller Welt
Start
KI: Autonomes Fahren – Mercedes baut Kooperation mit Nvidia aus
Technik · 19.10.2026 16:21

KI: Autonomes Fahren – Mercedes baut Kooperation mit Nvidia aus

Kurz: Mercedes-Benz vertieft die strategische Partnerschaft mit Nvidia, um die Entwicklung autonomer Fahrfunktionen und digitaler Produktionsprozesse zu beschleunigen

Ein strategischer Ausbau der technologischen Zusammenarbeit

Mercedes-Benz und der US-amerikanische Chip-Gigant Nvidia intensivieren ihre bereits seit dem Jahr 2020 bestehende strategische Partnerschaft im Bereich des automatisierten Fahrens. Wie der Stuttgarter Automobilhersteller bekannt gab, soll die Kooperation nicht nur die technologische Innovationskraft bei künftigen Fahrzeuggenerationen stärken, sondern auch die internen Entwicklungsprozesse durch den Einsatz modernster KI-Plattformen signifikant beschleunigen. Ziel dieser Allianz ist es, komplexe Fahrfunktionen schneller zur Marktreife zu bringen, ohne dabei die hohen Sicherheitsstandards zu vernachlässigen, für die die Marke Mercedes-Benz weltweit bekannt ist. Die Zusammenarbeit erstreckt sich dabei über das gesamte Spektrum der Fahrzeugentwicklung, von der ersten Simulation bis hin zur digitalen Steuerung der Produktionsanlagen im System MO360.

Konkrete Schritte für die kommenden Monate und Jahre

Für die nahe Zukunft haben die Partner einen klaren Zeitplan für neue Assistenzsysteme definiert. Noch im vierten Quartal des Jahres 2026 soll das System „Handsfree Assist“ eingeführt werden. Diese Funktion erlaubt es dem Fahrer, die Hände vom Lenkrad zu nehmen, wobei die Überwachung des Verkehrsgeschehens weiterhin in seiner Verantwortung liegt. Anfang 2027 folgt mit dem „Drive Assist Pro“ eine weitere Stufe der Automatisierung. Dieses System soll in der Lage sein, Fahrten von Punkt zu Punkt – etwa den täglichen Arbeitsweg – eigenständig zu übernehmen. Eine Besonderheit ist hierbei die Anpassungsfähigkeit des Systems an den individuellen Fahrstil des Nutzers. Jörg Burzer, Entwicklungsvorstand bei Mercedes-Benz, und Ali Kani, Manager bei Nvidia, betonen, dass diese technologischen Fortschritte die Basis für die nächsten Schritte in der automobilen Evolution bilden.

Der Weg zum hochautomatisierten Fahren

Ein zentrales, wenn auch zeitlich noch nicht exakt fixiertes Ziel der Kooperation ist die Einführung des sogenannten Level-3-Systems. Der geplante „Drive Pilot“ soll es dem Fahrzeug ermöglichen, bei Geschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde und unter nahezu allen Wetterbedingungen die volle Kontrolle zu übernehmen. Sobald dieses System aktiv ist, könnte sich der Fahrer während der Fahrt anderen Tätigkeiten widmen, beispielsweise dem Bearbeiten von E-Mails oder der Nutzung von Unterhaltungsangeboten. Auch an Systemen des Levels 4, bei denen Fahrzeuge in definierten Gebieten vollständig ohne menschliches Eingreifen agieren können, wird derzeit intensiv geforscht. Nvidia signalisierte zudem ein starkes Interesse daran, seine Expertise in die Entwicklung zukünftiger Robotaxi-Flotten einzubringen, wenngleich für diese hochkomplexen Anwendungen derzeit noch kein konkreter Zeitplan existiert.

Die Akteure hinter der digitalen Transformation

Die treibenden Kräfte hinter dieser strategischen Neuausrichtung sind aufseiten von Mercedes-Benz Entwicklungsvorstand Jörg Burzer sowie aufseiten von Nvidia der Manager Ali Kani. Beide Führungskräfte fungieren als Sprachrohr für die gemeinsame Vision, die Automobilbranche durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz grundlegend zu verändern. Während Mercedes-Benz seine jahrzehntelange Erfahrung im Fahrzeugbau und seine Produktionskapazitäten einbringt, liefert Nvidia die notwendige Rechenleistung und die KI-Architektur, um die enormen Datenmengen, die beim autonomen Fahren anfallen, in Echtzeit zu verarbeiten. Die Zusammenarbeit beschränkt sich dabei nicht nur auf die Straße, sondern umfasst auch das digitale Produktionssystem MO360, mit dem Mercedes-Benz die Effizienz seiner Fertigungswerke weltweit optimieren will, indem komplexe Abläufe vorab virtuell simuliert werden.

Einordnung der technologischen Ambitionen

Einzuordnen ist diese Kooperation als notwendige Reaktion auf den wachsenden Wettbewerbsdruck im Bereich der Software-definierten Fahrzeuge. Den Berichten zufolge ermöglicht die Nutzung der Nvidia-Plattformen eine drastische Verkürzung der Entwicklungszyklen, was für den Erfolg in der Elektromobilität und beim autonomen Fahren entscheidend ist. Die Kombination aus Hardware-Power und Software-Expertise gilt in der Branche als der entscheidende Hebel, um den Vorsprung gegenüber Wettbewerbern zu halten. Dass Mercedes-Benz Nvidia als wichtigsten strategischen Partner bezeichnet, unterstreicht die Abhängigkeit von spezialisierten Halbleiter- und KI-Unternehmen. Die strategische Entscheidung, nicht alles in Eigenregie zu entwickeln, sondern auf spezialisierte Partner zu setzen, ist ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen Unternehmensstrategie, um die Komplexität der neuen Fahrzeuggenerationen beherrschbar zu halten.

Offene Fragen und verbleibende Unbekannte

Trotz der klaren Ankündigungen bleiben einige wesentliche Fragen unbeantwortet. Insbesondere für das angestrebte Level-3-System „Drive Pilot“ gibt es bis dato keinen verbindlichen Termin für die Markteinführung, sondern lediglich eine vage Prognose für die „nächsten Jahre“. Ebenso offen ist der Zeitplan für die Entwicklung von Level-4-Systemen und die konkrete Ausgestaltung der geplanten Robotaxi-Projekte. Der Quelltext macht zudem keine Angaben zu den finanziellen Details der erweiterten Partnerschaft oder dazu, wie die Haftungsfragen bei den neuen Assistenzsystemen im Detail gelöst werden sollen. Auch bleibt unklar, welche spezifischen Fahrzeugmodelle zuerst mit den neuen Funktionen ausgestattet werden und ob es regionale Einschränkungen für die Nutzung der Systeme geben wird, da die regulatorischen Rahmenbedingungen für autonomes Fahren weltweit stark variieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/auto-fahrzeug-marke-automobil-11877386/ · Foto: George Sultan
Quelle: https://www.handelsblatt.com/mobilitaet/elektromobilitaet/ki-autonomes-fahren-mercedes-baut-kooperation-mit-nvidia-aus/100263316.html