Ein bekanntes Gesicht für den Neuanfang
Der italienische Fußballverband hat eine der turbulentesten Phasen seiner jüngeren Geschichte vorerst beendet. Wie Verbandspräsident Giovanni Malagò in Rom bekannt gab, ist Roberto Mancini als neuer Nationaltrainer der Squadra Azzurra verpflichtet worden. Der 61-Jährige, der bereits zwischen 2018 und 2023 das Amt des „Commissario Tecnico“ innehatte, unterzeichnete am Dienstag seinen Vertrag. An seiner Seite wird der erfahrene Claudio Ranieri als Technischer Direktor fungieren.
Die Rückkehr Mancinis ist ein Schritt, der auf Kontinuität und Erfahrung setzt. Der Trainer ist in Italien kein Unbekannter: Sein größter Erfolg mit der Auswahl war der Gewinn der Europameisterschaft im Jahr 2021. Dennoch ist seine Wiedereinstellung nicht unumstritten, da sein plötzlicher Abgang nach Saudi-Arabien im Jahr 2023 trotz laufenden Vertrages bei vielen Fans und Beobachtern bis heute für Unmut sorgt.
Die Herausforderung: Rückkehr zur Weltspitze
Die sportliche Ausgangslage für Mancini ist anspruchsvoll. Die italienische Nationalmannschaft befindet sich in einer tiefen Krise, die vor allem durch das wiederholte Scheitern auf der Weltbühne geprägt ist. Zum dritten Mal in Folge hat Italien die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft verpasst. Besonders schmerzhaft war das Ausscheiden im Frühjahr 2026 gegen Bosnien-Herzegowina, das nach einem Elfmeterkrimi das Ende aller WM-Träume bedeutete.
Die Zielsetzung für den neuen Coach ist daher klar definiert: Er soll die Mannschaft, die nach dem Rücktritt von Gennaro Gattuso führungslos war, stabilisieren und zurück zu alter Stärke führen. Die Erwartungshaltung ist hoch, da der viermalige Weltmeister den Anschluss an die internationale Spitze verloren hat.
Eine chaotische Findungsphase
Der Weg zur Ernennung Mancinis war von erheblichen internen Turbulenzen begleitet. Die Suche nach einem Nachfolger für Gattuso gestaltete sich schwieriger als erwartet. Zunächst galt Pep Guardiola als Wunschkandidat des Verbandes, doch der Erfolgstrainer erteilte dem italienischen Verband eine Absage.
Im Anschluss rückte Andrea Pirlo in den Fokus der Verantwortlichen. Die Personalie entwickelte sich jedoch schnell zum Politikum. Aufgrund von Vorwürfen bezüglich zu enger Kontakte nach Russland sah sich Pirlo gezwungen, seine Kandidatur zurückzuziehen. Diese Entwicklung blieb nicht ohne Folgen für das Verbandsgefüge: Medienberichten zufolge führten die Unstimmigkeiten dazu, dass der erst kurz zuvor berufene Technische Direktor Paolo Maldini sowie sein Berater Leonardo ihre Ämter niederlegten.
Ausblick und nächste Schritte
Mit der Einigung auf Mancini und der Berufung von Ranieri versucht der Verband nun, Ruhe in den Betrieb zu bringen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Rückkehr des Europameister-Trainers die erhoffte Wende einleiten kann. Mancini bringt zwar das nötige taktische Wissen und die Erfahrung mit, steht jedoch vor der schwierigen Aufgabe, das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen und einen Umbruch einzuleiten, der über die bloße Kaderzusammenstellung hinausgeht.
Für den italienischen Fußball steht viel auf dem Spiel. Nach Jahren der sportlichen Stagnation und der organisatorischen Instabilität liegt der Fokus nun voll auf der sportlichen Rehabilitation. Ob das Duo Mancini und Ranieri die notwendige Autorität besitzt, um die Squadra Azzurra wieder zu einem ernstzunehmenden Titelanwärter zu formen, wird sich in den kommenden Qualifikationsspielen zeigen.