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"Internationale Solidarität gehört zu unserer Verantwortung"
Schlagzeilen · 19.08.2026 21:31

"Internationale Solidarität gehört zu unserer Verantwortung"

Kurz: Notarzt Tankred Stöbe warnt vor den Folgen massiver Kürzungen bei der internationalen Entwicklungshilfe und beklagt zunehmende Angriffe auf medizinisches Person

Eine globale Krise der Solidarität

Am 19. August 2026 äußerte sich der erfahrene Notarzt und langjährige Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, Tankred Stöbe, im Rahmen der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ besorgt über die aktuelle weltpolitische Lage. Im Zentrum seiner Kritik steht die zunehmende Tendenz vieler Staaten, ihre Budgets für internationale Entwicklungshilfe und humanitäre Unterstützung massiv zu kürzen. Stöbe, der seit 2002 in zahlreichen Krisengebieten weltweit im Einsatz war, warnt eindringlich vor den langfristigen Konsequenzen dieser Entwicklung. Während die Weltöffentlichkeit dazu neige, sich nur auf die Krisen zu fokussieren, die gerade die Schlagzeilen dominieren, geraten andere schwerwiegende Notlagen zunehmend aus dem Blickfeld. Diese Vernachlässigung führt dazu, dass notwendige medizinische Projekte eingestellt werden müssen, Personal abgebaut wird oder Hilfsorganisationen ganze Regionen verlassen müssen, da die finanzielle Basis für ihre lebenswichtige Arbeit wegbricht. Stöbe betont, dass internationale Solidarität eine grundlegende Verantwortung darstellt, die nicht durch kurzfristige nationale Sparzwänge ersetzt werden darf.

Details zu den Kürzungen und betroffenen Regionen

Die Auswirkungen der finanziellen Einschnitte sind laut Stöbe bereits deutlich spürbar. Besonders kritisch bewertet der Mediziner die Entscheidung der US-amerikanischen Organisation USAID, die einst fast die Hälfte des globalen Budgets für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe bereitstellte und nun drastische Kürzungen vorgenommen hat. Stöbe kritisiert zudem die deutsche Bundesregierung, die ebenfalls massiv bei der Entwicklungszusammenarbeit einspart. Er bezeichnet dieses Vorgehen als zynisch, da es die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen weltweit am härtesten trifft. Als konkretes Beispiel für eine vergessene Krise nennt Stöbe Sierra Leone, wo Gesundheitsdaten alarmierend sind und weiterhin große Armut sowie eine hohe Mütter- und Kindersterblichkeit herrschen. Auch im südlichen Afrika drohen Erfolge bei der Bekämpfung von HIV-Infektionen, die in den vergangenen Jahren durch neue Schutzmedikamente und Vorsorge erzielt wurden, durch die fehlenden finanziellen Mittel wieder zunichtegemacht zu werden. Die Welthungerhilfe konnte zwar 2025 trotz der Kürzungen mehr Projekte finanzieren, wobei der Südsudan, der Sudan und die Ukraine die höchste Förderung erhielten, doch der allgemeine Trend bleibt besorgniserregend.

Der Hintergrund der humanitären Erosion

Die aktuelle Situation ist das Ergebnis einer schleichenden Entwicklung, bei der westliche Bündnisse zunehmend wanken und neue nationale Prioritäten gesetzt werden. Tankred Stöbe ordnet dies in einen größeren Kontext ein: Die Kluft zwischen superreichen und superarmen Ländern wächst stetig, was bestehende Konflikte weiter verschärft und zwangsläufig zu verstärkten Fluchtbewegungen führen wird. Die Annahme, dass man durch Einsparungen bei der internationalen Unterstützung kurzfristig Kosten senken könne, hält der Notarzt für einen fatalen Trugschluss. Seiner Einschätzung nach wird diese Politik die westlichen Staaten später einholen. Die Geschichte seines eigenen Engagements, das ihn bereits in Länder wie Syrien, Afghanistan, die Ukraine, Haiti und Sierra Leone führte, dient ihm dabei als Grundlage für seine Einschätzung. Er beobachtet, dass die Bereitschaft zur globalen Hilfe schwindet, obwohl die Vernetzung der Welt eine Abkehr von internationaler Verantwortung unmöglich macht. Länder in Afrika oder Südostasien seien keine isolierten Akteure, sondern Teil einer globalen Gemeinschaft, deren Stabilität auch die Sicherheit in Europa direkt beeinflusst.

Die Akteure und ihre Verantwortung

In der Debatte um die humanitäre Hilfe stehen verschiedene Akteure im Fokus. Tankred Stöbe tritt als prominenter Vertreter von Ärzte ohne Grenzen auf, einer Organisation, die sich durch private Finanzierung eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt hat und daher weniger direkt von den staatlichen Kürzungen betroffen ist als andere Hilfswerke. Dennoch sieht er sich als Sprachrohr für die Menschen in den Krisengebieten. Auf der Gegenseite stehen staatliche Akteure wie die USA mit USAID sowie die deutsche Bundesregierung, die durch ihre Budgetentscheidungen die Rahmenbedingungen für die humanitäre Hilfe maßgeblich bestimmen. Die zuständige deutsche Ministerin für Entwicklungshilfe ist laut Berichten bereits mit den Auswirkungen der verfehlten Ziele und der neuen Prioritätensetzung konfrontiert. Stöbe macht deutlich, dass die Verantwortung für das Überleben von Millionen Menschen nicht allein auf die Schultern privater Organisationen abgewälzt werden darf, sondern eine staatliche Verpflichtung bleibt, die derzeit jedoch systematisch vernachlässigt wird.

Einordnung der aktuellen Lage

Einzuordnen ist die aktuelle Entwicklung als eine gefährliche Erosion des humanitären Völkerrechts. Stöbe berichtet von einer schockierenden Zunahme von Angriffen auf Krankenhäuser und medizinisches Personal, eine Entwicklung, die sich in den letzten zehn Jahren massiv verschärft hat. Während nach dem Zweiten Weltkrieg klare Regeln zum Schutz von Gesundheitseinrichtungen festgelegt wurden, werden diese heute zunehmend von Staaten missachtet. Die Beispiele sind drastisch: In der Ukraine ist kaum ein Krankenhaus von Bombardierungen verschont geblieben, im Gazastreifen sind etwa 80 Prozent der medizinischen Infrastruktur zerstört oder funktionsunfähig, und auch im Sudan ist die Lage katastrophal. Den Berichten zufolge stellt dies das denkbar schlimmste Szenario für die ohnehin verletzliche Bevölkerung dar. Stöbe bewertet die Situation als einen täglichen Bruch des Völkerrechts. Es sei inakzeptabel, dass Ärzte, Pflegekräfte und Patienten in Konfliktgebieten aufgrund der Missachtung grundlegender Regeln sterben, ohne dass dies international konsequent unterbunden wird.

Offene Fragen und der Ausblick

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, insbesondere hinsichtlich der konkreten politischen Strategien, wie die Kürzungen in der Entwicklungshilfe gestoppt oder kompensiert werden könnten. Es bleibt unklar, welche spezifischen Maßnahmen die deutsche Ministerin plant, um auf die veränderte Lage zu reagieren, und wie genau die internationale Gemeinschaft den Bruch des Völkerrechts sanktionieren will. Auch die Frage, wie die Finanzierungslücke für die HIV-Prävention im südlichen Afrika konkret geschlossen werden soll, wird nicht beantwortet. Was die Zukunft betrifft, so mahnt Stöbe, dass die aktuelle Politik der Sparsamkeit langfristig zu einer Verschärfung von Fluchtursachen führen wird. Er fordert ein Umdenken, da die internationale Solidarität eine Kernaufgabe bleibe. Die ausstehende Entscheidung, ob Staaten ihre Kürzungen revidieren oder ob die humanitäre Hilfe dauerhaft auf ein niedrigeres Niveau sinkt, bleibt die zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre. Stöbe betont, dass die Missachtung des Völkerrechts nicht länger hingenommen werden darf, doch konkrete diplomatische oder rechtliche Schritte, um diese Entwicklung zu stoppen, werden im Text nicht benannt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-strasse-freiheit-schwarz-6257647/ · Foto: RDNE Stock project
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/interview-hilfsgelder-kuerzung-tankred-stoebe-100.html