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Hohes Venn - "Zombiefeuer" - warum Moorbrände so schwer zu löschen sind
Schlagzeilen · 17.08.2026 13:27

Hohes Venn - "Zombiefeuer" - warum Moorbrände so schwer zu löschen sind

Kurz: Im Hohen Venn wüten verheerende Moorbrände. Warum sogenannte Zombiefeuer unter der Erde schwelen und die Löscharbeiten so extrem schwierig gestalten.

Die aktuelle Lage im Hohen Venn

Das belgische Naturschutzgebiet Hohes Venn ist derzeit Schauplatz eines verheerenden Naturereignisses. Ein großflächiger Waldbrand hat sich in dem dortigen Hochmoor ausgebreitet und sorgt für erhebliche Zerstörungen. Seit dem vergangenen Wochenende kämpfen die Einsatzkräfte gegen die Flammen an, die bereits eine Fläche von etwa 30 Quadratkilometern in Mitleidenschaft gezogen haben. Die Situation in dem grenznahen Gebiet verdeutlicht die enorme Anfälligkeit von Moorlandschaften für derartige Katastrophen. Während die Löscharbeiten vor Ort in vollem Gange sind, blicken Experten mit Sorge auf die spezifischen geologischen Bedingungen, die diesen Brand so außergewöhnlich gefährlich machen. Es ist nicht das erste Mal, dass Moore in dieser Region oder in Deutschland in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, doch das Ausmaß im Hohen Venn stellt eine besondere Herausforderung für die beteiligten Feuerwehren dar, die mit den Tücken eines Untergrundbrandes zu kämpfen haben, der sich nicht mit herkömmlichen Methoden der Brandbekämpfung bewältigen lässt.

Die Tücke der Zombiefeuer im Detail

Der Begriff Zombiefeuer beschreibt ein Phänomen, das für Laien oft schwer greifbar ist. Bei Moorbränden entzünden sich nicht nur die oberirdische Vegetation oder die Bäume, sondern vor allem die tief liegenden Torfschichten im Boden. Torf besteht aus über Jahrhunderte hinweg komprimierten und nur unvollständig zersetzten Pflanzenteilen. Dieses Material ist ein exzellenter Brennstoff. Da in den tieferen Bodenschichten nur sehr wenig Sauerstoff vorhanden ist, brennt der Torf nicht mit hellen, lodernden Flammen, sondern schwelt über lange Zeiträume hinweg vor sich hin. Erst wenn starker Wind die Glut anheizt oder der Sauerstoffzutritt durch Risse im Boden begünstigt wird, können plötzlich offene Flammen an die Oberfläche treten. Die Einsatzkräfte stehen vor dem Problem, dass diese Schwelbrände kaum zu lokalisieren sind. Anzeichen wie scheinbar aus dem Nichts aufsteigende Rauchwolken oder glimmende Wurzeln sind oft die einzigen Hinweise auf das unterirdische Inferno, das sich unbemerkt über weite Strecken unter der Erdoberfläche ausbreiten kann.

Historische Einordnung und Präzedenzfälle

Die Problematik der Moorbrände ist keineswegs neu, sondern ein wiederkehrendes Risiko in trockenen Sommermonaten. In Deutschland gab es in der jüngeren Vergangenheit mehrere markante Beispiele, die das Gefahrenpotenzial unterstrichen haben. Besonders in Erinnerung geblieben ist der wochenlange Brand im Emsland im Jahr 2018, der die Einsatzkräfte an die Grenzen ihrer Belastbarkeit brachte. Auch jüngere Ereignisse, wie der Brand Mitte Juli im niedersächsischen Diepholz, zeigen, dass Moore in Deutschland regelmäßig in Flammen stehen. Diese Vorfälle belegen, dass die Gefahr nicht nur auf spezifische Regionen begrenzt ist, sondern überall dort existiert, wo Moore ausgetrocknet sind. Die Kombination aus sehr trockenen Pflanzenbeständen und ausgetrockneten Bodenstrukturen schafft eine gefährliche Ausgangslage, in der bereits kleine Zündquellen ausreichen können, um eine Katastrophe auszulösen, die weit über das ursprüngliche Brandereignis hinausgeht und die betroffenen Ökosysteme nachhaltig schädigt.

Strategien zur Prävention und Renaturierung

Um der Gefahr durch Moorbrände langfristig zu begegnen, setzen sowohl das Bundesamt für Naturschutz als auch verschiedene Umweltorganisationen auf eine konsequente Strategie: die Wiedervernässung trockengelegter Moore. Ein intaktes, wassergesättigtes Moor ist aufgrund seines hohen Feuchtigkeitsgehalts deutlich resistenter gegen Feuer. Die Renaturierung dient dabei nicht nur dem Brandschutz, sondern ist ein zentraler Baustein im Klimaschutz, da intakte Moore große Mengen an Kohlenstoff speichern können. Umweltminister Schneider hat bereits Pläne geäußert, die geförderten Moorflächen signifikant zu vergrößern, um diesen Prozess zu beschleunigen. Die Debatte um die landwirtschaftliche Nutzung von Moorflächen, die oft mit einer Entwässerung einhergeht, spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Umweltschützer argumentieren, dass die ökologischen Kosten der Austrocknung, zu denen auch die verheerenden Schwelbrände zählen, in keinem Verhältnis zum Nutzen der landwirtschaftlichen Erschließung stehen, weshalb ein Umdenken in der Flächenbewirtschaftung dringend erforderlich ist.

Herausforderungen bei der Brandbekämpfung

Die Arbeit der Feuerwehrleute bei einem Moorbrand unterscheidet sich grundlegend von einem klassischen Waldbrand. Da die Brände tief im Boden sitzen, reicht ein Löschen der sichtbaren Flammen bei weitem nicht aus. Selbst wenn ein Brand oberflächlich gelöscht erscheint, kann er in den tieferen Torfschichten weiterglimmen. Dies erfordert eine extrem langwierige Beobachtung der betroffenen Flächen, die sich über Wochen oder sogar Monate erstrecken kann. Ein plötzliches Wiederaufflammen ist jederzeit möglich, sobald sich die Bedingungen ändern. Die Einsatzkräfte müssen daher große Areale über einen langen Zeitraum hinweg engmaschig kontrollieren, was enorme personelle und materielle Ressourcen bindet. Es gibt derzeit keine einfache technische Lösung, um diese unterirdischen Glutnester effizient und schnell abzulöschen, ohne das gesamte Gebiet massiv zu fluten, was wiederum die ökologischen Strukturen vor Ort stark belasten kann. Die Einsatzleitung steht somit vor der schwierigen Aufgabe, zwischen effektiver Brandbekämpfung und dem Schutz des sensiblen Naturschutzgebietes abzuwägen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/malerscher-weg-durch-bunte-herbstwald-38200516/ · Foto: Jean-Paul Wettstein
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/zombiefeuer-warum-moorbraende-so-schwer-zu-loeschen-sind-100.html