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Hitzewellen: Warum dein Gehirn an heißen Tagen schlapp macht – und wer besonders gefährdet ist
Technik · 30.07.2026 13:20

Hitzewellen: Warum dein Gehirn an heißen Tagen schlapp macht – und wer besonders gefährdet ist

Kurz: Hitzewellen belasten nicht nur den Körper, sondern beeinträchtigen massiv unsere kognitiven Fähigkeiten und die psychische Gesundheit. Wer besonders gefährdet i

Wenn die Hitze das Denken lähmt

Die jüngsten Hitzerekorde, wie etwa die gemessenen 41,8 Grad in Sachsen-Anhalt, verdeutlichen die drastischen Auswirkungen des Klimawandels. Über die physischen Gefahren hinaus rückt zunehmend die Frage in den Fokus, wie extreme Temperaturen unsere kognitive Leistungsfähigkeit und psychische Stabilität beeinflussen. Dass bei großer Hitze das Denken schwerfällt und ein Gefühl der Benommenheit einsetzt, ist für viele Menschen eine alltägliche Erfahrung während sommerlicher Hitzeperioden.

Kognitive Einbußen unter Extrembedingungen

Die Wissenschaft steht vor der Herausforderung, die direkten Auswirkungen von Hitze auf das Gehirn präzise zu messen. Da kontrollierte Studien an der Allgemeinbevölkerung während einer Hitzewelle methodisch schwierig sind, nutzen Forschende wie Catherine Thompson von der Liverpool Hope University alternative Ansätze. Ihre Untersuchungen an Feuerwehrleuten zeigten, dass bereits kurze Phasen intensiver Hitzeeinwirkung die Konzentrationsfähigkeit und die Steuerung der Aufmerksamkeit signifikant beeinträchtigen. Zwar normalisierten sich diese Fähigkeiten nach einer zwanzigminütigen Abkühlphase wieder, doch bleibt die Frage offen, welche langfristigen Folgen tagelange Hitzewellen für das menschliche Gehirn haben könnten.

Psychische Gesundheit unter Druck

Besonders besorgniserregend ist der Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und der Verschlechterung psychischer Erkrankungen. Daten deuten darauf hin, dass die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Menschen mit psychischen Vorerkrankungen während Hitzewellen um fast zehn Prozent ansteigt. Laut Joshua Wortzel vom Heat-Mind Lab gibt es eine klare Korrelation: Je heißer die Temperaturen – insbesondere in den saisonalen Spitzenzeiten –, desto negativer sind die Ergebnisse für die psychische Gesundheit.

Einige Personengruppen sind dabei besonders vulnerabel:

* **Menschen mit psychischen Erkrankungen:** Sie zeigen eine erhöhte Anfälligkeit für die physischen Hitzefolgen. Während der Hitzewelle in Kanada 2021 war das Sterberisiko für Menschen mit Schizophrenie beispielsweise dreimal höher als im Durchschnitt.

* **Jugendliche und junge Erwachsene:** Studien zeigen, dass bei Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren die Suizidrate mit jedem Grad Anstieg der monatlichen Durchschnittstemperatur deutlich stärker zunimmt als bei älteren Altersgruppen.

* **Babys und Kleinkinder:** Es gibt Hinweise darauf, dass extreme Temperaturen die Entwicklung der weißen Substanz im Gehirn beeinträchtigen können, was langfristige Folgen für die neurologische Entwicklung haben könnte.

Biologische Mechanismen der Hitzewirkung

Warum das Gehirn so sensibel auf Hitze reagiert, wird derzeit intensiv erforscht. Erste Erkenntnisse an Versuchstieren legen nahe, dass extreme Temperaturen die chemische Signalübertragung im Gehirn stören könnten. So scheint beispielsweise der Spiegel von Neurotransmittern wie Serotonin durch Hitze beeinflusst zu werden. Zudem wird diskutiert, ob Hitze die Kommunikation zwischen verschiedenen Gehirnnetzwerken behindert oder die Sauerstoffversorgung der Gehirnzellen negativ beeinflusst.

Die Notwendigkeit der Anpassung

Die Forschung unterstreicht, dass es sich bei den beobachteten Phänomenen um direkte Folgen des Klimawandels handelt. Da zukünftige Generationen – Kinder, die nach 2020 geboren wurden – voraussichtlich ein Vielfaches an Hitzewellen im Vergleich zu ihren Großeltern erleben werden, gewinnt die Frage der Anpassung an eine wärmere Welt massiv an Bedeutung. Neben den direkten biologischen Effekten spielen auch indirekte Faktoren wie Schlafstörungen, mangelnde soziale Kontakte und eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten eine Rolle, die das psychische Wohlbefinden zusätzlich belasten. Die Wissenschaft betont, dass ein tieferes Verständnis dieser Mechanismen essenziell ist, um effektive Schutzmaßnahmen für die betroffenen Bevölkerungsgruppen zu entwickeln.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/bildschirm-image-digital-tablette-nadel-6010927/ · Foto: Tima Miroshnichenko
Quelle: https://t3n.de/news/biologische-gruende-gehirn-hitzewellen-1750623/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed