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Hitze stellt Landwirte beim Salatanbau vor neue Herausforderungen
Schlagzeilen · 01.08.2026 07:54

Hitze stellt Landwirte beim Salatanbau vor neue Herausforderungen

Kurz: Extreme Hitzewellen verändern den Salatanbau in Deutschland. Landwirte im Knoblauchsland setzen auf neue Strategien, um Ernteausfälle durch Sonnenbrand zu verhi

Neue Herausforderungen für den Gemüseanbau

Die Landwirtschaft in Deutschland steht vor einer wachsenden Belastungsprobe. Während die Branche seit Jahren mit zunehmender Sommertrockenheit kämpft, verschärfen extreme Hitzewellen die Situation im Salatanbau massiv. Besonders betroffen ist das Nürnberger Knoblauchsland, eines der bedeutendsten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiete der Bundesrepublik. Die dortigen Landwirte sehen sich gezwungen, ihre Arbeitsabläufe grundlegend anzupassen, um die Ernte bei Rekordtemperaturen zu sichern.

Der Kampf gegen die Uhr: Frühe Erntezeiten

Für Gemüsebauer wie Stefan Hußnätter ist die Erntezeit bei Hitze ein logistischer Kraftakt. Wenn das Thermometer bereits am Vormittag die 35-Grad-Marke überschreitet, müssen die Arbeitsprozesse strikt getaktet sein. Um die Gesundheit der rund 200 Erntehelfer zu schützen, wurde der Arbeitsbeginn auf 04:30 Uhr morgens vorverlegt. Neben der Bereitstellung von Schutzausrüstung wie Hüten, Getränken und Sonnencreme steht die Vermeidung der Mittagshitze im Fokus.

Die Schnelligkeit ist dabei ein entscheidender Faktor, denn Salat ist ein äußerst empfindliches Produkt. Sobald die Köpfe vom Feld geholt werden, drohen sie in der Sonne innerhalb kürzester Zeit zu welken. Um die Qualität zu erhalten, durchlaufen die Pflanzen unmittelbar nach der Ernte ein Förderband, auf dem sie gewaschen werden. Dieser Prozess dient laut Hußnätter dazu, einen notwendigen Kälteeffekt beizubehalten, bevor die Ware in die Transport-Lkw verladen wird.

Beregnung als Schutz vor Sonnenbrand

Die größte Gefahr für den Salat bei extremer Hitze ist der sogenannte Sonnenbrand. Anders als bei robusten Kulturen wie Getreide oder Kartoffeln, die bei widrigen Bedingungen lediglich kleiner ausfallen, führt ein Sonnenbrand beim Salat zu einem Totalausfall der Ernte. Aus diesem Grund reicht eine bloße Bodenbewässerung oft nicht aus.

Landwirte greifen daher zu der Maßnahme, die Salatköpfe direkt zu beregnen. Dies dient primär dem Schutz der empfindlichen Blätter vor der direkten Sonneneinstrahlung. Für den zusätzlichen Wasserbedarf nutzt Hußnätter nach eigenen Angaben kein Tiefengrundwasser, sondern sogenanntes Oberfiltrat aus der Nähe des Flusses Regnitz. Diese Brunnen sind lediglich acht Meter tief und entnehmen Wasser, das ansonsten ungenutzt abfließen würde.

Hydrologische Einordnung der Wassernutzung

Die Frage der landwirtschaftlichen Bewässerung in Zeiten von Dürre und Hitze ist vielschichtig. Während in einigen Regionen, wie etwa in München, bereits Allgemeinverfügungen zum Wassersparen das Gießen von Beeten einschränken, ist die Situation im Knoblauchsland differenzierter zu betrachten.

Johannes Barth, Leiter des Lehrstuhls für Angewandte Geologie am GeoZentrum Nordbayern, gibt hierzu eine hydrologische Einschätzung. Wenn Wasserstände in Flüssen wie der Regnitz oder der Pegnitz künstlich reguliert werden, sei eine maßvolle Entnahme in Flussnähe vertretbar. Dennoch betont der Experte, dass eine kontinuierliche Beobachtung der Wasserstände in trockenen Jahren unerlässlich sei. Bei natürlichen Gewässern ohne künstliche Regulierung warnt Barth hingegen vor kritischen Zuständen, sollte die landwirtschaftliche Entnahme zu hoch ausfallen.

Perspektiven für die Zukunft

Die Kombination aus steigenden Temperaturen und der Notwendigkeit, hochwertige Lebensmittel zu produzieren, zwingt die Landwirtschaft zu ständiger Innovation. Die Maßnahmen im Knoblauchsland verdeutlichen, dass der Anbau von Salat unter veränderten klimatischen Bedingungen nicht mehr mit konventionellen Methoden allein zu bewältigen ist. Die Anpassung der Erntezeiten, der Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung und ein verantwortungsbewusster Umgang mit lokalen Wasserressourcen bilden die Grundlage für die zukünftige Versorgungssicherheit mit frischem Gemüse in Deutschland.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/sommer-sonne-landwirtschaft-landlich-17211894/ · Foto: Nejc Parašuh
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/salatanbau-hitze-100.html