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Hilton-Hotel Gravenbruch: Käufer gefunden - doch es gibt einen Haken
Regional · 15.10.2026 08:12

Hilton-Hotel Gravenbruch: Käufer gefunden - doch es gibt einen Haken

Kurz: Das insolvente Hilton-Hotel in Neu-Isenburg hat einen Käufer gefunden. Doch die Übernahme durch die Comer Group hängt von einer wichtigen behördlichen Genehmigu

Ein Lichtblick für das Traditions-Hotel in Neu-Isenburg

Für das bekannte Hilton-Hotel im Neu-Isenburger Stadtteil Gravenbruch zeichnet sich nach einer Phase der Ungewissheit eine mögliche Wende ab. Das Haus, das in den vergangenen Monaten durch eine schwierige wirtschaftliche Lage und den Stillstand des Gästebetriebs in die Schlagzeilen geraten war, steht vor einem Eigentümerwechsel. Wie aus Informationen der hessenschau hervorgeht, gibt es einen konkreten Interessenten für die Übernahme des Objekts. Die Comer Group International hat ihr Interesse bekundet und bereits einen Kaufvertrag unterzeichnet. Dies stellt einen entscheidenden Schritt dar, um das Hotel aus dem derzeitigen Notbetrieb zu führen und den Standort langfristig zu sichern. Die Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Zukunft des Hauses und die Arbeitsplätze der dort beschäftigten Menschen auf dem Spiel standen. Mit dem Einstieg eines erfahrenen Investors könnte das Hotel, das über Jahrzehnte hinweg eine feste Größe in der Region Offenbach darstellte, wieder eine Perspektive erhalten. Dennoch bleibt die Situation komplex, da der gesamte Prozess unter dem Schatten internationaler politischer Sanktionen steht, die den Verkaufsvorgang maßgeblich beeinflussen und eine behördliche Prüfung zwingend erforderlich machen.

Details zum Kaufvertrag und den Beteiligten

Der Frankfurter Rechtsanwalt Joachim Kühne, der als Insolvenzverwalter die Geschicke des Hotels Gravenbruch leitet, bestätigte den Abschluss des Kaufvertrages. Über die finanziellen Details, insbesondere den Kaufpreis, wurde Stillschweigen vereinbart. Die Comer Group International, ein vor über 30 Jahren von zwei irischen Brüdern gegründetes Unternehmen, ist international im Bereich der Immobilieninvestitionen tätig. Ihr Portfolio umfasst Büro- und Wohnimmobilien sowie diverse Hotelprojekte. In Deutschland betreibt die Gruppe bereits fünf Hotels, darunter das Hamburg Airport Plaza Hotel by Comer. Zudem ist das Unternehmen in Hessen durch die Vermietung von Büroräumen im City Tower Offenbach präsent. Laut Kühne handelt es sich bei der Comer Group um einen leistungsfähigen Partner, der über eine jahrzehntelange Erfahrung in der Branche verfügt. Für die Belegschaft des Hotels, die derzeit 140 Mitarbeiter umfasst, ist dies ein wichtiges Signal. Kühne betonte, dass mit der Übernahme eine konkrete Chance bestehe, das Hotel als Betrieb zu erhalten und mehr als 100 Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern. Nach einer erfolgreichen Übernahme könnte der reguläre Hotelbetrieb in Gravenbruch laut Einschätzung des Insolvenzverwalters "kurzfristig" wieder aufgenommen werden.

Die Vorgeschichte: Insolvenz und Sanktionsdruck

Der Weg bis zur jetzigen Kaufvereinbarung war von erheblichen Schwierigkeiten geprägt. Das Hotel Gravenbruch befand sich in einer prekären Lage, die maßgeblich durch internationale Sanktionen gegen einen seiner Mitgesellschafter, den iranischen Geschäftsmann Ali Ansari, ausgelöst wurde. Die Europäische Union wirft Ansari vor, über ein internationales Firmennetzwerk das iranische Mullah-Regime zu unterstützen, was dieser jedoch vehement bestreitet. Aufgrund dieser Sanktionen wurden die Konten des Hotels gesperrt, was den operativen Geschäftsbetrieb massiv einschränkte. Zuvor hatte bereits der US-Hotelkonzern Hilton die Zusammenarbeit mit dem Standort aufgekündigt, da auch die USA Sanktionen gegen Ansari verhängt hatten. In der Folge musste das Hotel Insolvenz anmelden. Seit Mitte August dieses Jahres nimmt das Haus keine Gäste mehr auf und befindet sich in einem sogenannten Notbetrieb. Diese Entwicklung war ein schwerer Schlag für den Standort, da das Hotel als traditionsreiche Adresse in der Region gilt. Die Kombination aus der Insolvenz der Betriebsgesellschaft und der politischen Komponente durch die Sanktionen schuf eine Ausgangslage, die für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung darstellte.

Die Rolle der Behörden und die Hürden der Genehmigung

Der entscheidende Haken bei der Übernahme ist die notwendige Zustimmung durch die deutschen Behörden. Da das Hotel von Sanktionen betroffen ist, unterliegt der Verkauf einer strengen Kontrolle durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit Sitz in Eschborn. Das BAFA muss prüfen, ob der Verkauf den geltenden Sanktionsregeln entspricht. Ein zentraler Punkt ist dabei die absolute Sicherheit, dass der sanktionierte Geschäftsmann Ali Ansari in keiner Weise von dem Verkaufserlös oder dem Eigentümerwechsel profitieren darf. Insolvenzverwalter Joachim Kühne sieht diese Bedingung durch seine eigene Rolle als Insolvenzverwalter als erfüllt an. Er verwaltet die Geschäfte der Hotelgesellschaft und führt ein separates Treuhandkonto, für das er persönlich die Verantwortung trägt. Durch diese Struktur soll sichergestellt werden, dass keine finanziellen Vorteile an Ansari abfließen. Kühne betont, dass der Vertrag rechtswirksam unterzeichnet sei und nun die Behörden am Zug seien, den Weg für die Übernahme durch die notwendigen Freigaben zu ebnen. Die Prüfung durch das BAFA ist jedoch ein langwieriger Prozess, da die Behörde jeden Einzelfall individuell und mit Blick auf die Komplexität der Sanktionen bewerten muss.

Einordnung der Situation

Einzuordnen ist die aktuelle Lage als ein juristisches und politisches Tauziehen, bei dem wirtschaftliche Interessen auf staatliche Kontrollmechanismen treffen. Dass ein Investor wie die Comer Group bereit ist, in ein solches Objekt unter den gegebenen Umständen zu investieren, deutet darauf hin, dass das Potenzial des Standorts Gravenbruch trotz der Krise als hoch eingeschätzt wird. Den Berichten zufolge ist die Situation jedoch hochsensibel. Die Sanktionen der EU gegen Ansari wirken wie ein Filter, der jede Transaktion im Zusammenhang mit dem Hotel verlangsamt. Die Zurückhaltung des BAFA, das sich mit Verweis auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse nicht zu einzelnen Vorgängen äußern will, unterstreicht die Ernsthaftigkeit der behördlichen Prüfung. Es geht hier nicht nur um eine klassische Insolvenzverwaltung, sondern um die Einhaltung internationaler Sanktionsvorgaben, die sicherstellen sollen, dass keine Gelder an sanktionierte Personen gelangen. Die Rolle des Insolvenzverwalters ist dabei die eines Treuhänders, der zwischen dem wirtschaftlichen Überlebenswillen des Unternehmens und den strengen regulatorischen Anforderungen vermitteln muss. Der Erfolg des Vorhabens hängt somit fast ausschließlich von der Einschätzung der Behörden ab.

Offene Fragen und der weitere Ausblick

Trotz der positiven Nachricht über den unterzeichneten Kaufvertrag bleiben wesentliche Fragen unbeantwortet. Es ist derzeit völlig unklar, wie lange die Prüfung des BAFA in Eschborn andauern wird. Die Behörde selbst gab an, dass die Bearbeitungszeiten stark von der Komplexität des Einzelfalls abhingen, was keinen konkreten Zeitrahmen zulässt. Zudem bleibt offen, ob das Hotel unter dem neuen Eigentümer weiterhin unter der Marke Hilton operieren wird oder ob eine Neuausrichtung geplant ist, nachdem Hilton die Zusammenarbeit bereits aufgekündigt hatte. Auch die genauen Auswirkungen der Sanktionen auf die zukünftige operative Struktur des Hotels sind noch nicht vollständig geklärt. Wie es weitergeht, liegt nun in den Händen der zuständigen Beamten. Sobald die notwendigen Freigaben vorliegen, könnte der Betrieb laut Kühne "kurzfristig" wieder aufgenommen werden. Dies wäre der nächste große Schritt, um das Hotel zu reaktivieren. Bis dahin bleibt das Haus jedoch im Notbetrieb, und die 140 Mitarbeiter müssen weiterhin auf eine endgültige Entscheidung warten, die über den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und die Zukunft des Standorts entscheidet. Der Zeitplan für eine Wiedereröffnung ist somit eng an die behördliche Genehmigung gekoppelt, für die es aktuell keinen festen Termin gibt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/die-karawanserei-von-deir-e-gachin-28433951/ · Foto: Mohammad Reza Hossaini
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-hilton-hotel-gravenbruch-kaeufer-gefunden-doch-es-gibt-einen-haken-100.html