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heise+ | Digitalisierung: Lässt sich der Staat von Beratern ausnehmen?
Technik · 31.07.2026 11:40

heise+ | Digitalisierung: Lässt sich der Staat von Beratern ausnehmen?

Kurz: Die Fitko plant einen massiven Rahmenvertrag für IT-Beratung. Experten kritisieren das Modell als ineffizient und warnen vor einer falschen Strategie.

Eine zentrale Instanz unter Druck

Die Föderale IT-Kooperation, kurz Fitko, nimmt eine entscheidende Rolle bei der Modernisierung der deutschen Verwaltung ein. Als Behörde mit Sitz in Frankfurt am Main ist sie für die Entwicklung und den Betrieb zentraler IT-Lösungen zuständig, die länderübergreifend zum Einsatz kommen – darunter auch der sogenannte Deutschland-Stack. Bisher genoss die Einrichtung in Fachkreisen einen guten Ruf und wurde selbst von kritischen Stimmen für ihre Digitalkompetenz gelobt.

Aktuell steht die Behörde jedoch im Zentrum einer Debatte über die Vergabepraxis des Staates. Anlass ist ein neues Ausschreibungsverfahren für einen Rahmenvertrag im Bereich der „integrierten Projekt- und Produktberatung“. Das Volumen des auf vier Jahre angelegten Vorhabens wird auf rund 254,5 Millionen Euro geschätzt.

Kritik an der Externalisierungsstrategie

Die Höhe der Investitionssumme und die zentrale Bedeutung der Fitko haben eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit derartiger Beratungsaufträge entfacht. Kritiker, darunter die IT-Expertin Lilith Wittmann, bemängeln das grundsätzliche Verständnis von IT-Produkten in der öffentlichen Verwaltung. Wittmann gibt zu bedenken, dass Softwareentwicklung ein fortlaufender Prozess sei. Die Annahme, man könne die Produktentwicklung durch die Auslagerung an externe Beratungsgesellschaften dauerhaft lösen, sei ein Trugschluss.

Unterstützung erfährt diese Einschätzung durch den Unternehmensberater Philipp Kleine Jäger, der auf eine langjährige Erfahrung in IT-Projekten verweisen kann. In seinem Blog analysiert er das Vorhaben der Fitko kritisch und prognostiziert ein Scheitern des Modells. Sein Hauptargument: Das aktuelle Beschaffungssystem des Staates sei so strukturiert, dass es Ineffizienz belohne, anstatt den Fokus auf tatsächliche Ergebnisse oder wirtschaftliche Effizienz zu legen.

Die Perspektive der Behörde

Die Fitko verteidigt ihr Vorgehen gegenüber Anfragen. Die Rahmenvereinbarung sei als Instrument konzipiert, um Beschaffungsprozesse wirtschaftlicher und effizienter zu gestalten. Die Behörde betont, dass dieser Weg notwendig sei, um den komplexen Anforderungen bei der Digitalisierung von Verwaltungsleistungen gerecht zu werden.

Hintergrund und Ausblick

Die Debatte wirft ein Schlaglicht auf die strukturellen Herausforderungen bei der staatlichen Digitalisierung. Während der Bedarf an externer Expertise in Behörden oft als hoch eingestuft wird, stellt sich die Frage, wie viel Eigenkompetenz im öffentlichen Sektor verbleiben muss, um langfristig handlungsfähig zu bleiben.

Die Kritik an den Rahmenverträgen zielt auf einen zentralen Punkt ab: Das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach schneller Umsetzung durch externe Kapazitäten und der Notwendigkeit, IT-Projekte als dauerhafte, interne Aufgaben zu begreifen. Ob das Vergabeverfahren in seiner jetzigen Form die gewünschten Effekte erzielen kann oder ob die Struktur der Auftragsvergabe eine grundlegende Anpassung erfordert, bleibt ein zentrales Thema für die künftige Gestaltung der digitalen Infrastruktur in Deutschland.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/silber-laptop-laptop-auf-dem-tisch-291777/ · Foto: AS Photography
Quelle: https://www.heise.de/hintergrund/Digitalisierung-Laesst-sich-der-Staat-von-Beratern-ausnehmen-11356765.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag_plus.beitrag_plus