Ein historischer Einzug ohne sportlichen Sieg
Der schottische Vizemeister Heart of Midlothian hat in der laufenden Europapokalsaison ein außergewöhnliches und nahezu beispielloses Kunststück vollbracht. Der Traditionsverein aus Edinburgh sicherte sich die Teilnahme an der Ligaphase der UEFA Conference League, obwohl das Team in insgesamt sechs Qualifikationsspielen nach Ablauf der regulären Spielzeit oder einer etwaigen Verlängerung keinen einzigen Sieg erringen konnte. Dieser ungewöhnliche Weg führte die Schotten durch drei verschiedene Wettbewerbe des europäischen Fußballs, wobei sie stets durch sportliche Niederlagen oder Unentschieden in die jeweils nächsttiefere Stufe des europäischen Wettbewerbsgefüges abrutschten. Dass der Klub trotz dieser statistisch schwachen Bilanz nun in der Hauptrunde des drittwichtigsten europäischen Wettbewerbs vertreten ist, sorgt in der Fußballwelt für Aufsehen und unterstreicht die komplexen Mechanismen der aktuellen Qualifikationsmodi, die es Mannschaften ermöglichen, trotz anhaltender Erfolglosigkeit auf dem Platz das angestrebte Ziel der Gruppen- beziehungsweise Ligaphase zu erreichen.
Der steinige Weg durch drei Wettbewerbe
Die Reise der Hearts begann in der zweiten Qualifikationsrunde der UEFA Champions League. Dort traf der schottische Vertreter auf den österreichischen Vizemeister Sturm Graz. Die Begegnungen verliefen für die Schotten jedoch enttäuschend; nach zwei deutlichen Niederlagen (0:4 und 0:2) schied man aus der Königsklasse aus. Gemäß den Regularien bedeutete dies den Abstieg in die Europa League. In der dritten Qualifikationsrunde dieses Wettbewerbs wartete mit Benfica Lissabon ein europäischer Hochkaräter. Auch hier blieb der Erfolg aus: Nach einer deutlichen 1:6-Niederlage und einem 1:1-Unentschieden war das Kapitel Europa League für die Schotten beendet. Schließlich führte der Weg in die Playoffs der Conference League, wo man auf den österreichischen Rekordmeister Rapid Wien traf. Auch hier gelang nach 90 und 120 Minuten kein Sieg (2:2 und 2:2). Erst das Elfmeterschießen am vergangenen Mittwochabend, welches die Hearts mit 4:3 für sich entschieden, ebnete den Weg in die Ligaphase.
Hintergrund einer schmerzhaften Saison
Der Einzug in die Ligaphase der Conference League hat für den Verein eine besondere Bedeutung, da er als eine Art Wiedergutmachung für die traumatischen Ereignisse vom Ende der vergangenen Spielzeit fungiert. Im Mai dieses Jahres stand der Heart of Midlothian kurz vor einem historischen Erfolg: Am letzten Spieltag der Scottish Premiership hätte der Klub den ersten Meistertitel seit dem Jahr 1960 feiern können. Doch das entscheidende Duell gegen den großen Rivalen Celtic Glasgow ging mit 1:3 verloren, wodurch der Titel auf dramatische Weise verspielt wurde. Diese Niederlage hinterließ tiefe Spuren im Verein und bei den Anhängern. Der nun erreichte Erfolg in Europa dient daher als Balsam auf diese Wunden und gibt dem Team, das sich in der laufenden Saison durch zahlreiche Neuzugänge – darunter etwa ein Dutzend Profis – grundlegend verändert hat, die nötige moralische Unterstützung, um die Enttäuschung der Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen.
Die Akteure und ihre Reaktion
Im Zentrum dieses Erfolgs steht der neue Trainer Wouter Vrancken, der erst in dieser Saison die Verantwortung für die Mannschaft übernommen hat. Vrancken äußerte sich nach dem nervenaufreibenden Elfmeterschießen gegen Rapid Wien sichtlich bewegt über die Leistung seiner Spieler. Er betonte, wie stolz er auf die Mannschaft sei, die trotz der schwierigen Ausgangslage und der fehlenden Siege in der regulären Spielzeit niemals aufgegeben habe. Für den Trainer, der gemeinsam mit einem großen Teil des Kaders neu zum Verein stieß, ist dieser Einzug in die Ligaphase ein wichtiger Meilenstein für den Aufbau eines neuen, schlagkräftigen Teams. Auch wenn der spielerische Erfolg in den Qualifikationsrunden ausblieb, sieht Vrancken in der mentalen Stärke seiner Spieler, die sich im Elfmeterschießen bewiesen haben, eine Belohnung für die harte Arbeit der vergangenen Wochen und Monate.
Einordnung und offene Fragen
Einzuordnen ist dieser Erfolg als ein Kuriosum, das die aktuelle Struktur der europäischen Wettbewerbe verdeutlicht. Den Berichten zufolge ist es selten, dass sich ein Team durch drei verschiedene Wettbewerbe „durchhangelt“, ohne dabei ein Spiel in der regulären Zeit zu gewinnen. Dennoch ist der Erfolg legitim, da die Regeln der UEFA den Abstieg und die anschließenden Playoff-Spiele ausdrücklich vorsehen. Dennoch bleiben Fragen offen: Der Quelltext liefert keine Informationen darüber, wie die Fans auf die sportlich durchwachsene Leistung reagieren oder welche taktischen Anpassungen Trainer Vrancken für die kommende Ligaphase plant. Auch bleibt unklar, wie der Verein die finanzielle Planung für die kommenden Monate gestaltet, da die Einnahmen aus der Conference League zwar gesichert sind, die sportliche Form jedoch weiterhin Anlass zur Sorge geben könnte. Es bleibt abzuwarten, ob die Mannschaft in der Ligaphase gegen stärkere Gegner ihre Taktik anpassen kann, um endlich den ersten regulären Sieg einzufahren.