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Harte Einschnitte - und der Glaube an das Konzept Kaufhaus
Schlagzeilen · 16.10.2026 20:25

Harte Einschnitte - und der Glaube an das Konzept Kaufhaus

Kurz: Galeria Kaufhof steht erneut vor der Insolvenz. Insolvenzverwalter Frank Kebekus spricht über Sanierungspläne, das Insolvenzgeld und die Zukunft der Filialen.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Die Warenhauskette Galeria Kaufhof hat erneut Insolvenz angemeldet, was das mittlerweile vierte Verfahren dieser Art innerhalb weniger Jahre darstellt. Der vom Amtsgericht Düsseldorf bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus hat die Aufgabe übernommen, den angeschlagenen Handelsriesen zu stabilisieren und eine tragfähige Zukunftsperspektive zu entwickeln. Während der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen aktuell fortgeführt wird, stehen hinter den Kulissen intensive Verhandlungen an, um die Finanzierung des laufenden Betriebs sicherzustellen. Die Situation ist für das Unternehmen und seine Mitarbeiter von hoher Unsicherheit geprägt, da bereits rund 680 Millionen Euro an staatlichen Hilfsmitteln in den vorangegangenen Sanierungsversuchen verloren gegangen sind. Kebekus betont, dass der Prozess nun mit einer grundlegenden Neuausrichtung verbunden sein muss, die auch schmerzhafte Maßnahmen nicht ausschließt. Das Ziel ist es, das Vertrauen der Kunden für das anstehende Weihnachtsgeschäft zu wahren, während gleichzeitig die strukturellen Probleme des klassischen Warenhausmodells in einem sich wandelnden Marktumfeld adressiert werden müssen. Die Lage an der Düsseldorfer Königsallee, wo der Betrieb in einem historischen Jugendstilbau scheinbar ungestört weiterläuft, steht dabei symbolisch für den Kontrast zwischen dem gewohnten Kundenalltag und der existenzbedrohenden wirtschaftlichen Krise des Unternehmens.

Die Einzelheiten des Verfahrens

Frank Kebekus, der aus seiner Kanzlei in unmittelbarer Nähe zum Düsseldorfer Standort agiert, hat bereits erste wichtige Etappenziele erreicht. Besonders hervorzuheben ist die Sicherung des Insolvenzgeldes, wodurch die Gehälter der Beschäftigten für einen Zeitraum von drei Monaten gedeckt sind. Dies wurde in enger Abstimmung mit der Arbeitsverwaltung realisiert, was Kebekus als einen wesentlichen Erfolg für die Beruhigung der Belegschaft bezeichnet. Parallel dazu laufen Verhandlungen über ein sogenanntes Massedarlehen. Ein zentraler Akteur in diesem Prozess ist der US-Investor Gordon Brothers, der erst wenige Monate vor dem aktuellen Insolvenzantrag einen Kredit in Höhe von über 100 Millionen Euro bereitgestellt hatte. Im Gegenzug für diese Finanzierung hatte sich der Investor umfangreiche Sicherheiten am Warenbestand gesichert. Kebekus zeigt sich zuversichtlich, dass an dem besagten Wochenende eine Einigung über die weitere Finanzierung erzielt werden kann. Zudem wurde klargestellt, dass die Konflikte, die zuletzt bei der Einlösung von Gutscheinen und der Warenverfügbarkeit aufgetreten waren, möglichst schnell beseitigt werden sollen, um den Kunden ein unbeschwertes Einkaufserlebnis während der Weihnachtszeit zu garantieren. Trotz der Rabattaktionen in grellem Pink, die in den Filialen auf die prekäre Lage hinweisen, bleibt der operative Betrieb vorerst in allen 83 Standorten aufrechterhalten.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die aktuelle Krise ist kein isoliertes Ereignis, sondern das Resultat einer langjährigen Abwärtsspirale. Galeria Kaufhof kämpft seit Jahrzehnten mit dem Verlust von Marktanteilen an spezialisierte Einzelhändler und den massiv wachsenden Onlinehandel. Die ökonomische Bilanz des Unternehmens wird zudem durch strukturelle Faktoren belastet: Die großflächigen Verkaufsräume erfordern einen hohen Energie- und Personalaufwand, während gleichzeitig die Mietbelastungen für die oft in zentralen Innenstadtlagen befindlichen Gebäude erheblich sind. Die Historie des Unternehmens ist dabei eng mit dem Namen René Benko und seiner Signa-Gruppe verbunden, deren Geschäftsgebaren, bei dem große Summen zwischen verschiedenen Firmen, Holdings und Stiftungen verschoben wurden, heute kritisch hinterfragt wird. Da dies bereits die vierte Insolvenz in kurzer Zeit ist, stellen Experten zunehmend infrage, ob das klassische Geschäftsmodell des Warenhauses in der heutigen Zeit überhaupt noch eine Daseinsberechtigung besitzt. Die vorangegangenen Sanierungsbemühungen, die mit massiven staatlichen Finanzspritzen unterstützt wurden, konnten den Abwärtstrend bisher nicht dauerhaft stoppen, was den Druck auf den aktuellen Insolvenzverwalter massiv erhöht.

Die Beteiligten im Prozess

Im Zentrum der Bemühungen steht der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus, der durch das Amtsgericht Düsseldorf mandatiert wurde und bereits über Erfahrung mit dem Unternehmen aus früheren Verfahren verfügt. Er fungiert als zentrale Schnittstelle zwischen der Geschäftsführung, den Gläubigern und der Belegschaft. Auf der Seite der Kapitalgeber spielt der US-Investor Gordon Brothers eine entscheidende Rolle, da er als Hauptgläubiger maßgeblich über die weitere Liquidität des Unternehmens entscheidet. Die Arbeitsverwaltung ist ein weiterer wichtiger Akteur, da sie die Finanzierung des Insolvenzgeldes ermöglicht hat, was für die soziale Stabilität der Belegschaft von zentraler Bedeutung ist. Ebenfalls betroffen sind die zahlreichen Lieferanten, mit denen Kebekus derzeit intensive Gespräche führt, um die Warenversorgung sicherzustellen. Die Kunden, die in den Filialen einkaufen, nehmen zwar die Rabattaktionen wahr, bilden aber dennoch die Basis für die Hoffnung auf einen erfolgreichen Fortbestand des Unternehmens. Die Rolle von René Benko und der Signa-Gruppe wird in der öffentlichen Debatte als Teil der Vorgeschichte und der damit verbundenen strukturellen Probleme des Unternehmenskomplexes thematisiert.

Einordnung der aktuellen Lage

Einzuordnen ist die Situation als eine existenzielle Zäsur für die deutsche Warenhauslandschaft. Den Berichten zufolge ist die Überzeugung von Insolvenzverwalter Kebekus, dass das Warenhaus grundsätzlich eine Berechtigung am Markt habe, zwar ein wichtiges Signal, doch die Realität der vergangenen Jahre spricht eine andere Sprache. Die Sanierung muss nach Ansicht des Verwalters diesmal sehr konservativ und mit harten Einschnitten erfolgen. Es ist davon auszugehen, dass das bisherige Konzept, das auf schiere Größe und ein breites Sortiment setzte, in der aktuellen Form nicht mehr tragfähig ist. Die Frage, warum Kunden in ein stationäres Warenhaus kommen sollten, wenn sie online bequemer und oft günstiger einkaufen können, bleibt das zentrale Problem. Die Schließung von Standorten gilt nach Einschätzung von Kebekus als wahrscheinlich, da nicht alle 83 Filialen in einem sanierten Unternehmen wirtschaftlich weitergeführt werden können. Die Strategie der "Umkehrung jedes Steins" deutet darauf hin, dass die bisherigen Konzepte als gescheitert angesehen werden und eine radikale Neuausrichtung unausweichlich ist, um überhaupt eine Chance auf ein Überleben in der deutschen Einzelhandelslandschaft zu haben.

Offene Fragen und wie es weitergeht

Der vorliegende Sachstand lässt zahlreiche Fragen unbeantwortet, die für die Zukunft des Unternehmens von entscheidender Bedeutung sind. So bleibt vollkommen offen, wie viele der 83 Standorte nach der Sanierung tatsächlich noch existieren werden und wie viele Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer fallen. Auch die genaue Ausgestaltung des neuen Geschäftskonzepts, mit dem sich Galeria von der Konkurrenz abheben will, ist derzeit noch nicht konkret definiert. Es bleibt zudem unklar, wie die langfristige Finanzierung über das Massedarlehen hinaus aussehen soll, sollte der Umsatz im Weihnachtsgeschäft hinter den Erwartungen zurückbleiben. Wie es weitergeht, hängt nun maßgeblich von den nächsten Tagen ab. Die finale Einigung über das Massedarlehen an diesem Wochenende ist der erste kritische Termin. Danach wird die Prüfung sämtlicher Standorte und Konzepte fortgesetzt. Die kommenden Monate werden darüber entscheiden, ob die letzte große Warenhauskette Deutschlands eine Zukunft hat oder ob das aktuelle Insolvenzverfahren den endgültigen Schlusspunkt unter die Geschichte von Galeria Kaufhof setzt. Der Zeitplan für die Umsetzung der harten Einschnitte ist dabei eng mit dem Ziel verknüpft, das Unternehmen für potenzielle Investoren wieder attraktiv zu machen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/macbook-pro-neben-silver-iphone-5s-270694/ · Foto: Pixabay
Quelle: https://www.zdfheute.de/wirtschaft/unternehmen/galeria-kaufhof-insolvenz-verwaltung-hoffnung-konzept-100.html