Einbruch der Geschäftszahlen im zweiten Quartal 2026
Der Automobilhersteller BMW sieht sich mit einer schwierigen wirtschaftlichen Lage konfrontiert. Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete das Unternehmen einen erheblichen Gewinneinbruch von etwa 35 Prozent. Nach Steuern belief sich der Gewinn auf 1,2 Milliarden Euro, während der Umsatz von 34 Milliarden auf 31 Milliarden Euro sank. Besonders deutlich zeigt sich die Krise im operativen Geschäft der Automobilsparte, wo der Gewinn um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen Euro zurückging. Interessanterweise erwirtschaftet die Finanzdienstleistungssparte des Konzerns inzwischen höhere Erträge als das eigentliche Kerngeschäft mit Fahrzeugen.
Schwäche am chinesischen Markt als Hauptursache
Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist die angespannte Situation in China. Der Absatz im dortigen Markt sank im zweiten Quartal um 30,2 Prozent auf 117.815 Fahrzeuge. Über das gesamte erste Halbjahr 2026 hinweg summiert sich der Rückgang auf 20,4 Prozent. BMW ist in China stark im Premiumsegment positioniert, das derzeit durch einen intensiven Preiskampf lokaler Elektroautohersteller wie BYD und Nio geprägt ist. Da BMW im Vergleich zu Wettbewerbern wie Volkswagen weniger breit aufgestellt ist, trifft diese Marktentwicklung den Münchner Konzern besonders hart.
Strategischer Stellenabbau bis 2027
Als Reaktion auf die sinkenden Margen und den hohen Wettbewerbsdruck hat BMW ein umfangreiches Sparprogramm initiiert. Bis Ende 2027 sollen weltweit rund 8000 Stellen abgebaut werden, wobei mehr als die Hälfte dieser Streichungen in Deutschland erwartet wird. Das Programm konzentriert sich primär auf indirekte Bereiche wie Verwaltung, Forschung und Entwicklung, Planung sowie den Vertrieb. Produktionsmitarbeiter in den Werken sind von den Maßnahmen explizit ausgenommen.
Um den Abbau sozialverträglich zu gestalten, setzt der Konzern auf ein freiwilliges Abfindungsprogramm, das ab Oktober 2026 starten soll. Für diese Personalmaßnahmen hat BMW Rückstellungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro gebildet. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach aktuellem Stand nicht vorgesehen. Finanzvorstand Walter Mertl betonte, dass das Ziel eine schlankere Kostenbasis und eine Reduzierung der Komplexität sei, nachdem bereits im Vorjahr Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro erzielt wurden.
Hoffnungsträger: Die „Neue Klasse“
Trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Herausforderungen verzeichnet BMW bei seinen batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) Zuwächse. Die Auslieferungen in diesem Segment stiegen im zweiten Quartal um 5,2 Prozent auf 116.807 Einheiten. Ein zentraler Hoffnungsträger ist dabei die neue Elektro-Plattform „Neue Klasse“. Diese ist konsequent auf batterieelektrische Antriebe ausgelegt und soll die technologische Wende einleiten.
Die Plattform bietet unter anderem:
- Eine Systemspannung von bis zu 800 Volt für verkürzte Ladezeiten.
- Eine neue Elektronik-Architektur mit zentralen Hochleistungsrechnern.
- Modulare Batteriepacks mit höherer Energiedichte.
Mit dem BMW iX3, der bereits in Europa gestartet ist, und dem in Kürze folgenden BMW i3 setzt der Konzern auf eine moderne Basis, die sich von den bisherigen Mischplattformen abhebt. Ob diese Strategie die erhoffte Trendwende bringt, wird sich jedoch erst zeigen, wenn die Plattform in den kommenden Jahren skaliert und die damit verbundenen Hochlaufkosten durch entsprechende Absatzzahlen kompensiert werden können.
Herausforderungen für die Zukunft
Der seit Mai 2026 amtierende Vorstandschef Milan Nedeljković beschrieb das Marktumfeld als zunehmend komplex. Neben dem globalen Wettbewerb belasten regulatorische Anforderungen, wie die strengeren EU-CO₂-Flottenziele, sowie geopolitische Spannungen das Geschäftsmodell. Besonders die Handelskonflikte zwischen der EU, den USA und China sowie die Volatilität bei Energiepreisen und Lieferketten für Halbleiter und Batterierohstoffe bleiben kritische Faktoren. Da der Gewinn von BMW seit Jahren kontinuierlich sinkt – von 6,6 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2023 auf rund 2,9 Milliarden Euro im aktuellen Berichtszeitraum – steht der Konzern unter erheblichem Druck, seine Effizienz nachhaltig zu steigern.