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Hacker schlagen zu: Datenklau bei Nius wirft Fragen von und zu Correctiv auf
Kultur · 09.10.2026 16:27

Hacker schlagen zu: Datenklau bei Nius wirft Fragen von und zu Correctiv auf

Kurz: Ein Hackerangriff auf das Portal Nius führt zu Spannungen mit der Journalistengruppe Correctiv. Es geht um Datenraub, journalistische Ethik und Vorwürfe.

Ein massiver Datendiebstahl erschüttert die Medienlandschaft

In der aktuellen Medienlandschaft hat ein schwerwiegender Vorfall für erhebliches Aufsehen gesorgt. Wie am Donnerstag bekannt wurde, ist das Portal Nius Opfer eines umfangreichen Hackerangriffs geworden. Dabei gelang es Unbekannten, eine Datenmenge von rund neun Gigabyte zu entwenden. Diese Informationen, die unter anderem sensible Angaben zu Abonnenten, personenbezogene Daten sowie Einblicke in das redaktionelle Wirken des Portals umfassen, sind laut Berichten mittlerweile frei im Internet zugänglich. Die Journalistengruppe Correctiv, die sich intensiv mit dem Vorfall befasste, gab an, die Echtheit dieser Daten durch stichprobenartige Abgleiche mit bereits veröffentlichten Inhalten überprüft und bestätigt zu haben. Dieser Datenraub stellt nicht nur eine massive Verletzung der digitalen Sicherheit dar, sondern wirft auch grundlegende Fragen über den Umgang mit illegal beschafftem Material innerhalb des journalistischen Betriebes auf. Die Situation ist hochgradig aufgeladen, da die betroffene Seite Nius den Akteuren von Correctiv vorwirft, die Situation nicht nur beobachtet, sondern in einer Weise agiert zu haben, die über eine klassische journalistische Recherche hinausgehe. Der Vorfall markiert einen neuen Tiefpunkt in der Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Akteuren des digitalen Publizismus in Deutschland.

Die Details des Vorfalls und die Rolle der Beteiligten

Die konkreten Zahlen und Abläufe zeichnen ein komplexes Bild. Die erbeuteten neun Gigabyte an Daten enthalten nach Angaben von Correctiv sensible Informationen, wobei die Organisation betonte, aus Gründen der journalistischen Vertraulichkeit auf die Veröffentlichung von Klarnamen und Nutzerdaten zu verzichten. Nius-Chefredakteur Julian Reichelt äußerte sich scharf zu den Vorgängen. Er kritisierte, dass Correctiv bereits seit Wochen von dem Datenraub gewusst habe, ohne diesen öffentlich zu machen. Stattdessen habe die Organisation am 5. Oktober eine Anfrage an Nius gestellt, in der sie einräumte, Einblick in einen umfassenden Datensatz aus dem System von Nius.de erhalten zu haben. Reichelt bezeichnete dieses Vorgehen als „Ausforschen“ und nicht als legitime journalistische Tätigkeit. Auf der anderen Seite steht die Aussage von Correctiv-Chefredakteur Justus von Daniels. Er erklärte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass man zu keinem Zeitpunkt an der illegalen Beschaffung der Daten beteiligt gewesen sei. Man habe lediglich anonyme Hinweise erhalten, dass die Daten frei im Netz zugänglich seien. Die Herkunft des Materials sei Correctiv nach eigenen Angaben unbekannt, und den Vorwurf des Ausforschens wies von Daniels entschieden zurück.

Hintergrund und bisheriger Verlauf der Auseinandersetzung

Die Vorgeschichte dieses Vorfalls ist geprägt von einer bereits länger existierenden Distanz und gegenseitigen Kritik zwischen Nius und Correctiv. Die mediale Auseinandersetzung findet vor dem Hintergrund statt, dass Correctiv für seine Arbeit teilweise öffentliche Gelder erhält, was von Kritikern wie Julian Reichelt immer wieder thematisiert wird. Der aktuelle Datenraub ist somit kein isoliertes Ereignis, sondern reiht sich in eine Serie von Spannungen ein. Bereits in der Vergangenheit gab es gerichtliche Auseinandersetzungen, bei denen Correctiv-Berichte etwa im Zusammenhang mit dem sogenannten „Masterplan“-Bericht oder Zitaten von zu Guttenberg kritisch hinterfragt wurden. Auch die rechtliche Bewertung der journalistischen Arbeit von Correctiv durch Gerichte – etwa die Einschätzung als „unklar, ungenau und unvollständig“ in einem früheren Fall – wird von Nius als Argumentationsgrundlage genutzt. Dass nun ausgerechnet ein Hackerangriff auf die Infrastruktur von Nius die Akteure erneut zusammenführt, verleiht der ohnehin angespannten Beziehung eine neue, technische und kriminelle Dimension, die weit über den üblichen Schlagabtausch zwischen Medienhäusern hinausgeht.

Die Akteure im Fokus der Kontroverse

Die zentralen Akteure in diesem Konflikt sind das Portal Nius, vertreten durch seinen Chefredakteur Julian Reichelt, und die Journalistengruppe Correctiv, vertreten durch Chefredakteur Justus von Daniels. Julian Reichelt sieht in dem Vorgehen von Correctiv einen Angriff auf die Pressefreiheit. Er verknüpft seine Kritik mit der Finanzierung von Correctiv und stellt die rhetorische Frage, ob die Ausspähung von Redaktionssystemen noch mit den Werten einer freien Presse vereinbar sei. Auf der anderen Seite steht Correctiv, eine Organisation, die sich selbst der investigativen Recherche verschrieben hat. Ein weiterer Akteur, der in den Berichten auftaucht, ist Jean Peters, ein Mitglied von Correctiv. Er war für einen Auftritt an der Berliner Volksbühne vorgesehen, bei dem es um „Geheime Pläne“ und eine Recherche über „rechte Medienmacht“ gehen sollte. Diese Verknüpfung zwischen der laufenden Recherche von Correctiv und dem Datenraub bei Nius verstärkt bei den Betroffenen den Eindruck, dass hier eine gezielte Kampagne geführt werde. Die Institutionen und Personen stehen sich in einem unversöhnlichen Diskurs gegenüber, bei dem es um die Deutungshoheit und die moralische Integrität journalistischer Arbeit geht.

Einordnung der Ereignisse und mediale Bewertung

Einzuordnen ist dieser Vorfall als ein bemerkenswertes Beispiel für die Erosion von Vertrauen in der digitalen Medienwelt. Den Berichten zufolge ist die Grenze zwischen einer legitimen journalistischen Aufarbeitung von Datenlecks und der potenziellen Komplizenschaft bei einer Straftat hier der Kernpunkt der Debatte. Dass Correctiv explizit betont, man verzichte darauf, aus den Daten Kapital zu schlagen oder Klarnamen zu veröffentlichen, wird von Beobachtern als Versuch gewertet, die eigene journalistische Integrität zu wahren. Dennoch bleibt die Frage, ob die bloße Anfrage bei Nius, die auf dem Wissen über den Datenraub basierte, bereits eine Grenzüberschreitung darstellt. Nius bewertet dies als „Ausforschen“, während Correctiv dies als Teil einer investigativen Recherche darstellt. Einzuordnen ist zudem die politische Dimension: Die Anspielung von Reichelt auf die steuerfinanzierte Arbeit von Correctiv zielt darauf ab, die Glaubwürdigkeit der Organisation als unabhängige Instanz zu untergraben. Es zeigt sich ein tiefes Misstrauen, das durch den Hackerangriff weiter befeuert wird und die Frage aufwirft, wie Medien künftig mit Daten umgehen sollten, die aus illegalen Quellen stammen.

Offene Fragen und die Lücken in der Berichterstattung

Trotz der vorliegenden Informationen bleiben zentrale Fragen unbeantwortet. Der Quelltext gibt keinen Aufschluss darüber, wer die tatsächlichen Täter hinter dem Hackerangriff auf Nius sind. Es bleibt völlig unklar, wie die Daten technisch entwendet wurden und ob es eine direkte Verbindung zwischen den Hackern und der Journalistengruppe Correctiv gibt, wie es von Nius-Seite angedeutet wurde. Ebenso wenig ist bekannt, welche spezifischen „Redaktionsinterna“ Correctiv in der Anfrage vom 5. Oktober genau abfragte und welche Beweise für die angebliche „Steuerfinanzierung“ der betroffenen Redaktionssysteme vorliegen. Es fehlt zudem eine abschließende rechtliche Einordnung, ob die Anfrage von Correctiv den Tatbestand der Hehlerei oder anderer strafrechtlicher Delikte berühren könnte. Auch die Frage, ob weitere Medienhäuser von dem Datenraub betroffen sind oder ob die Hacker gezielt nur Nius ins Visier genommen haben, bleibt im Dunkeln. Die genauen Umstände, wie Correctiv den anonymen Hinweis erhielt und wie die Verifizierung der Daten im Detail ablief, sind ebenfalls nicht vollständig transparent, was den Raum für Spekulationen auf beiden Seiten offen lässt.

Wie es weitergeht: Ausstehende Entwicklungen

Für die Zukunft ist mit weiteren juristischen und medialen Auseinandersetzungen zu rechnen. Da es sich um eine Straftat handelt, ist davon auszugehen, dass die Ermittlungsbehörden mit dem Fall befasst sind oder sein werden, um die Urheber des Datenraubs zu identifizieren. Nius hat bereits deutlich gemacht, dass man das Vorgehen von Correctiv nicht tatenlos hinnehmen will, was auf weitere rechtliche Schritte oder eine Fortführung des öffentlichen Konflikts hindeutet. Die Frage, ob die gestohlenen Daten weiterhin im Internet kursieren und ob sie von anderen Akteuren für weitere Berichte genutzt werden, bleibt ein kritischer Punkt. Auch die Rolle der Berliner Volksbühne und die dort präsentierten Recherchen von Jean Peters könnten in den kommenden Tagen erneut in den Fokus rücken, insbesondere wenn sich herausstellt, dass die dort präsentierten Inhalte auf den gestohlenen Nius-Daten basieren. Die Fronten sind verhärtet, und eine Deeskalation ist derzeit nicht in Sicht. Die Öffentlichkeit wird beobachten müssen, ob sich die Vorwürfe des „Ausforschens“ erhärten lassen oder ob Correctiv die Vorwürfe durch eine transparente Offenlegung der eigenen Recherchewege entkräften kann.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/sonnenuntergang-fashion-mode-mann-4588829/ · Foto: ArtHouse Studio
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/hacker-rauben-daten-bei-nius-correctiv-fragt-an-nius-hegt-verdacht-201303578.html