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Google Cloud und Thales: Trotz deutscher Server kein Geheimschutz für Regierungsdaten
Technik · 13.10.2026 18:57

Google Cloud und Thales: Trotz deutscher Server kein Geheimschutz für Regierungsdaten

Kurz: Google Cloud und Thales starten ein gemeinsames Cloud-Angebot in Deutschland, doch trotz lokaler Rechenzentren bleibt der Geheimschutz für Regierungsdaten aus.

Was geschehen ist: Der Start der Thales Google Secure Cloud

In Berlin haben Vertreter von Google Cloud und Thales am 12. Oktober 2026 den offiziellen Startschuss für eine neue, spezialisierte Cloud-Plattform gegeben. Das Projekt, das unter dem Namen „Thales Google Secure Cloud“ firmiert, richtet sich gezielt an Unternehmen sowie an die öffentliche Verwaltung in Deutschland. Wie die Verantwortlichen bei der Bekanntgabe erläuterten, befinden sich die ersten Testkunden bereits im aktiven Betrieb der Infrastruktur. Um den hohen Anforderungen an Datensouveränität und Sicherheit gerecht zu werden, wurden eigens für dieses Angebot neue Rechenzentren auf deutschem Boden errichtet. Trotz dieser räumlichen Nähe und einer komplexen operativen Struktur, bei der ein eigenständiges deutsches Unternehmen die Kontrolle übernimmt, gibt es jedoch eine entscheidende Einschränkung: Daten, die dem staatlichen Geheimschutz unterliegen, dürfen nach aktuellem Stand nicht in dieser Cloud gespeichert werden. Diese Nachricht markiert einen wichtigen Punkt in der Debatte um digitale Souveränität, da sie verdeutlicht, dass physische Standorte in Deutschland allein nicht ausreichen, um die komplexen rechtlichen Verflechtungen mit US-amerikanischen Gesetzen vollständig zu entkoppeln.

Die Einzelheiten: Architektur, Kosten und Kontrollmechanismen

Das Projekt wird durch eine eigens geschaffene Betreibergesellschaft realisiert, die operativ und rechtlich unabhängig agieren soll. Nils Hendrich, COO bei Thales Secure Cloud Deutschland, bestätigte auf Nachfrage, dass die Nutzung für Geheimdaten ausgeschlossen ist. Die technische Basis liefert Google, während Thales die operative Kontrolle sowie die alleinige Hoheit über die Verschlüsselungsschlüssel innehat. Um das Vertrauen in die proprietäre Google-Software zu stärken, wurde ein spezielles Verfahren etabliert: Thales erhält Einblick in den Quellcode der Google Cloud, allerdings unter strengen Auflagen. Dieser Prozess findet in einem sogenannten Greenroom statt, in dem jegliche Aufzeichnungsmittel wie Kameras, Papier oder Stifte verboten sind. Marcus Mühling, CEO der Thales Secure Cloud Deutschland, betonte, dass dieser hohe Sicherheitsaufwand seinen Preis hat. Kunden müssen für die Secure-Cloud-Variante einen Aufpreis von etwa 25 Prozent gegenüber der Standard-Google-Cloud einplanen. Diese Kosten decken nicht nur die Infrastruktur ab, sondern auch die Maßnahmen zur Härtung des Systems und den administrativen Aufwand für die Überwachung der Software-Integrität.

Hintergrund: Das Dilemma des US Cloud Act

Die Ursache für die bestehenden Einschränkungen liegt in der US-amerikanischen Gesetzgebung, insbesondere im „Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act“, kurz Cloud Act. Dieses Gesetz verpflichtet US-amerikanische IT-Unternehmen sowie deren Tochtergesellschaften dazu, US-Behörden Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewähren, selbst wenn sich die entsprechenden Server physisch außerhalb der USA befinden – etwa in einem Rechenzentrum in Frankfurt am Main. Der Standort des Servers ist in diesem rechtlichen Kontext weitgehend wirkungslos, sobald ein US-Konzern an der Bereitstellung der Technologie beteiligt ist. US-Ermittlungsbehörden haben dadurch die Möglichkeit, Daten ohne ein internationales Rechtshilfeabkommen und ohne eine Benachrichtigung der betroffenen Nutzer oder Unternehmen anzufordern. Diese rechtliche Realität bildet das Kernproblem für Behörden, die mit sensiblen Informationen arbeiten. Die Partnerschaft zwischen Google und Thales versucht zwar, durch eine operative Trennung und die Schlüsselshoheit von Thales ein Bollwerk gegen diesen Zugriff zu errichten, doch die rechtliche Basis des Cloud Act bleibt ein Hindernis, das sich durch rein technische Maßnahmen nicht vollständig aushebeln lässt.

Die Beteiligten: Akteure und Institutionen

An der Schnittstelle zwischen Technologie und Sicherheit agieren aufseiten von Google Cloud Wieland Holfelder, der als Vice President Engineering fungiert, sowie Michael Neuber. Sie repräsentieren den Technologiegeber, der die Cloud-Architektur und den Software-Stack zur Verfügung stellt. Auf der Seite von Thales Secure Cloud Deutschland sind Nils Hendrich als COO und Marcus Mühling als CEO die zentralen Ansprechpartner. Sie verantworten die operative Umsetzung und die Sicherheitsarchitektur des neuen Angebots. Die Rollenverteilung ist dabei klar definiert: Thales fungiert als Betreibergesellschaft, die die operative Kontrolle über die Plattform ausübt, während Google die zugrundeliegende Technologie liefert. Diese Konstellation soll als Brücke zwischen der Leistungsfähigkeit der Google-Infrastruktur und den strengen regulatorischen Anforderungen des deutschen Marktes dienen. Die Beteiligten stehen dabei unter der Beobachtung von Experten, die die Wirksamkeit dieser Trennung kritisch hinterfragen, insbesondere im Hinblick auf die Abhängigkeit von der proprietären Softwarebasis des US-Unternehmens.

Einordnung: Sicherheit trotz technologischer Abhängigkeit

Einzuordnen ist das Angebot der Thales Google Secure Cloud als ein Versuch, den Spagat zwischen moderner Cloud-Nutzung und regulatorischer Sicherheit zu meistern. Den Berichten zufolge bietet die Plattform zwar Schutz für Daten während der Übertragung und der Speicherung, doch Experten bleiben skeptisch. Das Hauptproblem besteht darin, dass die zugrundeliegende Architektur von Google stammt und somit proprietär ist. Selbst bei einer lokalen Betriebsführung durch Thales lassen sich potenzielle Hintertüren oder ein unbemerktes Abfließen von Informationen nicht vollständig ausschließen. Die Verschlüsselung schützt zwar vor unbefugten Zugriffen auf die Dateninhalte, kann jedoch keine Sicherheitslücken im Quellcode der Google-Software selbst beheben. Die Einblicke in den Quellcode im Greenroom sind ein Vertrauensbeweis, doch sie ändern nichts an der grundlegenden Tatsache, dass die technologische Basis US-Recht unterliegt. Das bedeutet, dass die Sicherheit der Plattform immer nur so stark sein kann wie die Integrität des zugrunde liegenden Software-Stacks, der trotz aller Bemühungen eine Blackbox für den Betreiber bleibt.

Offene Fragen und wie es weitergeht

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, insbesondere hinsichtlich der konkreten Anforderungen, die eine Anwendung erfüllen müsste, um als „geheimschutzrelevant“ eingestuft zu werden, und ob es mittelfristig politische Bestrebungen gibt, den Cloud Act durch bilaterale Abkommen zu entschärfen. Auch bleibt unklar, wie viele Kunden sich trotz des 25-prozentigen Aufpreises für die Lösung entscheiden werden. Was die Zukunft betrifft, so ist der nächste offizielle Meilenstein für den 16. Dezember 2026 terminiert: An diesem Tag wollen die Partner den offiziellen Namen der Plattform vorstellen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vorsorge für den Fall von US-Sanktionen. Für ein solches Szenario, in dem die USA Exportbeschränkungen verhängen, verspricht Thales eine autarke Betriebsfähigkeit von bis zu 12 Monaten. In dieser Zeit könnte das System ohne Sicherheitsupdates oder Patches vom Mutterkonzern Google weiterbetrieben werden, um den laufenden Betrieb für die Kunden sicherzustellen. Ob dieser Zeitraum für eine dauerhafte Krisenbewältigung ausreicht oder ob danach ein Totalausfall droht, bleibt eine der zentralen Herausforderungen für die langfristige Planung der Nutzer.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schwarzes-samsung-tablet-google-browser-auf-dem-bildschirm-anzeigen-218717/ · Foto: AS Photography
Quelle: https://www.golem.de/news/google-cloud-und-thales-trotz-deutscher-server-kein-geheimschutz-fuer-regierungsdaten-2610-214071.html