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Gezeitenstrom: Turbine soll im Schwarm bezahlbaren Strom liefern
Technik · 29.07.2026 10:06

Gezeitenstrom: Turbine soll im Schwarm bezahlbaren Strom liefern

Kurz: Das Start-up Sitkana setzt auf kleine, vernetzte Gezeitenturbinen, um abgelegene Regionen in Alaska effizient und nachhaltig mit Strom zu versorgen.

Ein neuer Ansatz für die Meeresenergie

Die Gewinnung von Energie aus Gezeitenströmen gilt seit langem als vielversprechende, aber technisch anspruchsvolle Quelle für erneuerbare Energien. Während bisher meist auf massive, fest verankerte Großanlagen gesetzt wurde, schlägt das US-amerikanische Start-up Sitkana einen anderen Weg ein. Das Unternehmen aus Juneau, Alaska, entwickelt kompakte Turbinen, die nicht als Einzelbauwerke, sondern als skalierbare Netzwerke konzipiert sind. Dieser modulare Ansatz soll die Stromerzeugung flexibler und wirtschaftlicher gestalten.

Praxistests unter realen Bedingungen

Um die Zuverlässigkeit der Technologie zu validieren, führt das Unternehmen derzeit umfangreiche Testläufe durch. Ein zentraler Ort für diese Erprobungen ist der Cape-Cod-Canal in Massachusetts. Dieser über zehn Kilometer lange Kanal bietet ideale Voraussetzungen, da er zwei Meeresbuchten miteinander verbindet und somit eine durch die Gezeiten bedingte, konstante Strömung aufweist. Die Bedingungen vor Ort sind anspruchsvoll: Bei einer Wassertiefe von sieben Metern erreicht die Strömungsgeschwindigkeit laut den Betreibern etwa 1,5 Meter pro Sekunde. Diese Umgebung ermöglicht es, das Verhalten der Turbinen über längere Zeiträume hinweg präzise zu analysieren.

Ergänzend zu den Tests in Massachusetts ist bereits ein erster Prototyp in Alaska im Einsatz. Seit Anfang 2026 sammelt das Unternehmen dort wertvolle Daten aus dem laufenden Probebetrieb, um die Technik für den spezifischen Einsatz in der Region zu optimieren.

Lösung für die Energieversorgung in Alaska

Der Hintergrund für diese Entwicklung ist die spezifische geografische Situation Alaskas. Der US-Bundesstaat ist dünn besiedelt und verfügt über kein flächendeckendes Stromnetz. Viele abgelegene Gemeinden sind daher gezwungen, ihren Energiebedarf durch den Betrieb von Dieselgeneratoren zu decken. Dies ist nicht nur kostspielig, sondern auch ökologisch problematisch.

CEO Lance McMullan sieht in der Gezeitenkraft eine logische Alternative. Da die Küsten Alaskas stark zerklüftet sind und von tiefen Meeresarmen durchzogen werden, bieten sie ein hohes Potenzial für die Nutzung von Strömungsenergie. Die Strategie von Sitkana sieht vor, dass die Turbinen direkt am Meeresgrund verankert werden. Der erzeugte Strom wird über eine Boje an der Wasseroberfläche abgeleitet und in das lokale Netz eingespeist.

Skalierbarkeit durch das Schwarm-Prinzip

Das System ist modular aufgebaut, was eine flexible Anpassung an den jeweiligen Energiebedarf ermöglicht:

* **Individuelle Anpassung:** Je nach Tiefe und Strömungsstärke des Gewässers kann die Anzahl der Turbinen variiert werden.

* **Haushaltsversorgung:** Ein kleiner Verbund aus vier bis sechs Einheiten soll ausreichen, um einen Haushalt zu versorgen.

* **Gemeindebetrieb:** Größere Netzwerke aus mehreren Modulen sind darauf ausgelegt, ganze Ortschaften zu unterstützen.

Obwohl die Technologie die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen nicht vollständig eliminieren kann, bietet sie einen signifikanten Vorteil: die Vorhersehbarkeit. Da Gezeitenströme verlässlich auftreten, kann die Anlage täglich über mehrere Stunden Strom liefern. Dies reduziert den Bedarf an Dieselgeneratoren spürbar und trägt zu einer stabileren Energieversorgung in entlegenen Gebieten bei.

Ausblick und Einordnung

Die nächsten Schritte für Sitkana bestehen darin, die Langzeitstabilität der Turbinen in den verschiedenen Testumgebungen zu beweisen. Da die USA einen vergleichsweise hohen Stromverbrauch pro Haushalt aufweisen – etwa das Zwei- bis Dreifache eines europäischen Haushalts –, liegt die Messlatte für die Effizienz der Anlagen hoch. Bisher liegen noch keine detaillierten Daten zur exakten Leistung oder den zu erwartenden Strommengen vor. Dennoch markiert der Ansatz, durch kleine, erweiterbare Einheiten eine verlässliche Energiequelle zu schaffen, eine interessante Entwicklung für die dezentrale Stromerzeugung in schwer zugänglichen Küstenregionen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/windturbine-windmuhle-nachhaltigkeit-propeller-11547260/ · Foto: aravinth photography
Quelle: https://www.golem.de/news/gezeitenstrom-turbine-soll-im-schwarm-bezahlbaren-strom-liefern-2607-211390.html