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Geben steigende Öl- und Gaspreise der Inflation neuen Schub?
Schlagzeilen · 11.03.2026 06:19

Geben steigende Öl- und Gaspreise der Inflation neuen Schub?

Kurz: Steigende Energiepreise durch den Iran-Krieg wecken Inflationssorgen in Europa. Ökonomen warnen vor einem neuen Preisschock.

Steigende Energiepreise und ihre Auswirkungen auf die Inflation

Die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten, insbesondere der Iran-Krieg, haben bereits zu einem signifikanten Anstieg der Energiepreise geführt. Dies wirft die Frage auf, ob wir uns auf einen neuen Inflationsschub einstellen müssen.

Anstieg der Energiepreise

Seit Beginn des Iran-Kriegs haben die Ölpreise in der Spitze fast 120 Dollar erreicht, während die Gaspreise sich zeitweise verdoppelt haben. Diese Entwicklungen erinnern stark an die Preisschocks des Jahres 2022, als die Inflation in Europa bereits stark anstieg.

Einfluss auf Verbraucher und Unternehmen

Die höheren Energiepreise wirken sich unmittelbar auf die Lebenshaltungskosten aus. Besonders betroffen sind die Preise für Benzin und Heizöl, die schnell ansteigen. Auch für Unternehmen sind die Folgen gravierend, da die Produktions- und Transportkosten steigen.

Kurzfristiger Preisschock oder nachhaltige Inflation?

Die zentrale Frage ist, ob es sich nur um einen kurzfristigen Preisschock handelt oder ob wir den Beginn einer neuen Inflationsära erleben. Laut Experten hängt dies maßgeblich von der Dauer des Konflikts im Nahen Osten ab.

  • **Rasche Beilegung des Konflikts**: In diesem Fall könnten die Ölpreise schnell wieder fallen, was nur temporäre Verzerrungen in der Inflationsrate zur Folge hätte.
  • **Langfristige Preiserhöhungen**: Sollten die Ölpreise jedoch über längere Zeit hoch bleiben, könnte dies nachhaltige Auswirkungen auf die Inflation haben.

Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank, betont, dass ein Ölpreis von durchschnittlich 80 Dollar oder mehr langfristig die Inflationsrate ansteigen lassen könnte.

Steigende Gas- und Strompreise

Die Situation ist nicht nur auf Öl beschränkt. Auch die Preise für Gas und Strom steigen, was vor allem auf Störungen in der Produktion und dem Transport von verflüssigtem Erdgas (LNG) zurückzuführen ist. Diese Preissteigerungen werden sich jedoch erst mit Verzögerung in der Inflationsstatistik niederschlagen, da die Versorger ihre Tarife erst anpassen müssen.

Zweitrundeneffekte und Lohnforderungen

Ein weiteres Risiko sind die sogenannten Zweitrundeneffekte. Wenn Arbeitnehmer aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten höhere Löhne fordern, können Unternehmen diese Kosten an die Verbraucher weitergeben, was die Inflation zusätzlich verstärkt. Laut Edgar Walk, Chefökonom des Bankhauses Metzler, ist die Gefahr solcher Effekte aufgrund der Erfahrungen nach dem Ukraine-Krieg besonders hoch.

Reaktionen an den Finanzmärkten

Die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten sind bereits gestiegen. Dies zeigt sich unter anderem in den fallenden Kursen deutscher Bundesanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg kürzlich auf 2,93 Prozent. Anleger rechnen bereits mit Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Herausforderungen für die Europäische Zentralbank

Die EZB steht vor der Herausforderung, auf die steigenden Inflationserwartungen zu reagieren. Sollte der Ölpreis nachhaltig bei oder über 100 Dollar liegen, könnte die EZB gezwungen sein, die Zinsen schneller zu erhöhen als geplant.

Lehren aus der Vergangenheit

Die Erfahrungen aus der Hochinflationsphase nach dem Ukraine-Krieg haben gezeigt, dass die EZB anfänglich die Inflation unterschätzte. Diese schmerzhafte Lektion könnte dazu führen, dass die Zentralbank diesmal proaktiver handelt. Marten erklärt, dass die EZB diesmal schneller auf die Inflation reagieren könnte, um einen drastischen Anstieg der Inflationserwartungen zu vermeiden.

Ausblick auf die kommenden Monate

Die Finanzmärkte sind pessimistischer als noch vor wenigen Wochen. Analysten rechnen mit mindestens zwei Leitzinserhöhungen bis zum Jahresende, falls die Energiepreise hoch bleiben. Die Dauer des Konflikts im Nahen Osten wird entscheidend sein, um die zukünftige Inflation zu bestimmen.

Insgesamt bleibt die Situation angespannt, und die Entwicklung der Energiepreise wird genau beobachtet werden müssen, um die Auswirkungen auf die Inflation und die Wirtschaft in Europa zu verstehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fashion-mode-kaffee-entspannung-6235462/ · Foto: Anastasia Shuraeva
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/inflation-oelpreis-iran-krieg-ezb-100.html