Ein Leben für den Sieg
Pauline Ferrand-Prévôt geht als Titelverteidigerin in die fünfte Auflage der Tour de France Femmes, die am Samstag in Lausanne startet. Die Französin, die im Vorjahr mit ihrem souveränen Gesamtsieg eine jahrzehntelange Durststrecke für den französischen Radsport beendete, blickt mit einer Mischung aus Stolz und Entschlossenheit auf das kommende Rennen. Für die Athletin, die auch im Mountainbike, Cyclocross und Gravel-Bereich Erfolge feiert, ist der Radsport weit mehr als ein Hobby: „Für mich steht der Erfolg über allem“, betont sie im Vorfeld der Rundfahrt.
Zwischen nationaler Euphorie und persönlichem Druck
Der Sieg im vergangenen Jahr löste in Frankreich eine Welle der Begeisterung aus. Ferrand-Prévôt wurde in den Medien als „Erlöserin“ gefeiert, da sie die erste französische Gesamtsiegerin seit langer Zeit war. Selbst Staatspräsident Emmanuel Macron gratulierte ihr unmittelbar nach der letzten Etappe persönlich. Die Radsportlerin gibt zu, dass sie dieser Stellenwert berührt, auch wenn er neue Herausforderungen mit sich bringt. Die gestiegene Popularität führt im Alltag zu mehr Ablenkungen durch Autogrammwünsche oder Fan-Kontakte, was sie jedoch als Zeichen der Wertschätzung wahrnimmt.
Im Vergleich zu ihrem Olympiasieg 2024 in Paris, den sie als eine Art „Pflichtaufgabe“ unter enormem Erwartungsdruck beschreibt, empfand sie den Tour-Sieg im Vorjahr als befreiter. Während Olympia ein Heimspiel mit massivem Erfolgszwang war, ging sie die Tour 2025 mit einer gelasseneren Einstellung an, die sich letztlich als erfolgreich erwies.
Fokus auf die Vorbereitung
Die Vorbereitung auf die Tour de France Femmes ist für Ferrand-Prévôt kein notwendiges Übel, sondern der Teil ihrer Karriere, den sie am meisten schätzt. Sie beschreibt sich selbst als extrem in ihrer Zielverfolgung. Dass ihre Frühjahrsergebnisse – etwa bei Lüttich-Bastogne-Lüttich oder der Vuelta – nicht immer erstklassig waren, ordnet sie als bewusste Phasen ein, in denen sie primär als Teammitglied agierte und an ihrer Form für den Saisonhöhepunkt arbeitete.
Umgang mit kritischen Debatten
Im Vorjahr sorgte Ferrand-Prévôt durch ihre sichtbare Gewichtsreduktion für eine öffentliche Debatte im Frauen-Radsport. Die Athletin stellt klar, dass sie ihre körperliche Verfassung in enger Abstimmung mit Ernährungsberatern und ihrem Team steuert. Während sie die öffentliche Kritik an ihrer Person weitgehend unberührt ließ, räumt sie ein, dass die Diskussionen ihre Familie, insbesondere ihre Eltern, belastet haben. Sie betont, dass sie ihre individuellen Methoden zur Leistungsoptimierung kenne und diese nicht zwangsläufig auf andere Fahrerinnen übertragbar seien.
Ausblick auf die Tour 2026
Die diesjährige Tour de France Femmes hält mit dem Mont Ventoux am Ende der siebten Etappe eine besondere Herausforderung bereit. Ferrand-Prévôt zeigt sich gut vorbereitet und respektvoll gegenüber der Konkurrenz. Als größte Herausforderin sieht sie die Niederländerin Demi Vollering, deren konstante Form über das gesamte Jahr sie bewundert. Zudem nennt sie Anna van der Breggen, Marlen Reusser und Kasia Niewadoma als weitere Fahrerinnen, die es zu schlagen gilt. Ihr Rezept für den erneuten Triumph bleibt dabei pragmatisch: „Indem ich besser bin.“