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Für 440 Euro: Dieser Roboter ist eine Ente
Technik · 29.08.2026 12:35

Für 440 Euro: Dieser Roboter ist eine Ente

Kurz: Der französische Hersteller Pollen Robotics bringt mit Microduck eine Roboterente für 440 Euro auf den Markt – ein Spielzeug für KI-Bastler oder mehr?

Ein technisches Kuriosum: Die Roboterente Microduck

Der französische Robotik-Spezialist Pollen Robotics hat mit der Vorstellung von Microduck für Aufsehen in der Technikszene gesorgt. Es handelt sich dabei um eine elektronische Roboterente, die nicht nur durch ihr ungewöhnliches Design, sondern vor allem durch ihren Preis von 440 Euro besticht. Das Gerät ist darauf ausgelegt, zu watscheln, Geräusche zu machen und mit seinem Schnabel zuzuschnappen. In einer Zeit, in der Robotik oft mit hochkomplexen und extrem teuren Industrielösungen assoziiert wird, markiert dieses Produkt einen bewussten Gegenentwurf. Die Ente ist in vier verschiedenen Farbkombinationen erhältlich, die sich optisch an der Ästhetik der neunziger Jahre orientieren. Die Zielgruppe ist dabei breit gefächert: Vom neugierigen Bastler im heimischen Kinderzimmer bis hin zu Startups und universitären Forschungseinrichtungen soll das Gerät als niedrigschwelliger Einstieg in die Welt der Robotik dienen. Die Kernmeldung ist dabei die Kombination aus spielerischem Design und ernstzunehmender technischer Ausstattung, die es Nutzern ermöglicht, erste Schritte in der Programmierung und Interaktion mit physischen Systemen zu unternehmen, ohne dabei ein Vermögen investieren zu müssen.

Technische Details und Ausstattung im Überblick

Trotz des vergleichsweise niedrigen Preises ist Microduck keineswegs ein bloßes Spielzeug ohne Substanz. Das Gerät ist mit insgesamt 15 Aktuatoren ausgestattet, die eine präzise Steuerung von Beinen, Kopf, Hals und dem Schnabel ermöglichen. Für die Orientierung in der Umgebung sorgt eine Frontkamera in Kombination mit einem kompakten LiDAR-System, das auf einer 8x8-Time-of-Flight-Matrix basiert. Zur weiteren Sensorik gehören zwei Inertialmesseinheiten (IMUs), ein integriertes Soundsystem sowie ein Mikrofon. Die Konnektivität wird durch WLAN und Bluetooth sichergestellt, zudem sind zwei NFC-Antennen verbaut. Als Energiequelle dient ein Standard-Kamera-Akku des Typs NP-F550 mit einer Kapazität von 2600 mAh, der eine Betriebsdauer von etwa einer Stunde ermöglicht. Ein besonderer Aspekt ist die Offenheit des Systems: Der gesamte Software-Stack ist als Open-Source konzipiert. Zudem lässt sich die Roboterente mit Python-Skripten steuern, was den Nutzern eine hohe Flexibilität bei der Programmierung eigener Verhaltensmuster bietet. Die Hardware besteht zudem weitestgehend aus Standard-Bauteilen, was die Wartung und Anpassung für technisch versierte Anwender deutlich vereinfacht.

Der Hintergrund: Wandel bei Pollen Robotics

Die Entwicklung von Microduck ist eng mit der strategischen Neuausrichtung von Pollen Robotics verknüpft. Das Unternehmen, das in der Fachwelt vor allem durch den humanoiden Roboter Reachy 2 bekannt wurde, gehört seit Mitte 2025 zur Machine-Learning-Plattform Hugging Face. Dieser Übergang hat die Unternehmensphilosophie maßgeblich beeinflusst, da sich der Fokus seither verstärkt auf kostengünstige Robotik-Lösungen verschoben hat. Bereits Ende des vergangenen Jahres wurde mit dem Reachy Mini ein Roboter für 340 Euro eingeführt, der in Tests durchaus positiv bewertet wurde, jedoch für seine eingeschränkten Fähigkeiten beim Gehen und Greifen kritisiert wurde. Microduck kann als direkte Antwort auf dieses Feedback verstanden werden. Das neue Modell schließt genau diese Lücke, indem es die Mobilität durch das Watscheln und die Interaktionsfähigkeit durch das Schnappen mit dem Schnabel verbessert. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie Pollen Robotics versucht, die Erkenntnisse aus der Arbeit mit komplexeren Systemen in kompaktere und erschwinglichere Formfaktoren zu übertragen, um eine breitere Nutzerbasis anzusprechen.

Die Akteure und das Ökosystem

Im Zentrum dieses Projekts steht Pollen Robotics, ein Unternehmen, das nun unter dem Dach von Hugging Face agiert. Die Verbindung zu Hugging Face ist dabei von entscheidender Bedeutung, da das Unternehmen selbst kurz vor einer Übernahme durch Nvidia steht. Diese Konstellation unterstreicht das wachsende Interesse der großen Tech-Player an der Schnittstelle zwischen KI-Software und physischer Hardware. Die Nutzer, die sich für Microduck entscheiden, sind in der Regel KI-Bastler, Entwickler oder Bildungseinrichtungen, die nach einer Plattform suchen, um KI-Modelle in der realen Welt zu testen. Das Unternehmen selbst positioniert das Produkt als „Traum-Spielzeug für KI-Bastler“. Es gibt jedoch keine exklusive Bindung an bestimmte KI-Tools; die Offenheit für händisch geschriebene Python-Skripte zeigt, dass Pollen Robotics den Nutzern die volle Kontrolle über die Funktionalität überlassen möchte. Die Entscheidungsträger bei Pollen Robotics setzen damit auf eine Community-getriebene Entwicklung, bei der die Anwender selbst definieren, wie sie das Gerät einsetzen und welche Aufgaben es erfüllen soll.

Einordnung: Warum braucht man eine Roboterente?

Die Existenzberechtigung von Microduck lässt sich durch den aktuellen Trend in der KI-Industrie einordnen. Den Berichten zufolge muss sich der derzeitige KI-Hype, der oft auf rein digitale Anwendungen beschränkt bleibt, in die physische Welt verlagern, um die hohen Erwartungen der Industrie zu erfüllen. Einzuordnen ist das so: Microduck fungiert als ein Brückenelement. Es dient als Lernwerkzeug, um die Komplexität der Interaktion zwischen Software und Hardware greifbar zu machen. Während Kritiker den Nutzen eines solchen Geräts hinterfragen könnten, bietet es für Entwickler eine kostengünstige Testumgebung, um Algorithmen für Bewegung und Objekterkennung in einer kontrollierten Umgebung zu erproben. Die Einordnung als „niedrigschwelliger Roboter“ ist dabei zentral. Es geht nicht darum, eine komplexe industrielle Aufgabe zu lösen, sondern darum, die Grundlagen der Robotik und der KI-gesteuerten Automatisierung zu demokratisieren. Die Entscheidung, das Gerät als Open-Source-Projekt zu führen, unterstreicht den Anspruch, eine Plattform für Innovationen zu schaffen, anstatt ein geschlossenes, fertiges Produkt zu verkaufen.

Offene Fragen und die Zukunft des Projekts

Trotz der detaillierten technischen Spezifikationen bleiben einige Fragen offen. Es ist beispielsweise noch nicht abschließend geklärt, wie sich die Integration in die Hugging-Face-Plattform langfristig auf die Software-Updates und den Support für Microduck auswirken wird. Auch die Frage, welche spezifischen KI-Frameworks nach dem Start am besten mit der Hardware harmonieren, wird erst der Praxiseinsatz durch die Community zeigen. Zudem bleibt abzuwarten, wie stabil die Mechanik bei intensiver Nutzung über längere Zeiträume hinweg ist. Was die Zukunft betrifft, so ist der Zeitplan klar definiert: Microduck ist ab sofort vorbestellbar. Der Preis inklusive Steuern und Versand liegt bei 440,30 Euro. Ein entscheidender Termin steht kurz bevor: Die ersten Geräte sollen noch vor Weihnachten an die Kunden ausgeliefert werden. Damit ist das Weihnachtsgeschäft als erster großer Meilenstein für die Verbreitung des Roboters gesetzt. Ob Microduck den Erwartungen gerecht wird und sich als Standardwerkzeug für KI-Bastler etablieren kann, wird sich nach den ersten Auslieferungen zeigen, wenn die Community beginnt, eigene Software-Erweiterungen und Anwendungsfälle für die Roboterente zu entwickeln.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fortschrittlicher-cyberdog-roboter-in-innenraumen-ausgestellt-35280285/ · Foto: Magda Ehlers
Quelle: https://www.heise.de/news/Microduck-Der-Entenroboter-aus-Frankreich-11434210.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag