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Frauen in IT-Berufen: Angeblich gern gesehen, aber unterrepräsentiert
Technik · 03.03.2026 14:49

Frauen in IT-Berufen: Angeblich gern gesehen, aber unterrepräsentiert

Kurz: Frauen in IT-Berufen sind unterrepräsentiert, obwohl gemischte Teams als vorteilhaft gelten. Stereotype und strukturelle Hürden behindern Fortschritte.

Frauen in IT-Berufen: Unterrepräsentation trotz positiver Ansichten

Einleitung

Frauen sind in der IT und in digitalen Fachbereichen stark unterrepräsentiert, obwohl viele Unternehmen gemischte Teams als vorteilhaft erachten. Eine aktuelle Umfrage des Bitkom zeigt, dass trotz der positiven Einstellung eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität besteht.

Umfrageergebnisse und Erkenntnisse

Laut der Befragung von über 600 Unternehmen zur Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft unterstützen 65 Prozent die Aussage, dass der Fachkräftemangel in der IT nicht ohne Frauen gelöst werden kann. Zudem sind 78 Prozent der Meinung, dass die Wirtschaft ohne Frauen ihre Zukunft gefährdet. Dennoch zeigt sich ein deutliches Bild: Die konkrete Umsetzung von Gleichstellungsmaßnahmen bleibt oft aus.

Negative Einstellungen zur Frauenförderung

Die Umfrage ergab, dass 72 Prozent der Unternehmen keine spezifischen Ziele zur Frauenförderung im IT-Bereich setzen, weil sie an qualifizierten Bewerberinnen mangeln. Weitere 57 Prozent geben an, dass sie andere Prioritäten haben, während 29 Prozent der Meinung sind, dass solche Zielsetzungen nicht zielführend sind. Diese Ansichten spiegeln sich auch in den negativen Einstellungen wider, die Frauenförderung häufig umgeben.

  • 35 Prozent glauben, dass Frauenförderung von wichtigeren Themen ablenkt.
  • 34 Prozent empfinden sie als ungerecht gegenüber Männern.
  • 28 Prozent halten sie für nicht mehr notwendig.
  • 23 Prozent meinen, dass sie sich nicht lohnt.
  • 20 Prozent sind der Ansicht, dass Unternehmen dadurch unnötig belastet werden.

Hürden für Frauen in der IT

Die Umfrage identifizierte mehrere strukturelle Hürden, die Frauen den Zugang zu IT-Berufen erschweren.

Hauptgründe für die Unterrepräsentation

  • **Wiedereinstieg nach Elternzeiten**: 50 Prozent der Befragten sehen hier Hürden.
  • **Unzureichende Sensibilisierung**: 48 Prozent der Unternehmen geben an, dass Führungskräfte nicht ausreichend geschult sind.
  • **Traditionelle Rollenbilder**: 47 Prozent berichten von vorherrschenden Stereotypen im Unternehmen.
  • **Präsenzkultur**: 46 Prozent machen diese für die Unterrepräsentation verantwortlich.
  • **Fehlende Netzwerke**: 42 Prozent bemängeln, dass es an Unterstützung für Frauen fehlt.

Diese Herausforderungen sind nicht nur intern zu betrachten. Externe Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle.

Externe Hürden

  • **Mangelnde Weiterbildungsmöglichkeiten**: 55 Prozent der Befragten sehen Schwierigkeiten beim Quereinstieg für Frauen.
  • **Klischeebehaftete Berufsorientierung**: 40 Prozent berichten von einer unzureichenden Berufsberatung.
  • **Betreuungsinfrastruktur**: 48 Prozent empfinden diese als ungenügend.
  • **Selbstvermarktung**: 54 Prozent der Befragten glauben, dass Frauen sich schlecht vermarkten.
  • **Qualifikationen**: 46 Prozent halten Frauen für unzureichend qualifiziert.

Handlungsempfehlungen

Angesichts der Ergebnisse hat der Bitkom sowohl für Unternehmen als auch die Politik Handlungsempfehlungen formuliert.

Empfehlungen für Unternehmen

  • **Ziele setzen**: Unternehmen sollten messbare Ziele für die Frauenförderung festlegen.
  • **Personelle Verankerung**: Die Verantwortung für Gleichstellung sollte klar zugewiesen werden.
  • **Aktive Ansprache**: Stellenausschreibungen sollten gezielt Frauen ansprechen.
  • **Quereinstiegswege verbessern**: Unternehmen sollten Barrieren abbauen, um Frauen den Einstieg zu erleichtern.

Politische Initiativen

  • **Verpflichtender Informatikunterricht**: Der Unterricht sollte gendersensibel gestaltet werden.
  • **Verbesserung der Betreuungsangebote**: Die Infrastruktur für Kinderbetreuung muss ausgebaut werden.
  • **Qualifizierungshilfen**: Es sollten gezielte Programme zur Weiterbildung für Frauen entwickelt werden.

Die Umfrage des Bitkom illustriert die Diskrepanz zwischen der positiven Einstellung zu gemischten Teams und der Realität in der Umsetzung von Gleichstellungsmaßnahmen. Es bedarf eines gemeinsamen Anstrengens von Unternehmen und Politik, um die Hürden abzubauen und IT-Berufe für Frauen attraktiver zu gestalten. Die Verantwortung für eine nachhaltige Veränderung liegt sowohl bei den Unternehmen als auch bei der Gesellschaft insgesamt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/computer-gerat-verwendung-gadget-5473301/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://www.heise.de/news/Frauen-in-IT-Berufen-Angeblich-gern-gesehen-aber-unterrepraesentiert-11196778.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag