Was geschehen ist: Ein umstrittenes Konzert in Frankfurt
Am 20. August 2026 wurde bekannt, dass der kroatische Musiker Marko Perković, der unter seinem Künstlernamen Thompson auftritt, ein Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle plant. Der Termin für den Auftritt ist für den 13. November angesetzt. Obwohl der Sänger in seiner Heimat Kroatien als absoluter Superstar gilt, der bei Konzerten regelmäßig zehntausende oder gar hunderttausende Menschen anzieht, ist seine Person international höchst umstritten. Die Frankfurter Jahrhunderthalle, die Platz für etwa 4.000 Besucher bietet, war bereits am Donnerstag nach nur zwei Stunden ausverkauft. Dies unterstreicht die ungebrochene Popularität des Musikers innerhalb der kroatischen Diaspora in Deutschland. Doch der Auftritt stößt auf erheblichen Widerstand. Politische Akteure, allen voran die Fraktion der Linken im Frankfurter Römer, haben sich bereits deutlich gegen das Konzert positioniert und fordern die Betreibergesellschaft der Halle auf, die Veranstaltung abzusagen. Die Debatte entzündet sich an der inhaltlichen Ausrichtung des Sängers, dem seit Jahren vorgeworfen wird, nationalistische und faschistische Ideologien zu verbreiten und diese in seinen Liedern sowie bei seinen Auftritten zu verherrlichen. Während die Fans den Musiker als Identifikationsfigur feiern, sehen Kritiker in dem Konzert eine Plattform für gefährliches Gedankengut, das in einer öffentlichen Einrichtung keinen Platz finden sollte.
Die Einzelheiten: Hintergründe zu den Vorwürfen und Zahlen
Die Kritik an Marko Perković, bekannt als Thompson, ist vielschichtig und stützt sich auf eine Reihe von Vorfällen, die bis in die 1990er Jahre zurückreichen. Ein zentraler Punkt der Auseinandersetzung ist das Lied „Bojna Čavoglave“, mit dem der Künstler seine Konzerte regelmäßig eröffnet. Zu Beginn dieses Liedes skandieren der Sänger und sein Publikum die Grußformel „Za dom spremni“. Historisch betrachtet handelt es sich dabei um den offiziellen Gruß des Ustascha-Regimes, das im Zweiten Weltkrieg mit dem nationalsozialistischen Deutschland kollaborierte. Das Ustascha-Regime war für die systematische Ermordung von hunderttausenden Serben, Roma, Juden sowie politischen Gegnern in Konzentrationslagern verantwortlich. Perković wird zudem vorgeworfen, in weiteren Liedern die faschistische Vergangenheit Kroatiens zu verherrlichen oder gar Ustascha-Lieder zu paraphrasieren. In den 1990er Jahren trat er offen mit Symbolen des Ustascha-Führers Ante Pavelić auf. Anfang der 2000er Jahre sorgte eine Audio-Aufnahme für Aufsehen, in der er ein Loblied auf das Morden im Konzentrationslager Jasenovac anstimmte. Zwar gab er dies damals zu, behauptet jedoch seit einigen Jahren, es handele sich um eine Fälschung. Diese Vorwürfe führten in der Vergangenheit bereits zu Auftrittsverboten in Ländern wie Österreich und der Schweiz. Dennoch bleibt sein Erfolg ungebrochen: Er tritt bei Feiern der kroatischen Nationalmannschaft auf und wird sogar in Gottesdiensten der Diaspora durch Kinderchöre zitiert.
Hintergrund: Vom Superstar zum umstrittenen Akteur
Die Karriere von Thompson ist eng mit der jüngeren Geschichte Kroatiens verknüpft. Während er in seiner Heimat als musikalischer Superstar verehrt wird, der bei Gedenkveranstaltungen zum Unabhängigkeitskrieg der 1990er Jahre eine feste Größe darstellt, hat sich sein Image im Ausland durch die ständige Präsenz nationalistischer Symbolik gewandelt. In Deutschland konnte er bis vor etwa einem Jahrzehnt noch in städtischen Hallen auftreten, doch in den letzten Jahren musste er vermehrt auf kleinere, private Veranstaltungsräume ausweichen. Sein letzter Auftritt in Frankfurt fand im Jahr 2007 statt. Die aktuelle Situation in der Jahrhunderthalle markiert somit eine Rückkehr in einen größeren Rahmen, was die Debatte um seine Person erneut befeuert. Die kroatische Diaspora in Deutschland hält ihm dabei trotz aller Kritik die Treue, was sich nicht nur in den schnellen Ticketverkäufen widerspiegelt, sondern auch in der Verbreitung seiner Musik in sozialen Netzwerken und bei sportlichen Veranstaltungen. Die Diskrepanz zwischen seiner Rolle als gefeierter Volksheld in Kroatien und der Wahrnehmung als Rechtsrocker in anderen europäischen Ländern bildet den Kern der aktuellen Kontroverse, die nun die Frankfurter Stadtpolitik erreicht hat.
Die Beteiligten: Wer entscheidet und wer protestiert
Die Auseinandersetzung um das Konzert wird maßgeblich von der Fraktion der Linken im Frankfurter Römer vorangetrieben. Benjamin Aličić, Stadtverordneter der Linken, hat die Forderung nach einer Absage öffentlich formuliert. Unterstützt wird er dabei von der Fraktionsvorsitzenden Daniela Mehler-Würzbach, die betont, dass jemand, der eine derartige Ideologie romantisiert, keine Bühne erhalten dürfe. Auf der Gegenseite steht die Jahrhunderthalle GmbH. Als Betreiber einer privaten Einrichtung unterliegt sie nicht der direkten Kontrolle der Kommunalpolitik. Die Geschäftsführung der Halle sieht sich derzeit nicht in der Pflicht, das Konzert abzusagen. In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Hessischen Rundfunk betonte die GmbH, dass man im Vorfeld prüfe, ob Veranstaltungen im Rahmen des geltenden Rechts stattfinden. Da keine konkreten Erkenntnisse über verfassungsfeindliche oder strafrechtlich relevante Inhalte vorlägen, sehe man aktuell keinen Anlass zum Handeln. Die Debatte verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen der unternehmerischen Freiheit privater Veranstalter und der gesellschaftlichen Verantwortung, die von politischen Vertretern eingefordert wird. Die Akteure stehen sich unversöhnlich gegenüber, wobei die rechtliche Lage den Spielraum für politische Interventionen stark einschränkt.
Einordnung: Rechtliche Grenzen und gesellschaftliche Verantwortung
Einzuordnen ist die Situation vor allem durch die rechtliche Lage in Deutschland. Weder der Gruß der Ustascha noch deren Symbole sind hierzulande explizit verboten, was der Jahrhunderthalle GmbH den rechtlichen Spielraum für die Genehmigung des Konzerts verschafft. Den Berichten zufolge ist das Argument der Betreiber, dass keine strafrechtlich relevanten Inhalte zu erwarten seien, juristisch schwer anzugreifen, solange keine konkreten Verstöße gegen das Gesetz vorliegen. Dennoch stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung. Kritiker wie Mehler-Würzbach argumentieren, dass Privateigentum nicht von der moralischen Pflicht entbinde, keine Plattform für menschenverachtende Ideologien zu bieten. Dass die Jahrhunderthalle bereits im Mai dieses Jahres die serbische Sängerin Ceca auftreten ließ, die als Witwe eines Kriegsverbrechers ebenfalls stark umstritten ist, zeigt ein Muster in der Programmgestaltung der Halle. Es scheint, als verfolge die Betreibergesellschaft eine rein rechtliche Prüfung, während die politische Bewertung der Inhalte bewusst ausgeklammert wird. Diese Haltung führt dazu, dass die Halle wiederholt zum Schauplatz für Künstler wird, deren Hintergrund in der Öffentlichkeit massiv kritisiert wird.
Offene Fragen: Was bisher ungeklärt bleibt
Der vorliegende Sachverhalt lässt einige Fragen offen, die für die weitere Entwicklung von Bedeutung sein könnten. So bleibt unklar, ob die Jahrhunderthalle GmbH im Vorfeld des Konzerts spezifische Auflagen an den Veranstalter oder den Künstler stellt, um beispielsweise die Verwendung bestimmter Symbole oder Grußformeln während des Auftritts zu unterbinden. Der Quelltext gibt keinen Aufschluss darüber, ob es vertragliche Vereinbarungen gibt, die bei einem Verstoß gegen gesellschaftliche Standards eine kurzfristige Absage oder einen Abbruch des Konzerts ermöglichen würden. Ebenso ist nicht bekannt, ob die Sicherheitsbehörden das Konzert als Sicherheitsrisiko einstufen oder ob es bereits konkrete Planungen für polizeiliche Begleitmaßnahmen gibt, um mögliche Ausschreitungen oder Proteste zu verhindern. Auch bleibt offen, ob es seitens der Stadt Frankfurt noch weitere rechtliche Möglichkeiten gibt, um auf den privaten Betreiber einzuwirken, oder ob das Thema damit für die Kommunalpolitik abgeschlossen ist. Die Lücke zwischen der moralischen Forderung der Politik und der rechtlichen Argumentation der Betreibergesellschaft bleibt somit die zentrale Unbekannte in diesem Konflikt. Es ist zudem nicht ersichtlich, ob der Künstler selbst auf die aktuelle Kritik reagiert hat oder ob er plant, sein Programm für den Frankfurter Auftritt anzupassen.