Ende einer Übergangslösung in der Innenstadt
Nach rund fünf Wochen Betrieb beginnt die Stadt Frankfurt mit dem schrittweisen Rückbau eines provisorischen Zeltlagers in der Bockenheimer Anlage. Die Zelte, die nahe dem Eschenheimer Tor als kurzfristige Notunterkunft dienten, werden nun durch dauerhafte Strukturen ersetzt. Wie das Sozial- und Gesundheitsdezernat mitteilte, stehen ab sofort vier feste Einrichtungen bereit, um den betroffenen Menschen Schutz und eine stabilere Perspektive zu bieten.
Kapazitäten und Zeitplan der neuen Unterkünfte
Die neuen Standorte bieten insgesamt etwa 150 Schlafplätze. Die Inbetriebnahme erfolgt in zwei Phasen:
* **August:** Das Henriette-Fürth-Haus im Gutleutviertel sowie der Tagestreff Weser 5 im Bahnhofsviertel nehmen zusammen mehr als 70 Personen auf.
* **September:** Das Haus Lichtblick an der Eschersheimer Landstraße sowie eine weitere Einrichtung in der Innenstadt ergänzen das Angebot um weitere circa 75 Plätze.
Laut Christian Rupp, Sprecher des Sozial- und Gesundheitsdezernats, erfolgt der Abbau der Zelte sukzessive, sobald die neuen Schlafplätze von den Betroffenen angenommen werden.
Hintergrund: Brandschutz als Auslöser
Das Zeltlager war Ende Juni innerhalb kürzester Zeit errichtet worden, nachdem die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) eine seit 2018 genutzte Notunterkunft in der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor aufgrund von Brandschutzmängeln schließen musste. Die Zelte dienten als schnelle Reaktion, um den obdachlosen Menschen in der Zwischenzeit einen geschützten Raum zu garantieren. Von Beginn an war diese Lösung jedoch als temporär deklariert.
Niedrigschwellige Hilfe und fachliche Betreuung
Die neuen Unterkünfte werden im Auftrag der Stadt von der Caritas Frankfurt sowie der Diakonie Frankfurt und Offenbach betrieben. Die Verantwortlichen betonen, dass es sich um niedrigschwellige Angebote handelt. Neben der reinen Übernachtungsmöglichkeit erhalten die Menschen dort Zugang zu Beratung und weiterführender Unterstützung.
Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl (Grüne) unterstrich, dass das Ziel weiterhin darin bestehe, jedem Menschen einen sicheren Schlafplatz zu ermöglichen. Auch Diakoniepfarrer Markus Eisele betonte die Notwendigkeit, Schutz und Würde zu wahren, da sich niemand freiwillig für ein Leben auf der Straße entscheide. Er verwies zudem darauf, dass neben akuten Notunterkünften langfristige Strategien gegen Wohnungslosigkeit essenziell bleiben.
Einordnung der Situation in Frankfurt
Nach offiziellen Angaben der Stadt leben in Frankfurt derzeit etwa 200 bis 300 Menschen dauerhaft auf der Straße. Eine deutlich größere Anzahl an wohnungslosen Personen ist bereits in verschiedenen Einrichtungen untergebracht. Mit der Bereitstellung der 150 neuen Plätze versucht die Stadt, die Versorgungslücke zu schließen, die durch die Schließung der U-Bahn-Station entstanden war, und gleichzeitig den Standard der Unterbringung durch feste Gebäude zu verbessern.