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FIFA-Experte Eckert sicher: "Infantino wird nicht aufgeben"
Sport · 05.08.2026 08:50

FIFA-Experte Eckert sicher: "Infantino wird nicht aufgeben"

Kurz: FIFA-Präsident Gianni Infantino steht nach gescheiterten Investorenplänen massiv unter Druck. Experte Hans-Joachim Eckert analysiert die Chancen auf einen Sturz

Eine Präsidentschaft am Wendepunkt

Die Amtszeit von Gianni Infantino an der Spitze des Fußball-Weltverbandes FIFA ist in eine kritische Phase eingetreten. Nachdem der 56-jährige Schweizer mit seinen Plänen gescheitert ist, Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft an externe Investoren zu veräußern, wächst der Widerstand innerhalb der Kontinentalverbände. Was vor wenigen Wochen noch als gesicherte Wiederwahl im kommenden März in Marokko erschien, hat sich zu einer existenziellen Bedrohung für seine Machtbasis entwickelt.

Der Münchner Jurist Hans-Joachim Eckert, der bis 2017 in der FIFA-Ethikkommission tätig war, beobachtet die Entwicklungen mit Sorge um die Integrität des Verbandes. Trotz der massiven Kritik und des schwindenden Rückhalts geht Eckert jedoch nicht davon aus, dass Infantino freiwillig den Rückzug antreten wird. Er rechnet vielmehr mit einem harten Kampf um den Verbleib im Amt.

Bröckelnde Allianzen und institutioneller Widerstand

Lange Zeit stützte sich Infantinos Macht auf ein System aus finanziellen Anreizen und Turniervergaben, mit denen er sich die Loyalität zahlreicher Verbände sicherte. Doch dieses Fundament zeigt Risse. Die UEFA hat dem FIFA-Präsidenten bereits offiziell das Vertrauen entzogen. Auch der nordamerikanische Verband CONCACAF sowie der Asiatische Fußballverband (AFC) haben sich von ihm distanziert. Mit dem walisischen Verband hat zudem erstmals ein nationaler Akteur explizit die Unterstützung für die geplante Wiederwahl verweigert.

Eckert sieht in dieser Entwicklung eine neue Qualität der internen Opposition. Die FIFA, lange Zeit als nach außen hin uneinnehmbare Bastion wahrgenommen, zeigt deutliche Auflösungserscheinungen. Selbst langjährige interne Mitstreiter distanzieren sich zunehmend von Infantinos Alleingängen und betonen, nicht in die Entscheidungsprozesse eingebunden gewesen zu sein.

Die Hürden eines Misstrauensvotums

Ein Sturz des FIFA-Chefs ist jedoch kein einfacher Prozess. Selbst bei einer Sondersitzung des FIFA-Councils, in der eine Mehrheit den Rücktritt fordern könnte, besteht für den Präsidenten keine rechtliche Verpflichtung zum sofortigen Rückzug. Die entscheidende Instanz bleibt der Kongress, der im März zusammentritt.

Für ein erfolgreiches Misstrauensvotum ist eine klare Stimmenmehrheit erforderlich. Eckert skizziert ein theoretisches Szenario, in dem die vereinten Stimmen der UEFA (55), des CONCACAF (35) und des AFC (46) eine kritische Masse von 134 Stimmen bilden könnten. Dies würde ausreichen, um Infantino die Grundlage für eine weitere Amtszeit zu entziehen. Dennoch bleibt der afrikanische Raum eine Region, in der der Schweizer weiterhin auf Unterstützung hofft.

Krisenmanagement und interne Kritik

Angesichts der Zuspitzung hat Infantino zu einer Krisensitzung nach Rabat geladen. Das Treffen unterstreicht die Dringlichkeit, mit der die FIFA-Spitze auf den wachsenden Druck reagiert. Auch aus dem engsten Umfeld des Präsidenten mehren sich die kritischen Stimmen. Sowohl FIFA-Direktor Arsène Wenger als auch Generalsekretär Matthias Grafström haben sich bereits öffentlich geäußert, was als weiteres Indiz für die schwindende Geschlossenheit innerhalb des Weltverbandes gewertet wird.

Zudem kursieren Berichte über angebliche Versuche Infantinos, Unterstützung durch den US-Präsidenten Donald Trump zu suchen. Diese Behauptungen, die unter anderem von der „New York Post“ aufgegriffen wurden, wies der FIFA-Account auf der Plattform X als frei erfunden zurück.

Ausblick auf die kommenden Monate

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Fronten gegen den FIFA-Präsidenten weiter verhärten. Eckert vermutet, dass hinter den Kulissen noch offene Rechnungen eine Rolle spielen könnten, die bei der anstehenden Wahl beglichen werden. Während die „Bastion FIFA“ weiter bröckelt, bleibt die Frage, ob die Opposition ausreicht, um den Schweizer tatsächlich aus dem Amt zu drängen. Sicher scheint derzeit nur, dass die Ära Infantino vor einer Zerreißprobe steht, deren Ausgang für die Zukunft des Weltfußballs von entscheidender Bedeutung sein dürfte.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/landschaft-berge-natur-himmel-11990211/ · Foto: Ryan Klaus
Quelle: https://www.sportschau.de/regional/br/br-fifa-experte-eckert-sicher-infantino-wird-nicht-aufgeben-102.html